Zürich: Juwelen-Gangster der Russen-Mafia verurteilt
Aktualisiert

ZürichJuwelen-Gangster der Russen-Mafia verurteilt

Ein originell verkleideter Russe hat in Zürich und Genf mehrere Schmuckgeschäfte überfallen und dabei Uhren und Pretiosen für über 1,3 Millionen Franken erbeutet. Dafür gab es nun die Quittung.

von
Attila Szenogrady

Es war am 12. März 2012, als eine Patrouille der Kantonspolizei Zürich auf dem Lindenhof eine verdächtige Person festnahm. Der heute 47-jährige Russe hatte sich zuvor an der Bahnhofstrasse seltsam auffällig verhalten. Tatsächlich stellten die Fahnder bei ihm einen Pfefferspray, eine Schnur, eine Tragtasche sowie Handschellen sicher.

Zudem hatte der Mann mehrere Schichten von Kleidern angezogen. Unter einer dunkelblauen Jacke und einem weissen Hemd trug er noch einen ganzen Anzug samt Krawatte. Darunter noch eine weitere Schicht.

Geständiger Millionenräuber

Nach anfänglichem Leugnen legte der Osteuropäer ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er minutiös einen Überfall auf eine Bijouterie an der Zürcher Bahnhofstrasse geplant. Besonders dreist dabei. Er hatte das gleiche Geschäft bereits am 7. Februar 2006 ausgeraubt. Damals hatte der Moskauer Taxichauffeur den Besitzer mit einer ungeladenen Schreckschusspistole bedroht und die Schaufensterauslage vor dessen Augen ausgeräumt.

Der Täter liess sich auch dadurch nicht beirren, dass vorher eine beim Eingang stehende Leiter aus Versehen auf ihn gefallen war. Auch nicht als während des Abräumens der Schmuckstücke der Alarm ausgelöst wurde. Der Maskierte zwang den Geschädigten die Türe zu öffnen und suchte das Weite. Dabei zog er eine dunkle Kleiderschicht aus und spazierte mit einem hellen Anzug seelenruhig zum Bahnhof, um von dort mit dem Zug nach Luzern zu gelangen.

Grösster Coup in Genf

Zwei Wochen später gelang dem Täter der grösste Coup in Genf. Laut Anklage erbeutete er in einem Schmuckgeschäft sechs Luxusuhren für insgesamt 952'000 Franken. Alleine ein Modell der Marke „Tourbillon Pop Art" wies einen Wert von 495'000 Franken aus.

Im März 2006 wollte der Beschuldigte ein weiteres Zürcher Juwelier-Geschäft am Limmatquai überfallen. Er bedrohte den Inhaber mit einer Schreckschusspistole, hatte aber diesmal Pech. So wehrte sich dieser und verwickelte den Räuber in ein Gerangel. Als unerwartet die Ehefrau des Opfers auftauchte, ergriff er ohne Beute die Flucht.

Von Mafia bedroht?

Am Donnerstag zeigte sich der Räuber vor Gericht grundsätzlich geständig, machte aber eine Notlage geltend. Seit er in Moskau mit seinem Taxi aus Versehen in den schwarzen Mercedes einer einflussreichen kriminellen Autorität hinein gekracht sei, hätte ihn die russische Mafia unter Druck gesetzt. Man habe ihn gesucht, sein Auto angezündet und schliesslich gezwungen, die Ueberfälle auszuüben. Seine Auftraggeber hätten genau gewusst, welche Beutestücke er abzuliefern hatte.

Die zuständige Staatsanwältin hielt nicht viel von der Mafia-Version und sprach von klassischen Schutzbehauptungen eines Schwerkriminellen, der die kaum zu überbietende Skrupellosigkeit hatte, ein Opfer nach sechs Jahren erneut zu «beehren». Die Anklägerin forderte eine hohe Strafe von sieben Jahren Freiheitsentzug.

Vier Jahre Knast

Die Verteidigung setzte sich für eine wesentlich mildere Strafe von drei Jahren ein. 18 Monate davon bedingt. Das Gericht schlug den Mittelweg ein und schloss wegen der erheblichen kriminellen Energie und des hohen Deliktsbetrags eine Bewährungsstrafe aus.

Anderseits hielt es dem Russen sein umfassendes Geständnis zugute. Zudem die Tatsache, dass er ungeladene und keine echten Schusswaffen eingesetzt habe. Zudem scheine es Hintermänner gegeben zu haben, erklärte der Vorsitzende. Wobei der Beschuldigte als Frontmann nicht die mächtigste Person gewesen sei. Was zu einer Strafe von vier Jahren führte. Beide Parteien können das Urteil noch anfechten.

Deine Meinung