St. Gallen: Käser beteuert im Milchskandal die Unschuld
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St. GallenKäser beteuert im Milchskandal die Unschuld

Der Käsermeister Karl Wick musste sich wegen zurückbehaltener Beiträge vor dem St. Galler Kantonsgericht verantworten. Milchverbände fühlen sich geprellt.

Der Benkner Käsermeister Karl Wick hat am Donnerstag vor Kantonsgericht seine Unschuld beteuert. Die Anklage warf ihm vor, über Jahre insgesamt 350 000 Franken Beiträge von Milchbauern an Milchverbände zurückbehalten - und damit veruntreut - zu haben.

Das Kreisgericht See-Gaster verurteilte Wick vor einem Jahr wegen Veruntreuung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten und einer Busse von 3000 Franken. Wick und in der Folge auch die Staatsanwaltschaft fochten das Urteil an. Das Kantonsgericht verhandelte den Fall am Donnerstag. Das Urteil steht noch aus.

Der Verteidiger verlangte für den 45-Jährigen einen Freispruch. Wick sein kein Vorsatz zur Veruntreuung nachzuweisen. Bei den 350 000 Franken ging es um Beiträge, die Wick den Milchbauern vom Milchgeld abzog. Das Geld sollte an Milchverbände gehen und von diesen für Marketing und Exportförderung verwendet werden.

Betrieb in Nachlassstundung

Wicks Betrieb geriet in finanzielle Schieflage. Irgendwann konnte der Betrieb auch die Milchlieferungen der Bauern nicht mehr bezahlen. 2006 kam es zur Nachlassstundung. Seit damals habe Wick sowieso nichts mehr bezahlen dürfen, sagte der Verteidiger.

Der Käsermeister habe geglaubt, er sei nicht verpflichtet, den Milchverbänden Beiträge abzuliefern. Die Strafklage sei Teil einer «Hetze» gegen den Angeklagten, sagte sein Anwalt.

Die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost und die Genossenschaft Schweizer Milchproduzenten hatten 2009 Strafklage gegen den Benkner Käsermeister eingereicht. Sie warfen ihm vor, entgegen den Abmachungen die Verbandsbeiträge pro Kilo Milch nicht an die Verbände abgeliefert zu haben.

Ostschweizer Milchskandal

Das Geld habe er unrechtmässig benutzt, um andere Forderungen zu begleichen. Wick räumte vor Gericht ein, das Geld in seinen Betrieb investiert zu haben. 2005 kam es wegen der Frage zu einem gerichtlichen Vergleich. Wick zahlte damals den Verbänden 100 000 Franken.

Wick war auch in den Konkurs der Produzenten-Milchverwerter- Organisation (PMO) verwickelt. Der Konkurs wurde 2011 eröffnet und ist noch nicht abgeschlossen. Zu den Verlierern gehören viele Ostschweizer Milchbauern, die zum Teil mehrere zehntausend Franken ausstehend haben. (sda)

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