Aktualisiert 29.04.2016 12:19

Gachnang TGKadaver im Futter – Dutzende Kühe verendet

Weil das Tierfutter durch Botulinumtoxin verseucht war, sind auf einem Hof im thurgauischen Gachnang über 60 Tiere gestorben.

von
jeb
Über 60 Kühe sind auf dem Hof in Gachnang TG verendet.

Über 60 Kühe sind auf dem Hof in Gachnang TG verendet.

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Ausnahmezustand im Weiler Strass in Gachnang TG: Etliche Kühe liegen im Sterben, schreibt der «Landbote» am Freitag. Seit dem 11. April seien 63 Kühe verendet und man gehe davon aus, dass dies noch nicht das Ende sei. Sechs Tiere sind in kritischem Zustand.

Grund dafür ist das Nervengift Botulinumtoxin. Das haben laut «Landbote» Untersuchungen des Tierspitals Zürich nachgewiesen. Das Gift soll über einen Tierkadaver ins Futter gelangt sein. Vermutlich ist beim Mähen ein Fuchs, Hase oder eine Katze in den Silierladewagen geraten. «Fellfetzen im Futter stützen den Verdacht», so der betroffene Landwirt Fritz Stettler zu 20 Minuten.

Milch nicht betroffen

Wenn Fleisch verwest, kann es vorkommen, dass Bakterien das Nervengift Botulinumtoxin entwickeln, erklärt der Frauenfelder Tierarzt Fürer im «Landbote». Es sei eines der stärksten Gifte überhaupt und für Menschen bereits in kleinsten Dosen tödlich. Dass so viele Tiere gestorben sind, könnte in der Menge des Gifts liegen, vermutet Ueli Braun, Leiter der Abteilung für Wiederkäuermedizin des Tierspitals der Universität Zürich. Konsumenten hätten nichts zu befürchten. Einerseits hätten die Mastkälber nicht vom betroffenen Futter gefressen, andererseits gehe das Gift nicht in die Milch über.

Tierarzt war Dauergast auf dem Hof

Angefangen hat das Drama vor drei Wochen. «Eine Kuh hatte Lähmungserscheinungen. Sie frass nicht mehr, hatte eine lahme Zunge», so Stettler. Darauf habe er den Tierarzt kontaktiert. Am nächsten Tag lag die Kuh tot im Stall. Daraufhin wurde das Futter untersucht, Fellfetzen wurden gefunden und das Tierspital wurde eingeschaltet, das die Vergiftung durch Kadaver diagnostizierte. In den folgenden Tagen mussten viele Tiere mit den entsprechenden Symptomen eingeschläfert werden. «Manchmal musste der Tierarzt an einem Tag mehrmals kommen, um die Tiere zu erlösen», so Stettler. 63 der 130 Kühe von Stettlers Hof sind bereits gestorben und es könnten noch mehr werden.

Solidarität in Form von Kühen

Die Verluste sind für den Landwirt erheblich, zumal der Schaden nicht versichert ist. Der finanzielle Ausfall wird auf eine Viertelmillion Franken geschätzt.

Stettler erfährt in der schwierigen Situation jedoch viel Solidarität. So erreichen ihn viele Briefe und Telefonate, in denen ihm Kraft gewünscht wird. Besonders freut er sich über Geschenke von Nachbarn: Stettler hat mehrere Kühe geschenkt bekommen.

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