Kalifornien brennt nicht mehr

Aktualisiert

Kalifornien brennt nicht mehr

Die Waldbrände im US-Bundesstaat Kalifornien sind grösstenteils gelöscht. Regen und Schneefall halfen den 14 000 Feuerwehrleuten, die seit Jahrzehnten grössten Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

«Es gibt nirgendwo mehr Grossfeuer, die brennen», sagte Andrea Tuttle, Chefin der kalifornischen Forstbehörde, am Sonntag. «Das ist der Tag, von dem wir nicht mehr dachten, dass wir ihn erleben.»

Tausende, völlig erschöpfte Feuerwehrleute wurden nach Hause geschickt. Die Arbeit konzentriert sich nun auf die Hilfe für die Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser, die zerstört wurden. Die Feuerwehr sei noch mit letzten Brandnestern beschäftigt, sagte Tuttle.

Sowohl der Flächenbrand im Gebiet um San Bernardino östlich von Los Angeles als auch die zwei Grossfeuer in der Region von San Diego konnten nach Angaben der Forstverwaltung unter Kontrolle gebracht werden. Das sich auf das Skigebiet Big Bear im Osten von Los Angeles zubewegende Feuer sei ebenfalls eingedämmt worden.

Bis alle Brände vollständig besiegt seien, werde es aber noch drei bis vier Wochen dauern, sagte der Feuerwehrsprecher Bob Martinez.

Fläche des Tessins zerstört

Die Brände zerstörten eine Fläche von 3000 Quadratkilometern vom Norden von Los Angeles bis zur mexikanischen Grenze, was ungefähr der Fläche des Kantons Tessin entspricht. Ganze Ortschaften wurden von den Flammen zerstört. Mehr als 3300 Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder. Mindestens 22 Menschen starben in den Flammen.

Nach «zurückhaltenden» Schätzungen verursachten die wahrscheinlich schwersten Brände in der Geschichte des US- Bundesstaats Schäden und Kosten von mehr als zwei Milliarden Dollar, wie der scheidende Gouverneur Gray Davis mitteilte.

Dieser Wert, der sowohl Schäden an Gebäuden und Infrastruktur als auch Kosten für Lösch- und Wiederaufbauarbeiten sowie Versicherungen umfasst, werde wahrscheinlich noch ansteigen, sagte Davis.

Immense Schäden für Versicherer

Bei der Farmers Insurance Group, dem zweitgrössten Versicherer in Kalifornien, sind bereits über 1300 Schadenansprüche eingegangen. Die Tochtergesellschaft von Zurich Financial Services (ZFS) gilt jedoch als finanziell gut abgesichert.

Mehrere kalifornische Regierungsvertreter machten Washington mitverantwortlich für die Katastrophe. Die US-Regierung habe vor kurzem die von Davis geforderten Subventionen von 430 Millionen Dollar abgelehnt, die zur Säuberung der kalifornischen Wälder von Gestrüpp und abgestorbenen Bäumen eingesetzt werden sollten.

Als Ursache vieler Feuer wird Brandstiftung angenommen. Bei der Suche nach einem mutmasslichen Täter in San Bernardino setzten die Behörden und private Geldgeber eine Belohnung von 60 000 Dollar aus.

Bush will Augenschein nehmen

Um den hunderten obdachlos gewordenen Familien bei der Suche nach einer neuen Unterkunft zu helfen, weihten Davis und sein designierter Nachfolger Arnold Schwarzenegger ein neues Hilfszentrum für die Brandopfer ein. Ihnen soll mit Sofortdarlehen geholfen werden.

US-Präsident George W. Bush wird nach Angaben des Weissen Hauses am Dienstag nach Kalifornien reisen, um sich vor Ort ein Bild über die Schäden und die Hilfe für die Brandopfer zu machen.

(sda)

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