Aktualisiert 06.02.2014 10:19

Thorberg-Affäre

Käser hält Experte nicht für befangen

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser verteidigt den Strafvollzugsexperten Benjamin Brägger. Er sieht kein Problem darin, dass Brägger die Arbeit seines ehemaligen Chefs untersucht.

Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger war einst – als Mitarbeiter der Strafanstalt Witzwil – Untergebener von Amtschef Martin Kraemer, dessen Rolle er in der Thorberg-Affäre nun untersucht. Regierungsrat Hans-Jürg Käser sieht darin kein Problem der Befangenheit.

Es liege in der Natur der Sache, «dass man sich im relativ kleinen Kreis der Schweizer Strafvollzugsbehörden persönlich kennt und duzt», sagte Käser in einem am Donnerstag erschienenen Interview mit der «Berner Zeitung». Er halte Brägger für sehr integer und sei davon überzeugt, dass er gute Arbeit leisten werde.

Es gebe in der Schweiz nur «vier oder fünf» Strafvollzugsexperten, die für eine solche Untersuchung geeignet seien. Wäre Brägger nicht sehr versiert, «hätte er wohl kaum Lehraufträge an den Universitäten Bern und Lausanne». Ausserdem habe sich Brägger schon bei früheren Gelegenheiten «durchaus kritisch zum Strafvollzug geäussert».

Ebenfalls kein Problem sieht Käser darin, dass Brägger FDP-Mitglied ist, so wie der freigestellte Thorberg-Direktor Georges Caccivio. Im übrigen habe er, Käser, dies nicht gewusst, «bis mich Herr Brägger kürzlich darauf aufmerksam machte».

Resultate in zwei bis drei Monaten

Die Resultate der externen Untersuchung sollen laut Käser in zwei bis drei Monaten vorliegen. Der Polizeidirektor bekräftigte im Interview zudem, dass er es für «vertretbar» halte, dass Aussagen von Caccivio in einem Prozess zu einem Prostituiertenmord aus einem Häftlings-Dossier entfernt wurden.

Laut Käser wurde die entsprechende Seite nicht auf Geheiss von Caccivio aus den Akten entfernt. Vielmehr habe Vizedirektor Klaus Emch die Seite «mit Herrn Caccivios Einverständnis aus dem Dossier entfernt, weil er sie problematisch fand». Seit der Freistellung Caccivios amtet Emch interimistisch als Thorberg-Direktor.

Bei den Dossiers der Gefangenen handle es sich nicht um Gerichtsakten, sondern um Informationen zur Vorgeschichte der Häftlinge, betonte Käser. Diese seien für das Anstaltspersonal und die Therapeuten wichtig für die Behandlung der Häftlinge.

Oberaufsichtskommission traktandiert Thema

Die Thorberg-Affäre beschäftigt auch die Oberaufsichtskommission (OAK) des Grossen Rates. Das Thema sei an der nächsten Sitzung traktandiert, bestätigte OAK-Präsident und SP-Grossrat Hans Rhyn Angaben der Zeitung «Der Bund».

Eine eigene Untersuchung der OAK dränge sich aber im Moment nicht auf, sagte Rhyn. Die direkte Aufsicht über die Verwaltung obliege dem Regierungsrat, und dieser habe ja nun eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben.

Mit einer dringlichen Interpellation will Grünen-Präsident Blaise Kropf das Thema in der März-Session des Kantonsparlamentes aufs Tapet bringen. Aus Sicht von Kropf werden mit der externen Untersuchung nicht alle Fragen geklärt, so etwa zur Führungsverantwortung im zuständigen Amt für Freiheitsentzug und Betreuung. (sda)

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