Stellenabbau: Kahlschlag bei Basler Chemiekonzern
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StellenabbauKahlschlag bei Basler Chemiekonzern

Beim Chemiekonzern Huntsman in Basel steht erneut ein Stellenabbau bevor: Das US-Unternehmen will in Basel 500 Arbeitsplätze streichen und 100 weitere an andere Standorte verlegen.

von
whr
Schlechte Nachrichten für die Angestellten des Chemiekonzern Huntsman in Basel. (Handout)

Schlechte Nachrichten für die Angestellten des Chemiekonzern Huntsman in Basel. (Handout)

Huntsman kündigt Umstrukturierungsmassnahmen betreffend den Geschäftsbereich Textile Effects an, in dem schon im vergangenen Jahr Stellen gestrichen worden waren. Nun sollen möglicherweise die Produktionsstätten und Business-Support-Büros in Basel geschlossen werden, wie Huntsman am Dienstag mitteilte.

500 Stellen sollen ganz gestrichen und 100 weitere an andere Standorte verlagert werden, wie Huntsman am Dienstag bekannt gab. Der amerikanische Konzern hatte das Geschäft mit Farbstoffen und Chemikalien für die Textilindustrie 2006 für 332 Mio. Fr. von der früheren Ciba SC übernommen und dort immer wieder Stellen abgebaut.

Schlechte Ertragslage - drastische Massnahmen

Huntsman begründet den geplanten weiteren Stellenabbau im Communiqué mit der schlechten Ertragslage des Geschäftsbereichs Textile Effects, die «drastische Massnahmen» erfordere. Wie diverse Konkurrenten will nun auch Huntsman sein Textilgeschäft in Asien konzentrieren. Der starke Franken habe die Notwendigkeit einer Neuausrichtung noch verstärkt, hält der Konzern fest.

In Basel ist nun die Schliessung der Produktionsstätten und der Business-Support-Büros von Textile Effects geplant. Bereits sei das Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern eröffnet worden, teilte Huntsman weiter mit. Die Umstrukturierung mitsamt allfälliger Werkschliessungen soll bis Ende 2013 abgeschlossen sein.

Forschung nicht betroffen

Nicht betroffen von der Umstrukturierung des in Basel ansässigen Textilgeschäfts ist die Abteilung Forschung und Technologie. Das Unternehmen zeigt sich in der Mitteilung «fest entschlossen», seine Innovationsfähigkeit weiter zu stärken.

Huntsman beschäftigt in der Schweiz insgesamt 1300 Mitarbeitende in den Geschäftsbereichen Textile Effects und Advances Materials. In Basel sind derzeit rund 700 Personen für Textile Effects und 300 für Advanced Materials tätig. Dieser Geschäftsbereich, der auch über einen Ableger in Monthey VS verfügt, ist vom Abbau nicht betroffen.

Weltweit beschäftigt Huntsman rund 12'000 Menschen. 2010 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 9,3 Mrd. Dollar.

(whr/sda)

Gewerkschaft ist schockiert

Der Entscheid des Chemiekonzerns Huntsman, in Basel 500 Arbeitsplätze zu streichen, stösst bei den Arbeitnehmervertretern auf harsche Kritik. Er sei über den Schritt «schockiert», sagte Serge Gnos, Geschäftsleiter der Unia Nordwestschweiz, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Dass das Unternehmen praktisch die Hälfte der Belegschaft abbaue, sei nicht nachvollziehbar, sagte Gnos. «Huntsman geht es hervorragend.» Das Unternehmen habe im ersten Halbjahr ein «Top- Ergebnis» vorgelegt.

Die Begründung Huntsmans, der starke Franken habe die Kosten in die Höhe getrieben, betrachtet Gnos als vorgeschobenes Argument. Die Chemie sei weniger als andere Branchen von der Frankenstärke betroffen, weil die Produkte schlecht substituierbar seien und höhere Preise den Absatz kaum schmälerten.

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