Nationalrätin Yvonne Feri (SP): Kamala Harris kann «sowieso tanzen», weil sie «dunkelhäutig» ist
Publiziert

Nationalrätin Yvonne Feri (SP)Kamala Harris kann «sowieso tanzen», weil sie «dunkelhäutig» ist

In der SRF-«Arena» vom Freitag hat SP-Nationalrätin Yvonne Feri mit einer Aussage Linke und Feministinnen verärgert. Feri sagte, US-Vize Kamala Harris könne «sowieso tanzen», weil sie «als dunkelhäutige Person den Rhythmus» habe.

von
Karin Leuthold
woz

Darum gehts

  • SP-Nationalrätin Yvonne Feri sagte in der Arena-Sendung vom Freitag, US-Vize Kamala Harris könne «als dunkelhäutige Person sowieso tanzen».

  • Ihre Aussage löst auf Twitter Empörung aus.

  • Feri nahm gegenüber 20 Minuten Stellung: «Ich bin alles andere als rassistisch.»

Die SP-Nationalrätin Yvonne Feri sorgt mit einer Aussage bei der «Arena»-Sendung vom vergangenen Freitagabend für Empörung auf Twitter – auch in linken Kreisen. Feri wurde von Moderator Sandro Brotz gefragt, welches Lied sie der neuen US-Vizepräsidentin Kamala Harris zum Herunterfahren empfehlen würde.

Lachend sagte Feri, sie würde Harris den Tanz empfehlen, «den gerade alle miteinander tanzen». Ein anderer Gast - SVP-Nationalrat Albert Rösti - hilft Feri mit dem Namen auf die Sprünge: Jerusalema. Dabei handelt es um einen Song des südafrikanischen Künstlers DJ Master KG, der derzeit viral geht. Auf der ganzen Welt tanzen Leute dazu – auch weil sie dabei den nötigen Abstand einhalten können.

Arena-Moderator Sandro Brotz fürs Nichteinschreiten kritisiert

Die Aargauer Nationalrätin erläutert weiter: «Ich bin überzeugt, dass sie den kennt, und dass sie sowieso tanzt. Sie ist eine dunkelhäutige Person und kommt aus Hawaii ursprünglich und dort hat man ja den Rhythmus

Das Feministische Streikkollektiv Zürich reagierte darauf mit einem verärgerten Tweet: «Plexiglas schützt nicht vor rassistischen Äusserungen!», heisst es. «Arena»-Moderator Sandro Brotz habe zudem aus der Rassismusdebatte im letzten Sommer «wirklich rein gar nichts gelernt!», lautet der Vorwurf.

Feris Aussage beinhalte auch einen Fehler: «Kamala Harris ist eine Person mit Migrationserbe. Sie kommt aus den USA!», so ein weiterer Tweet des Frauenkollektivs. Ihr Vater Donald Harris ist ein aus Jamaika stammender Wirtschaftswissenschaftler.

«Wie wahnsinnig peinlich und rassistisch, dass niemand von den Anwesenden sich dazu geäussert hat. Bei sie ist ja eine dunkelhäutige Frau hätten sich eigentlich alle easy vorbereiten können. Anti-racism level easy», reagiert etwa Anna Rosenwasser von der Lesbenorganisation Schweiz auf den Insta-Post des Feministischen Streikkollektivs Zürich.

«Die Aussage war total positiv gemeint»

Gegenüber 20 Minuten sagte Yvonne Feri: «Ich bin alles andere als rassistisch. Sollte ich in der Nervosität der Abschlussfrage eine stereotypisierte Aussage gemacht haben, tut mir das leid und dafür entschuldige ich mich.» Ihre Aussage sei «total positiv gemeint», so Feri. «Kamala Harris zeigt sich auch öfters mit Tanzvideos auf Youtube.»

«Ich finde die Diskussion auf Twitter völlig unnötig. Besser sollte man sich auf die wichtigen Inhalte, die wir in der Sendung diskutiert haben, fokussieren und nicht auf die Abschlussfrage von Herrn Brotz.»

Warum Hawaii? «Das war eine unsinnige Verwechslung. Barack Obama kommt aus Hawaii. Ich lese gerade die Biografien der Obamas. Die Verwechslung kam wohl daher zustande.»

Auf Twitter erhält Feri von einzelnen Usern und Userinnen Unterstützung: «Ob Kamala das auch so streng beurteilen würde? Ich glaube nicht, dass die linke Feministin Feri rassistische Neigungen hat», schreibt eine Nutzerin.

Nicht der erste Rassismusvorwurf in der «Arena»

Im Juni 2020 führte die «Arena» nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd eine Sendung zum Thema Rassismus. Anstatt schwarze Gäste gaben in der Debatte aber vor allem weisse Gäste den Ton an: In der Sendung unter dem Motto «Jetzt reden wir Schwarze» waren drei der vier Hauptgäste Weisse.

Zwei weitere Gäste sassen im Hintergrund: Angela Addo, Juso-Mitglied und Mitorganisatorin der «Black Lives Matter»-Kundgebung, und Gabriella Binkert, Präsidentin der SVP Val Müstair. Sie beide sind schwarz.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung