Aktualisiert 23.04.2014 14:50

Walter HaldemannJuwelier war früher Puff-Besitzer

Der Juwelier Walter Haldemann wurde kürzlich zu Unrecht als Freier gebüsst. Nun stand er erneut vor Gericht – als Kläger und Ex-Mitinhaber des Bordells Petite Fleur.

von
Attila Szenogrady

Der Fall des 66-jährigen Juweliers Walter Haldemann sorgte im März für Schlagzeilen: Auf seiner vormittäglichen Beizen-Tour im Kreis Cheib soll er eine Prostituierte angesprochen und mit ihr mitgegangen sein, um sexuelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. So jedenfalls sah es der anwesende Sittenpolizist, der den mutmasslichen Freier verzeigte. Das Stadtrichteramt verurteilte den Juwelier per Strafbefehl zu einer Busse von 200 Franken – was bei Haldemanns prompt eine Ehekrise auslöste. Empört wehrte sich der 66-Jährige und erhielt vor Gericht recht.

Am Mittwoch nahm Haldemann erneut an einem Strafprozess am Bezirksgericht Zürich teil. Diesmal nicht als Angeschuldigter, sondern als Privatkläger. Pikant: Dabei trat Haldemann nicht etwa als Juwelier, sondern als früherer Mitinhaber des bekannten Zürcher Bordells Petite Fleur vor die Schranken. Von einer früheren Angestellten forderte er einen Schadenersatz von 16'165 Franken und eine Genugtuung von 15'835 Franken wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung.

Um über 10'000 Franken geprellt

Laut Anklage hatte die frühere Buchhalterin des Bordells im Herbst 2010 den damaligen Mitinhaber Haldemann um einen beachtlichen Geldbetrag geprellt. Der Staatsanwalt schilderte, wie die Frau innerhalb von wenigen Monaten rund 10'750 Franken abzweigte und den Fehlbetrag mittels gefälschten Mietlisten von Prostituierten zu kaschieren versuchte.

Allerdings wies die ehemalige Büroangestellte die Vorwürfe vor Gericht zurück und verlangte einen Freispruch. So habe sie nur die Anweisungen ihrer damaligen Chefin und Geschäftsführerin befolgt. Diese habe im Hinblick auf einen möglichen Rechtsstreit einen Geldbetrag für einen Anwalt bereitstellen wollen, sagte sie aus. Auch ihr Verteidiger sprach von Anordnungen der Chefin, was ein Entlastungszeuge auch bestätigt habe.

Freispruch für Bordell-Buchhalterin

Das Gericht stufte die Aussagen der Beschuldigten zum Schluss als nachvollziehbar ein und kam zu einem klaren Freispruch. Die Version der angeblich ahnungslosen Geschäftsführerin erachtete der Einzelrichter dagegen als nicht glaubhaft. Dies hatte zur Folge, dass Haldemann diesmal vor Gericht unterlag. Allerdings kann er den umstrittenen Fall an das Zürcher

Obergericht weiterziehen.

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