Misswirtschaft : Kaderleute trieben Firma in den Ruin
Aktualisiert

Misswirtschaft Kaderleute trieben Firma in den Ruin

Ein Aargauer Kaufmann und eine Geschäftspartnerin haben eine Aarauer Temporärfirma in den Ruin getrieben und einen Schaden von rund 350 000 Franken angerichtet. Nun wurde das Duo verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Es war am 30. Mai 2007, als die in Aarau domizilierte Firma STK Schweiz AG finanziell zusammenbrach. Der Konkurs über das Unternehmen für Temporär- und Dauerstellenvermittlung brachte ein wahres Chaos ans Tageslicht. Da sich die offizielle Geschäftsadresse in Zürich befand, standen die strafrechtlichen Folgen der Aargauer Firmenpleite am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich zur Debatte.

Vor den Schranken mussten sich ein heute 57-jähriger Kaufmann aus Meisterschwanden sowie seine 35-jährige Geschäftspartnerin aus Aarau verantworten. Beiden Beschuldigten wurde angelastet, über mehrere Jahre lang Misswirtschaft in Reinkultur betrieben und einen Schaden von mindestens 350 000 Franken angerichtet zu haben.

Bereits nach drei Tagen in finanzieller Schieflage

Vor Gericht legten die beiden Beschuldigten grundsätzlich ein Geständnis ab. Demnach war die September 2005 gegründete STK bereits nach drei Tagen in finanzielle Schieflage geraten. Grund dafür war die Tatsache, dass ein Dritter Gesellschafter vom Gründungkapital von 100 000 Franken rund 90 000 Franken wieder abgezogen hatte.

Auf Nimmerwiedersehen. Zudem führten die beiden Angeklagten auch die Aargauer Kantonalbank hinters Licht. So setzten sie einen Kredit von 50 000 Franken nicht als Liquidationsreserve ein, sondern vertragswidrig für die Bezahlung von offenen Rechnungen.

AHV- und Vorsorgegelder abgezweigt

Schwer wog auch die Tatsache, dass das Duo sowohl AHV-Beiträge wie auch Vorsorgegelder von rund 100 Angestellten regelmässig zweckentfremdete. So zog es zwar die Beträge vom Brutto-Lohn ab, zweigte aber danach die Gelder für die Aufwendungen der Firma ab. Bei den AHV-Abzügen entstand so ein Schaden von rund 150 000 Franken.

Weitere 140 000 Franken fehlten bei der Pensionskasse. Der hauptbeschuldigte Kaufmann bestritt, dass die STK schon von Beginn weg zum Scheitern verurteilt war. So sei man erst mit der Zeit in eine hoffnungslose Lage geraten.

Bedingte Freiheitsstrafen

Die zuständige Staatsanwältin Patricia Brunner verlangte für den Kaufmann eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten. 15 Monate auf Bewährung sollte die Mitbeschuldigte erhalten. Die Verteidiger setzten sich für erheblich mildere Sanktionen ein. Zehn Monate bedingt für den Kaufmann, eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 30 Franken für die Aarauerin.

Das Gericht schlug einen Mittelweg ein und bestrafte den Mann mit 15 Monaten bedingt. 13 Monate bedingt kassierte die Mittäterin. Der Angeschuldigte hatte dabei Glück, da er erst im Mai 2009 vom Bezirksgericht Lenzburg wegen Pfändungsbetrugs zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt worden war.

Unbehagen hinterliess die Tatsache, dass beide Beschuldigten inzwischen eine neue Temporärfirma gegründet haben und heute weiterhin zusammen arbeiten.

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