Strafgericht BL: «Kam für Ferien in die Schweiz und landete im Gefängnis»
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Strafgericht BL«Kam für Ferien in die Schweiz und landete im Gefängnis»

Eine englische Familie muss sich vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten. Sie wurde im letzten Mai in Duggingen BL beim Wohnwagendiebstahl in flagranti erwischt. Vor Gericht tischten die Beschuldigten eine bizarre Story auf.

von
Seline Bietenhard
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In Duggingen BL wurde im Mai 2020 eine englische Bande beim Stehlen eines Wohnwagens in flagranti ertappt.

In Duggingen BL wurde im Mai 2020 eine englische Bande beim Stehlen eines Wohnwagens in flagranti ertappt.

Google Street View
Sie müssen sich nun vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten.

Sie müssen sich nun vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten.

bl.ch/Tom Bisig
Der gleiche Wohnwagenhändler wurde schon 2013 Opfer von Dieben. Auch dieser Fall wurde aufgeklärt.

Der gleiche Wohnwagenhändler wurde schon 2013 Opfer von Dieben. Auch dieser Fall wurde aufgeklärt.

Polizei Basel-Landschaft

Darum gehts

  • Eine Bande aus England wurde im Mai 2020 beim Stehlen eines Wohnwagens in flagranti erwischt.

  • Nun muss sie sich vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten.

  • Sie beteuert jedoch ihre Unschuld und erzählt eine bizarre Erpressungsgeschichte.

Eine englische Familie muss sich vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten, wie die «Basler Zeitung» am Donnerstag berichtete. Sie wurde in der Nacht vom 9. Mai 2020 in Duggingen BL beim Stehlen eines Wohnwagens von der Polizei in flagranti erwischt. Den 78’000 Franken teuren Wohnwagen versuchten sie vom Händler ab Platz mithilfe eines Zweitwagens abzuschleppen. Bei der Festnahme ergriffen zwei Personen die Flucht, sie konnten jedoch kurze Zeit später ebenfalls verhaftet werden.

Der Lenker des Abschleppwagens wurde positiv auf Opiate, Kokain und Alkohol getestet, wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervorgeht. Vier der Briten befinden sich seit zehn Monaten in der Schweiz in Haft, der Strafprozess läuft seit Mittwoch.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass das Stehlen des Wohnwagens geplant war und dass die Familie extra für den Diebstahl von England in die Schweiz gereist war. Es sollten noch zwei weitere Wohnwägen abtransportiert werden. Der Gesamtwert der Fahrzeuge beläuft sich auf 266’000 Franken. Für die vier Briten fordert die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von bis zu drei Jahren und acht Monaten und einen Landesverweis für acht Jahre.

Seltsame Erpressungs-Story

Die Familie jedoch stellt die Situation anders dar. Sie sei für Ferien in die Schweiz gekommen, da ihre ursprünglichen Urlaubspläne wegen des Coronavirus ins Wasser fielen. Ein Social-Media-Post über den Planwechsel hätte einen «Basler Gangster» auf die Familie aufmerksam gemacht, der daraufhin die Familie erpresste. Sie hätte dem Gangster seit Monaten Geld geschuldet. Er verlangte als Ersatzleistung für die Rückzahlung Hilfe beim Entwenden eines Wohnwagens in Duggingen.

Es geht wieder zurück nach England

Dem Urteil des Strafgerichts blickten die Briten gelassen entgegen. Der drohende Landesverweis beeindruckte sie gar nicht. «Ich kam für Ferien in die Schweiz und landete im Gefängnis», erklärte einer der Beschuldigte. Er würde kein Fuss mehr in das Land setzen.

Wie die Basler Zeitung berichtete, kommen nun drei der vier Erwachsenen tatsächlich sofort frei und können zurück nach England. Nur der Rollstuhlfahrer unter ihnen bleibt vorderhand im Gefängnis, weil er ein umfangreiches Vorstrafenregister hat. Zudem wurde die Baselbieter Staatsanwaltschaft wegen ihrer ungenügenden Arbeit kritisiert.

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