Aktualisiert 01.11.2010 06:12

Cablecom & Co profitieren

Kabel TV: Schweizer zahlen 150 Mio zuviel

Kabelnetzanbieter kassieren jährlich rund 150 Millionen Fr. Gebühren zu viel: Kunden anderer Angebote vergessen schlicht, ihren Kabelanschluss zu kündigen.

von
Elisabeth Rizzi
Die Zahl der Internet-TV-Nutzer steigt – viele vergessen aber, den Kabelanschluss zu kündigen. (Bild: colourbox.com)

Die Zahl der Internet-TV-Nutzer steigt – viele vergessen aber, den Kabelanschluss zu kündigen. (Bild: colourbox.com)

Fernsehen übers Internet ist auf dem Vormarsch. Vor drei Jahren hatte Marktführerin Swisscom erst knapp 30 000 Fernsehkunden. Heute sind es fast 400 000. Den 300 Kabelnetzbetreibern – allen voran Branchenleaderin Cablecom – hat das kaum geschadet. Der Grund: «Geschätzte 90 Prozent der Internet-Fernsehkunden vergessen schlicht, ihren Kabelanschluss zu kündigen», sagt Comparis-Telecomexperte Ralf Beyeler. Die Zahlen von Cablecom stützen diese Vermutung. Trotz des rasanten Aufstiegs des Internetfernsehens sank die Zahl der Kabelanschlüsse zwischen Ende 2008 und Mitte 2010 bloss um 17 000. Und laut dem Verband Swisscable liegt schweizweit die Zahl der Anschlüsse sogar seit Jahren konstant bei 2,8 Millionen. Will heissen: Diverse Swisscom-TV- und Zattoo-Nutzer, aber auch Satellitenempfänger und Nichtfernseher zahlen rund 25 Fr. monatlich an die Kabelnetzbetreiber, ohne deren Dienste zu nutzen. Laut Beyeler gehen so inzwischen jährlich rund 150 Mio. Fr. zu viel an Cablecom & Co.

«Viele Leute realisieren nicht, dass die Kabelfernsehgebühr über die Nebenkostenabrechnung der Wohnungsmiete erhoben wird», so der Experte. Der Anschluss müsse bei einem Wechsel auf Internetfernsehen oder auf Satellit aktiv beim Vermieter gekündigt werden. «Wir wissen, dass das oft vergessen geht», bestätigt Regula Mühlebach vom Mieterverband. Und sie warnt: Manchmal lehnten Vermieter eine Kündigung ab. Doch das sei widerrechtlich. «Laut Fernmeldegesetz muss sie akzeptiert werden.»

Fehler gefunden?Jetzt melden.