Kaiseraugst: Radioaktives Material im Altmetall entsorgt
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Kaiseraugst: Radioaktives Material im Altmetall entsorgt

Radioaktives medizinisches Material aus dem Kantonsspital Baden ist unsachgemäss auf einer Alteisendeponie in Kaiseraugst entsorgt worden.

14 radioaktiv strahlende Stifte wurden sichergestellt. Möglicherweise fehlt noch ein weiterer Stift, nach dem jetzt gesucht wird. Die Bundesanwaltschaft wurde eingeschaltet.

Die radioaktive Strahlung wurde am 3. Februar 2004 bei der Eingangskontrolle des Altmetallhändlers in Kaiseraugst (AG) entdeckt, wie das Bundesamt für Gesundheit sowie die Kantonsspitäler von Baden und Aarau am Mittwoch bekannt gaben. Die Suva stellte in der Folge vor Ort einen Tresor mit vorerst drei Strahlenquellen mit Cäsium-137 in Form von drei etwa 1,5 Zentimeter langen Stiften mit je zwei Millimeter Durchmesser sicher. Die Stifte wurden bis in die 80-er Jahre in der Strahlentherapie der Medizin verwendet. Ein viertes Stäbchen fanden die Suva-Spezialisten bei einem Entsorgungsunternehmen in Schönenwerd (SO), wo der Container mit dem Altmetall zwischengelagert war. Der Container mit dem Altmetall stammte aus dem Kantonsspital Baden.

Der in Kaiseraugst sichergestellte Tresor wurde im Paul Scherrer Institut in Villigen aufgebrochen. Darin wurden weitere zehn Cäsium-137-Quellenstifte entdeckt. Weil der Tresor aber 15 entsprechende Aufbewahrungsplätze für derartige Stifte enthält, kann laut BAG nicht ausgeschlossen werden, dass der 15. Stift noch fehlt. Das Inventar konnte noch nicht überprüft werden, weil die Unterlagen bisher nicht gefunden wurden.

Theoretisch besteht nach Angaben des BAG die Möglichkeit, dass die eventuell noch fehlende Strahlenquelle beim Strassentransport des Altmetall-Containers vom Kantonsspital Baden nach Schönenwerd und nach dem Umladen weiter nach Kaiseraugst verloren gegangen ist. Deshalb kann nicht ausgeschlossen werden, dass das radioaktiv strahlende Stäbchen von einer Person aufgelesen werden könnte. Es besteht die Gefahr, dass bei längerem direkten Kontakt der Jahresgrenzwert von 1.000 Mikro-Sievert für die effektive Strahlendosis überschritten werden könne, und zwar dann, wenn eine solche Quelle angefasst oder eingesteckt würde.

Wer für die unsachgemässe Entsorgung des Strahlenmaterials im Altmetall zuständig ist, ist noch offen. Die Bundesanwaltschaft hat gegen Unbekannt ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren wegen Widerhandlung gegen das Strahlenschutzgesetz eröffnet.

Die Strahlenquellen stammten aus der Nuklearmedizin des Kantonsspitals Baden, das durch ärztliche Fachpersonen des Kantonsspitals Aarau geführt wird. In Baden war im Herbst 2003 - wie früher auch schon - eine Aufräumaktion durchgeführt worden, weil sich einiges an Geräten und Material angesammelt hatte, das in der Nuklearmedizin nicht mehr gebraucht wurde. Dazu gehörte laut Angaben des Spitals auch das tresorähnliche Spezialbehältnis für die Aufbewahrung von radioaktivem Material mit drei Bleibehältern für die Lagerung von insgesamt 15 stäbchenförmigen Cäsium-Quellen. Der Spezialbehälter wurde unsachgemäss im Altmetallcontainer deponiert, der Anfang Januar 2004 von der Schönenwerder Entsorgungsfirma abgeholt wurde. Warum der Spezialbehälter im Altmetall landete, ist bisher nicht geklärt. Die Kantonsspitäler Aarau und Baden bedauern den Vorfall und setzen laut ihren Angaben alles daran, die Angelegenheit so rasch wie möglich aufzuklären. (dapd)

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