Kalojew ist wieder ein freier Mann
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Kalojew ist wieder ein freier Mann

Der 51-jährige Russe Vitali Kalojew, der nach der Flugkatastrophe von Überlingen einen Fluglotsen der Schweizer Flugsicherung Skyguide erstochen hatte, wurde nach Verbüssung von gut zwei Dritteln seiner Strafe aus der Haft entlassen. Er konnte noch heute abend nach Russland zurück fliegen.

Der Medienbeauftragte der russischen Botschaft in Bern, Alexander Gladkow, sagte der Nachrichtenagentur AP am späten Nachmittag auf Anfrage, dass Kalojew noch am Montagabend mit einer Maschine der Swiss nach Moskau fliege. Die zuständigen Zürcher Behörden hatten sich den ganzen Tag über in Schweigen gehüllt und jede Medienanfrage mit «No comment» beantwortet.

Das Bundesgericht hatte am vergangenen Donnerstag die Haftentlassung Kalojews angeordnet. Die Lausanner Richter wiesen zunächst eine Beschwerde der Zürcher Staatsanwaltschaft gegen das Strafmass von fünfeinviertel Jahren wegen vorsätzlicher Tötung ab. Weil der Russe zwei Drittel seiner Strafe verbüsst hat, wurde zudem die sofortige Freilassung verfügt. Kalojew hatte am 24. Februar 2004 einen 36-jährigen dänischen Fluglotsen an dessen Wohnort in Kloten erstochen. Dieser hatte in der Nacht zum 2. Juli 2002 den Luftraum über dem Bodensee überwacht, als zwei Flugzeuge kollidierten. Unter den 71 Toten, darunter 49 Kinder und Jugendliche, waren die Frau und die beiden Kinder Kalojews.

Das Bundesgericht hielt fest, dass angesichts der Brutalität der Tat eigentlich eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren angemessen wäre. Die Strafminderung auf noch fünfeinviertel Jahre erachteten zwei der fünf Richter als zu mild, auch wenn die stark verminderte Zurechnungsfähigkeit unbestritten blieb. Die Mehrheit der Richter hielt das Strafmass für vorsätzliche Tötung auf Grund der stark verminderten Schuldfähigkeit für gerechtfertigt. Der Antrag der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, die eine Rückweisung des Urteils oder reformatorisch eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren beantragt hatte, wurde mit drei gegen zwei Stimmen abgelehnt. Einstimmig abgelehnt wurde der Antrag des Russen, seine Strafe sogar auf vier Jahre zu senken.

Das Zürcher Obergericht musste im vergangenen Juni eine erste Freiheitsstrafe vom Oktober 2005 wegen vorsätzlicher Tötung auf Weisung des kantonalen Kassationsgerichts von acht Jahren auf fünfeinviertel Jahren reduzieren. Am vergangenen 15. August ordnete das Obergericht die Entlassung Kalojews auf den 24. August an, weil dieser zwei Drittel der verkürzten Strafe verbüsst hatte. Diesen Entscheid focht der Staatsanwalt am Bundesgericht an.

Im Prozess um die Verantwortlichkeiten vor dem Bezirksgericht Bülach waren Anfang September vier von acht angeklagten Skyguide-Mitarbeitern schuldig gesprochen worden. Drei Kadermitglieder erhielten wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung bedingte Freiheitsstrafen von je zwölf Monaten, ein vierter Angeklagter eine bedingte Geldstrafe. Das Gericht kam zum Schluss, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können. Die Betroffenen akzeptierten die Urteile.

(dapd)

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