Prix-Jeunesse-Nominationen: Kämpfen nur alte Politiker für die Jugend?
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Prix-Jeunesse-NominationenKämpfen nur alte Politiker für die Jugend?

Drei Politiker balgen sich um den Prix Jeunesse – die Jugend haben alle schon lang hinter sich. Die Nomination offenbart ein Problem: Der Nachwuchs hat in Bern keine Lobby.

von
ala

Mathias Reynard (26) ist ein ehrlicher Jungpolitiker – oder noch nicht lange genug dabei, um sich hinter diplomatischen Formeln zu verstecken. Jedenfalls ist er der Meinung, dass die Anliegen der Jugend im Parlament kaum vertreten werden. Und das sagt er auch so. Reynard muss es wissen: Als jüngster Parlamentarier erhielt er letztes Jahr den Prix Jeunesse der Jugendsession (siehe Box).

Dieses Jahr wird der Preis erneut verliehen. Offenbar haben sich die jungen Politiker dieses Jahr aber kaum für ihre Altersgenossen eingesetzt. Wirklich jung sind die drei Nominierten jedenfalls nicht mehr.

Kampf gegen Cybermobbing

Da ist einmal die CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (47). Sie schafft es auf die Liste, weil sie sich im Parlament gegen Cybermobbing engagiert. Der zweite Parlamentarier ist SP-Nationalrat Jean-François Steiert (52). Als Präsident der Stiftung Dialog organisiert er das Projekt «Jugend debattiert», das den Jugendlichen die politische Bildung näherbringen will. Der Dritte im Bunde ist der Zuger FDP-Kantonalpolitiker Thomas Lötscher (45). Er hilft unter anderem mit, den kantonalen Jugendpolittag in seinem Heimatkanton zu organisieren.

So weit, so gut. Doch wie haben sich die beiden nationalen Politiker wirklich verhalten, als es um die Anliegen der Jugendlichen ging? Ein Blick zurück zeigt: Nicht immer stimmten sie im Sinne der Jugendsession. Barbara Schmid-Federer hat mehrmals gegen die Petitionen der Jugendlichen gestimmt oder sich enthalten. So hat sie die Forderung nach mehr Zivildienststellen im Ausland abgelehnt. Auch einem Verbot, die Nationalität von Straftätern zu nennen, wollte Schmid-Federer nicht zustimmen; sie enthielt sich der Stimme.

Abstimmungen geschwänzt

Konsequenter war da der zweite Nominierte, Jean-François Steiert. Der SP-Politiker befürwortete die Anliegen der Jugendlichen – wenn er denn im Saal war. Allerdings hat er bei mehreren Gelegenheiten die Abstimmungen geschwänzt.

Der SVP-Mann Lukas Reimann (31) kritisiert die Nomination der drei Kandidaten. «Ich bin mir sicher, dass es genug engagierte Junge gibt, die einen solchen Preis verdient hätten.» Vielleicht entferne sich die Jugendsession ja selber ein wenig von der Jugend.

Wie Reimann glauben auch andere Parlamentarier, dass die Jungen im Parlament ihre Anliegen nicht immer erfolgreich vortragen. «Wenn sich Jugendliche mit Veranstaltungen wie ‹Tanz Dich Frei› äussern, haben etablierte Politikern kaum Gehör dafür», sagt etwa SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Sein Parteikollege Mathias Reynard stimmt ihm zu: «Die Anliegen der Jugend geniessen bei den wenigsten Politikern Priorität.»

Die Jugendsession

Die Jugendsession findet jedes Jahr statt. Jeweils 200 Jugendliche können teilnehmen und diskutieren über politische Themen. Zudem erarbeiten sie Petitionen oder Projektideen. Falls die Teilnehmer einer Petition zustimmen, wird sie dem Nationalrat weitergereicht. Seit 2008 verteilen die Teilnehmenden auch den Prix Jeunesse an Politiker, die sich für Jugendliche einsetzen.

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