Vergewaltigung: Kachelmann angeklagt
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VergewaltigungKachelmann angeklagt

Schlechte Nachrichten für Jörg Kachelmann: Der Staatsanwalt ist dem Haftprüfungstermin zuvorgekommen und hat Anklage erhoben. Eine baldige Entlassung rückt damit in weite Ferne.

von
amc

TV-Wettermann Jörg Kachelmann droht der Prozess: Nach zwei Monaten in U-Haft hat die Staatsanwaltschaft am Mittwochmorgen nun ernst gemacht und Anklage gegen den 51-jährigen Schweizer erhoben. Kachelmann soll sich wegen des Verdachts der «besonders schweren Vergewaltigung» und der gefährlichen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Im Fall einer Veurteilung wegen dieses Vorwurfs drohen Kachelmann mindestens fünf Jahre Haft, weil er ein Messer bei der Tat benutzt haben soll. Über die Zulässigkeit der Anklage muss das Landgericht Mannheim entscheiden.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihrer Anklage auf die Aussagen des mutmasslichen Opfers sowie auf die Ergebnisse kriminaltechnischer sowie rechtsmedizinischer Untersuchungen. Gemäss den Ermittlungsergebnissen soll Kachelmann in der Nacht des 9. Februar 2010 seine langjährige Freundin in deren Schwetzinger Wohnung unter Vorhalt eines Küchenmessers zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Kachelmann soll die acht Zentimeter lange Klinge gezogen haben, nachdem die 36-Jährige ihm eröffnet habe, dass sie sich trennen wolle. Der Wettermoderator drückte laut Staatsanwaltschaft seiner Freundin in der Folge das Messer gegen den Hals und verletzte sie damit. Während und nach der Tat soll er sie mit dem Tod bedroht haben. Gestützt werden die Aussagen der Frau durch DNA-Spuren von Kachelmann am Messer und Blutspuren der Frau am Messer sowie blaue Flecken an ihren Beinen.

Staatsanwaltschaft fehlte bisher ein wichtiger Punkt für Anklage

Kachelmann sitzt seit dem 20. März in Untersuchungshaft in Mannheim. Er bestreitet die Vorwürfe nach wie vor. «Ich bin unschuldig», sagte der 51-Jährige nach einer ersten Einvernahme vor Gericht.

Die Anklage zum jetzigen Zeitpunkt überrascht: Obschon die Staatsanwaltschaft von Beginn weg von einem «dringenden Tatverdacht» sprach und das gerichtsmedizinische Gutachten bereits kurz nach der Festnahme vorgelegt wurde, verzögerte sich die Anklage immer wieder. Zuletzt musste das mutmassliche Vergewaltigungsopfer in zwei Punkten seine Aussage korrigieren. Daraufhin verlangten die Verteidiger von Kachelmann ein aussagepsychologisches Gutachten der 36-Jährigen, um die Glaubhaftigkeit der gesamten Aussage zu prüfen.

Die Staatsanwaltschaft ging vergangene Woche darauf ein und bekräftigte zugleich, dass eine Anklage zurzeit nicht möglich sei, weil «die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind» und ein «wichtiger Punkt» noch abgeklärt werden müsse. Worum es dabei geht, teilte Staatsanwalt Andreas Grossmann auf Anfrage von 20 Minuten Online aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit.

Nun sieht die Staatsanwaltschaft dies offenbar anders: «Wir sind der Meinung, dass die bisherigen Ermittlungsergebnisse ausreichen, um die Anklage aufrechtzuerhalten», so Andreas Grossmann gegenüber 20 Minuten Online. Umso erstaunlicher wird der Schritt angesichts der Tatsache, dass das aussagepsychologische Gutachten noch nicht fertiggestellt ist: «Das Opfer blieb bei seiner Anschuldigungen und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln», sagt Grossmann. Wieso man sich ausgerechnet jetzt dazu entschied, bleibt unklar. Auch wenn Grossmann sagt, dass der für den 1. Juni anberaumte Haftprüfungstermin keine Rolle spielt, drängt sich dieser Verdacht auf.

Hafprüfungstermin hinfällig - Kachelmann bleibt vorerst in U-Haft

Den Termin vor dem Amtsgericht Mannheim beantragte Jörg Kachelmanns Anwalt Reinhold Birkenstock vergangene Woche. Nach fast zwei Monaten war die Verteidigung der Überzeugung, sie habe «genügend Argumente» für eine Aufhebung der Haft. Aufgrund von ausstehenden Ermittlungsergebnissen setzte das Gericht den Termin erst am 1. Juni an.

Nun ist der Termin hinfällig: Die Grosse Kammer des Mannheimer Landgerichts wird nicht nur über die Anklage entscheiden müssen, sondern auch über die Haftfortsetzung. Wann dieser Entscheid gefällt wird, blieb zunächst unklar. Nach deutschem Recht kann Kachelmann aber höchstens sechs Monate in U-Haft bleiben, ohne dass er einen Haftprüfungstermin hatte oder aber ein Verhandlungstermin feststeht. Spätestens im September weiss Kachelmann also, wie es weiter geht. (amc/dapd)

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