Kommission: Kaczynskis Piloten mitschuldig
Aktualisiert

KommissionKaczynskis Piloten mitschuldig

Unbefugte im Cockpit und wenig erfahrene Piloten: Beides könnte zum tödlichen Absturz des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski beigetragen haben.

Laut der russisch-polnischen Untersuchungskommission MAK hätten die Piloten trotz mehrfacher Warnung vor dichtem Nebel versucht, die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 auf dem Flughafen der russischen Stadt Smolensk zu landen. Das sagte die Leiterin der Kommission, Tatjana Anodina, am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau.

Die offizielle Untersuchung des Absturzes mit insgesamt 96 Toten habe zudem ergeben, dass die Piloten nicht besonders flugerfahren gewesen seien und in Polen kein spezielles Krisentraining erhalten hätten.

Die Auswertung der Flugschreiber ergab laut Anodina, dass sich kurz vor dem Absturz ausser der Crew «unbefugte Personen» im Cockpit befunden hätten.

Eine Stimme der im Cockpit zusätzlich Anwesenden sei «eindeutig identifiziert» worden, bei den übrigen bedürfe es noch zusätzlicher Informationen aus Polen, sagte Anodina. Wer im Cockpit war und worum sich die Gespräche drehten, wollte sie zunächst nicht sagen.

Laut dem Cheftechniker der Untersuchungskommission, Alexej Morosow, streifte die Tupolew beim Landeversuch einen Baum. Danach hätten die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren.

Zweimal gewarnt

Kaczynski war am 10. April mit seiner Frau und 94 weiteren Insassen ums Leben gekommen, als ihr Flugzeug in der Nähe der russischen Stadt Smolensk abstürzte. Der Präsident war auf dem Weg nach Katyn, um der Opfer des Massakers an rund 22 000 Polen während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.

Den ersten Untersuchungsergebnissen des russischen Komitees zufolge wurde die Crew an Bord vor dem Absturz zudem mehrmals gewarnt, dass eine Landung wegen des schlechten Wetters unmöglich sei. Der Fluglotse habe die Besatzung «zweimal gewarnt», dass der Flughafen von Smolensk im Nebel liege und die Sichtweite nur rund 400 Meter betrage, sagte Morosow.

Der Besatzung sei gesagt worden, dass die Bedingungen für eine Landung nicht gegeben seien. Die Maschine habe zudem während des Fluges stets Informationen über alternative Flughäfen zur Landung erhalten.

Weiterhin habe die Untersuchung ergeben, dass «weder ein technischer Ausfall noch eine Explosion oder ein Brand» an Bord für das Unglück verantwortlich gewesen seien, sagte Anodina. Auch ein Attentat könne ausgeschlossen werden, und die Motoren hätten einwandfrei funktioniert. (sda)

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