Super-Puma-Absturz: «Kabel sind für Helikopter eine stete Gefahr»
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Super-Puma-Absturz«Kabel sind für Helikopter eine stete Gefahr»

Die Schweiz ist von Kabeln und Leitungen überzogen, sagt ein Helikopter-Experte. Bei schwierigen Sichtverhältnissen seien diese kaum zu sehen.

von
ann
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Retter konnten die Piloten und den Flughelfer noch aus dem Wrack ziehen, bevor es in Flammen aufging: Der brennende Super Puma der Schweizer Armee beim Gotthardpass. (28. September 2016)

Retter konnten die Piloten und den Flughelfer noch aus dem Wrack ziehen, bevor es in Flammen aufging: Der brennende Super Puma der Schweizer Armee beim Gotthardpass. (28. September 2016)

Keystone/Chris van den Heijkant
Die Unfälle der Luftwaffe in den letzten Wochen haben Konsequenzen: Die Flugshow in Luzern ist vom VBS abesagt worden. (10. Oktober 2015)

Die Unfälle der Luftwaffe in den letzten Wochen haben Konsequenzen: Die Flugshow in Luzern ist vom VBS abesagt worden. (10. Oktober 2015)

Keystone/Pius Koller
Am Unglücksort sind die Räumungsarbeiten in vollem Gang. (29. September 2016)

Am Unglücksort sind die Räumungsarbeiten in vollem Gang. (29. September 2016)

Keystone

Herr Bürgler*, ein Super Puma der Armee ist beim Start in den Bergen abgestürzt. Wie schwierig sind Start und Landung mit dem Helikopter?

Dies sind sicher besonders fordernde Manöver in der Helikopter-Fliegerei. Man ist nahe am Gelände, und das birgt Risiken. Für Piloten, insbesondere Berufspiloten wie jene der Armee, gehört das aber zum täglichen Business.

Der Absturz fand im Gebirge statt. Ist es dort schwieriger zu fliegen?

Die Gebirgsfliegerei ist eine Königsdisziplin in der Luftfahrt. So hoch über dem Meer ist die Luft deutlich dünner, entsprechend sind die Leistungsreserven des Helikopters kleiner und stellen den Piloten vor grössere Herausforderungen. Ausserdem ist auch die Meteorologie anspruchsvoller. Im Gebirge hat es stark wechselnde Winde, was die Situation unberechenbarer macht. Entsprechend wird das Fliegen im Gebirge speziell trainiert. Aber die Profis der Luftwaffe sind regelrechte Gebirgsflugspezialisten.

Offenbar touchierte der Helikopter eine Stromleitung – ist da der Absturz programmiert?

Wenn einer der Rotoren ein Kabel touchiert, ist die Gefahr relativ gross, dass es fatale Folgen hat. Fällt der Heckrotor aus, beginnt sich der Helikopter um sich selbst zu drehen und ist völlig destabilisiert. Bei einer Beschädigung des Hauptrotors droht der Helikopter abzustürzen. Das ist immer eine extrem heikle Situation.

Sind Kabel und Leitungen also eine konstante Gefahr für Helikopter?

Ja, Helikopter sind oft nahe am Gelände unterwegs, und die ganze Schweiz ist von Kabeln, Leitungen und Seilen überzogen. Darum gibt es spezielle Karten, auf denen diese genau erfasst werden. Auf den Karten befinden sich aber nur Leitungen ab einer gewissen Höhe, weil die Karte sonst zu unübersichtlich würde. Piloten bereiten sich bei Flügen immer genau darauf vor, wo sich welche Seile und Leitungen befinden. Bei schwierigen Sichtverhältnissen sind sie nämlich kaum zu sehen. Darum sind diese eine stete und bewusste Gefahr, die bei jedem Briefing und auf jedem Flug thematisiert wird.

Eugen Bürgler ist Journalist und Helikopter-Experte beim Schweizer Aviatikmagazin «SkyNews.ch».

Luftwaffenchef Aldo Schellenberg über den Absturz:

1/1 TITEL: Schellenberg LEAD: Aldo C. Schellenberg nimmt im Video Stellung zum Unglück am Gotthard. TEXT: Video VIDEOLEGENDE:

Eugen Bürgler ist Journalist und Helikopter-Experte beim Schweizer Aviatikmagazin «SkyNews.ch».

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