YB-CEO Greuel empört - «Juventus-Boss Andrea Agnelli hat uns monatelang ins Gesicht gelogen»
Publiziert

YB-CEO Greuel empört«Juventus-Boss Andrea Agnelli hat uns monatelang ins Gesicht gelogen»

Die Superliga-Pläne sorgen für harte Rhetorik und tiefe Gräben. Uefa-Boss Ceferin hetzt gegen die zwölf Topclubs, die den Wettbewerb gründen wollen. Und auch die Schweizer Clubs melden sich zu Wort.

von
Nils Hänggi
1 / 4
FCZ-Präsident Ancillo Canepa glaubt nicht an eine Superliga. 

FCZ-Präsident Ancillo Canepa glaubt nicht an eine Superliga.

Freshfocus
Gegenüber 20 Minuten meint er: «Dieses Projekt ist völliger Schwachsinn und ist Gott sei Dank chancenlos, dass es umgesetzt wird.»

Gegenüber 20 Minuten meint er: «Dieses Projekt ist völliger Schwachsinn und ist Gott sei Dank chancenlos, dass es umgesetzt wird.»

freshfocus
YB-CEO Wanja Greuel sagt: «Für mich ist das der grösste Skandal im europäischen Fussball. Es ist beschämend, beschämend, beschämend.»

YB-CEO Wanja Greuel sagt: «Für mich ist das der grösste Skandal im europäischen Fussball. Es ist beschämend, beschämend, beschämend.»

freshfocus

Darum gehts

  • Kommt eine Superliga? Zwölf Topclubs haben in der Nacht auf Montag ihre Pläne zu einem neuen Wettbewerb vorgestellt.

  • In der Schweiz sind die Meinungen über die Superliga eindeutig. Kein Verantwortlicher findet sie gut.

  • 20 Minuten hat mit FCZ-Präsident Ancillo Canepa sowie YB-CEO Wanja Greuel über die Pläne gesprochen.

Alle sind sauer. Wütend wegen den Superliga-Plänen, die zwölf Topclubs in der Nacht auf Montag verkündeten. Fans posten auf Social Media Hass-Tweets, Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League spricht im Interview mit 20 Minuten Klartext. «Für den internationalen Club-Fussball sind die Pläne absolut verheerend, aber natürlich auch für den nationalen. Insbesondere die Ligen in England, Spanien und Italien sind derzeit betroffen», so Schäfer.

Auch Uefa-Präsident Aleksander Ceferin wütet und droht gar mit einem EM-Ausschluss der Superliga-Stars. Er sagt: «Wir stehen alle gemeinsam gegen dieses Nonsens-Projekt. Alle 55 Verbände sind gegen die zynischen Pläne.» Er griff die abtrünnigen Clubs scharf an, meinte: «Solidarität ist etwas, das für immer steht. Für manche ist Solidarität, Einheit etwas, was nicht existiert. Das einzige, was für sie zählt, ist ihre eigene Tasche.» Er wolle die Vereine nicht «dreckiges Dutzend» nennen – und implizierte mit seinen anderen Worten doch genau das. Weiter meint er: «Die Clubs spucken den Fans ins Gesicht.»

Und die Schweizer Clubs? Der FC Lugano etwa nimmt die Pläne mit viel Humor. Auf Twitter schreiben die Tessiner: «Sehr geehrte Gründungsmitglieder der #SuperLeague. Wir prüfen Ihren Vorschlag zur Teilnahme an diesem neuen Wettbewerb sorgfältig. Trotz einiger Zweifel an dem Projekt werden wir Ihnen in den kommenden Tagen eine endgültige Antwort geben.» Der FC Basel und Servette wollen sich auf Anfrage noch nicht zur Superliga äussern.

«Das ist eine Schande»

Anders der Meister aus Bern. Wanja Greuel, CEO der Young Boys, ist wütend. Sehr. Der Mann, der auch im 24-köpfigen Vorstand des Europäischen Clubverbandes (ECA) ist, sagt gegenüber 20 Minuten: «Für mich ist das der grösste Skandal im europäischen Fussball. Es ist beschämend, beschämend, beschämend.» Die Superliga sei ein Schlag ins Gesicht von jedem Fussballfan. Sie sei eine Entzweiung der Fussball-Welt. Die europäischen Wettbewerbe der Uefa seien über viele Jahre hinweg eine absolute Erfolgsstory gewesen. «Und jetzt haben zwölf Clubs das Gefühl, sie sind etwas besseres? Aus reiner Geldgier!», so Greuel. Und: «Dass Clubs wie Manchester United und der FC Liverpool, Vereine mit so einer Historie, einen solchen Wettbewerb planen, enttäuscht mich dermassen. Ich bin mir sicher, kein United- oder Liverpool-Fan will eine Superliga. Die wollen nur die gierigen Besitzer.»

Greuel ist wütend. Das merkt man ihm im Gespräch an. 

Greuel ist wütend. Das merkt man ihm im Gespräch an.

Urs Lindt/freshfocus

Weiter versteht der YB-CEO nicht, dass man alles im Heimlichen gemacht habe. Greuel sagt: «Man kann unterschiedliche Interessen an einem Tisch ausdiskutieren. Ich dachte, so machen wir das auch bei der ECA. Wenn es etwas zu besprechen gibt, setzen wir uns hin und reden. Doch bei der Superliga hat man uns monatelang ins Gesicht gelogen. Juventus-Präsident Andrea Agnelli hat uns monatelang ins Gesicht gelogen. Das ist eine Schande!» Agnelli ist oder besser gesagt war der Vorsitzende des Europäischen Clubverbandes (ECA), in dem auch der YB-CEO ist. Greuel weiss nicht, ob eine Superliga noch abzuwenden sei. Aber er habe schon das Gefühl, dass es viel Arbeit für die Gerichte geben werde. «Die Uefa will Mannschaften ausschliessen, die Premier League auch. Vielleicht finden ja nicht einmal die Halbfinals in der Champions League statt.»

Und FCZ-Präsident Ancillo Canepa lässt verlauten: «Dieses Projekt ist völliger Schwachsinn und ist Gott sei Dank chancenlos, dass es umgesetzt wird.» Was für Folgen eine Superliga für den FC Zürich habe, wolle er daher auch nicht beantworten. Eine «irrelevante Frage», so Canepa. Weiter kritisiert der Präsident die aktuellen Entwicklungen im Allgemeinen. Er sagt: «Die gegenwärtigen Tendenzen, europacupmässig nur noch die sogenannten Topclubs und Topligen zu bevorteilen, widerspricht den Grundsätzen der Uefa. Leider haben die Verantwortlichen dies noch nicht realisiert. Die Inkompetenz der zuständigen Uefa-Gremien und der Egoismus der grossen Clubs ist für mich ein grosses Ärgernis.»

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

144 Kommentare