«Opfer-Abo»: Kachelmann prägt «Unwort des Jahres 2012»
Aktualisiert

«Opfer-Abo»Kachelmann prägt «Unwort des Jahres 2012»

Das deutsche «Unwort des Jahres 2012» ist Jörg Kachelmann entlehnt. Die Jury wählte eine ihm zugeschriebene Aussage, wonach Frauen in der Gesellschaft ein «Opfer-Abo» hätten.

von
rme
Kachelmann überzeugte mit seinem Wort die Jury.

Kachelmann überzeugte mit seinem Wort die Jury.

«Opfer-Abo» ist in Deutschland das «Unwort des Jahres 2012». Der Wettermoderator Jörg Kachelmann habe in mehreren Interviews davon gesprochen, dass Frauen in der Gesellschaft ein «Opfer-Abo» hätten, erklärte die Jury am Dienstag in Darmstadt.

Das Wort stelle in diesem Zusammenhang «Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein.» Die Sprachforscher betonten zugleich, sie urteilten damit nicht über den Fall Kachelmann. Der Wettermoderator war im Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden.

Pro und Contra

Alice Schwarzer gratulierte der «Unwort des Jahres«-Jury. Die Jury habe «ein bedeutendes Zeichen dafür gesetzt, dass die Verunglimpfung und Einschüchterung der Opfer sexueller Gewalt nicht so einfach durchgeht», schrieb Schwarzer in ihrer Zeitschrift «Emma».

Jörg Kachelmann hingegen reagierte mit Spott auf die Wahl des von ihm mitgeprägten Unworts. «Hui, das Unwort des Jahres. Wer hats erfunden? Leider ist es die Wahrheit, die manchmal politisch unkorrekt ist», schrieb der Wettermoderator auf seinem Twitter-Account.

Weitere Unwörter

Auf Platz zwei der Unwörter landete «Pleite-Griechen» vor dem Begriff «Lebensleistungsrente». Im vergangenen Jahr hatte sich die Formulierung «Döner-Morde» durchgesetzt. Zum Börsen-Unwort 2012 wurde «freiwilliger Schuldenschnitt» bestimmt.

Für die sprachkritische Aktion «Unwort des Jahres 2012» gab es 2241 Einsendungen mit 1019 verschiedenen Vorschlägen. Bei der Auswahl sei nicht die Häufigkeit der Nennung eines Worts ausschlaggebend, sondern ihr Öffentlichkeitscharakter, erläuterte Jury-Sprecherin Nina Janich. Das Unwort des Jahres wird seit 1994 von einer unabhängigen und ehrenamtlichen Jury gewählt.

Bio: Unwort in der Schweiz

Das «Unwort des Jahres» wird seit 2003 auch in der Schweiz gewählt. Das «Unwort 2012» wurde von der Jury Anfang Dezember bekannt gegeben und heisst «Bio». Durch den inflationären und oft missbräuchlichen Gebrauch des Begriffs im Detailhandel sei die Bevölkerung dessen überdrüssig geworden, hiess es in der Begründung. (rme/sda/dapd)

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