Immun gegen Gift: Kakerlaken sind kaum noch zu töten
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Immun gegen GiftKakerlaken sind kaum noch zu töten

Der Mensch ist dabei, den Kampf gegen die Kakerlaken zu verlieren. In einer US-Studie zeigten die Insekten erstaunliche Giftresistenzen.

von
jcg

Man sagt, dass Kakerlaken sogar einen Atomkrieg überleben würden. Das mag übertrieben sein, schliesslich sind auch Kakerlaken nicht vor dem Strahlentod gefeit. Doch was die Bekämpfung mit Insektengift angeht, sind die Insekten tatsächlich praktisch unzerstörbar. Zumindest legt das eine Studie der Universität Purdue im US-Bundesstaat Indiana nahe.

Die Forscher untersuchten, wie verschiedene Gifte auf die Deutsche Schabe (Blattella germanica) wirken. Diese Art lebt nur dort, wo auch Menschen leben, und ist der eigentliche Prototyp der ekligen Kakerlake, die auf der ganzen Welt gefürchtet ist.

Nachwuchs trotz Gift

Es zeigte sich, dass die Insekten in kürzester Zeit Resistenzen gegen die verschiedensten Gifte entwickeln können, wie die Forscher im Fachjournal «Scientific Reports» schreiben. Für die Studie testeten die Forscher in knapp zwanzig Wohnungen über sechs Monate drei verschiedene Strategien gegen das Ungeziefer. So wurden entweder nur ein Gift, ein Cocktail aus drei Giften oder drei Gifte im monatlichen Wechsel eingesetzt. Die Forscher zeichneten dann über mehrere Schabengenerationen die Wirkung der Insektizide und die Entwicklung von Resistenzen auf.

In den meisten Fällen blieb die Anzahl der Kakerlaken in den Wohnungen gleich oder wuchs sogar noch an. Am wenigsten brachte es, Gifte wechselnd einzusetzen. Dadurch konnten die Schaben sogenannte Kreuzresistenzen entwickeln, wurden also immun gegen gleich mehrere Gifte. So zeigten sich der Nachwuchs unempfindlich gegen Gifte, denen die vorherige Generation ausgesetzt war, aber unerwarteterweise auch gegen andere Insektizide, mit denen sie nicht direkt in Kontakt gekommen war.

Resistent in einer Generation

Am besten wirkte noch die Methode, nur ein Gift einzusetzen. Allerdings auch nur dort, wo in der Population praktisch keine Resistenzen vorhanden waren. In einer anderen Wohnung, wo die Kakerlaken bereits eine etwas höhere Resistenz aufwiesen, vermehrten sie sich trotz Gifteinsatz sogar. Dem resistenten Nachwuchs war dieses Gift dann vollkommen egal.

Michael Scharf, Leiter der Insektenkunde an der Universität Purdue, sagte dazu in einer Mitteilung: «Wir hatten keine Ahnung, dass so etwas dermassen schnell passieren kann. Wenn Kakerlaken umgehend Resistenzen gegen gleich mehrere Gifte entwickeln, wird es beinahe unmöglich, dieses Ungeziefer nur auf chemischem Weg einzudämmen.»

Nicht nur auf Gift setzen

Er empfiehlt denn auch, sich im Kampf gegen Kakerlaken nicht auf die Chemie-Keule zu verlassen. Zielführender sei es, auf bessere Hygiene zu achten, Fallen aufzustellen und fleissig staubzusaugen, um allfällige Nester zu erwischen. «Einige dieser Methoden sind teurer, als einfach Gift zu versprühen. Aber wenn diese Gifte nichts nützen, um die Population einzudämmen oder zu vernichten, ist es hinausgeworfenes Geld», sagt Scharf.

Für Menschen gefährlich

Deutsche Schaben sind sogenannte Vorratsschädlinge. Sie übertragen unter anderem Salmonellen, Sporen, das Darmbakterium E.coli und antibiotikaresistente Stämme. Sie können bei Menschen Asthma und Schleimhautentzündungen auslösen. Sie sind zudem Überträger für Milzbrand, Salmonellose und Tuberkulose.

Die deutsche Schabe ist eine von rund 30 Schabenarten, die als Schädling eingestuft werden. Daneben gibt es rund 4600 Arten, die in der Natur eine wichtige Funktion erfüllen, indem sie tote organische Substanzen fressen wie etwa Falllaub am Waldboden.

Nicht zu verwechseln ist die Deutsche Schabe mit der harmlosen Bernstein-Waldschabe, die sich ab und zu in unsere Wohnungen verirrt. Die Deutsche Schabe ist an zwei dunklen Längsstreifen am Halsschild zu erkennen (siehe Bild), die der Bernstein-Waldschabe fehlen. Die Waldschabe richtet keinen Schaden an und stirbt nach wenigen Tagen in der Wohnung, da sie dort keine passende Nahrung findet. (Bild: iStock)

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