Aktualisiert 08.02.2018 16:06

«Auf und davon»Kamel Luna getötet – SRF-Doku unter Beschuss

Eine SRF-Doku begleitet eine Familie, die mit Kamelen durch das Outback reist. Zuschauer und Tierschützer kritisieren den Umgang mit den Tieren.

von
D. Krähenbühl

An Ausschnitten wie diesem störten sich einige Zuschauer.

In der laufenden Staffel der SRF-Auswanderer-Doku «Auf und davon» lässt sich die vierköpfige Familie Blum auf einem Planwagen von mehreren wilden Kamelen durch das Outback ziehen. Die störrischen Tiere hatten sie zuvor sechs Monate lang gezähmt – teils mit unzimperlichen Methoden. Auf der Facebook-Seite von SRF Dok wird scharfe Kritik am Projekt laut:«Familie Blum ist wirklich nicht dafür gemacht, um mit Tieren artgerecht umzugehen», schreibt etwa eine Frau. Ein anderer Kommentator sagt, er schaue die Sendung wegen der «Tierquälerei in Australien nicht mehr».

Schockiert äusserten sich einige, nachdem Mutter Sabrina Blum Kamel Luna aufgrund eines gebrochenen Fusses erschiessen musste. «Einfach ein Kamel erschiessen lassen, nur weil es den Fuss gebrochen hat. Nicht gerade eine blumige Familie», so ein Kommentar. Ein anderer Zuschauer schreibt: «Sie erzählen vom erschossenen Tier, als ob sie eine Reifenpanne gehabt hätten.»

«Kein gepflegter Umgang mit dem Tier»

Auch die Stiftung «Tier im Recht» (TIR) stört sich am Umgang mit den Tieren. «Es ist ziemlich fragwürdig, wenn man irgendwo Tiere einfängt und diese dann für eine solche Vergnügungsreise benutzt», sagt Gieri Bolliger, Geschäftsleiter von TIR. Dass man das Kamel erschossen hat, irritiert den Rechtsanwalt. «Bei einem verletzten Tier hat man zumindest die moralische Pflicht, es tierärztlich versorgen zu lassen», sagt Bolliger.

Der Schweizer Tierschutz (STS) wurde auch schon von Privatpersonen auf die SRF-Doku angesprochen, sagt Samuel Furrer von der Fachstelle Wildtiere. Er kann die Vorwürfe verstehen: «Bei der Art und Weise, wie mit den Kamelen umgegangen wurde, kann man nicht von einem gepflegten Umgang mit dem Tier sprechen», sagt Furrer. Die gezeigten Dressurmethoden, bei denen mit Gewalt auf das Tier eingewirkt wird, seien veraltet. «Mittlerweile gibt es da andere Methoden, die auf positive Bestärkung setzen, nicht auf Strafe», sagt Furrer. Vom SRF wünscht er sich, dass es in Zukunft kritischer berichtet, wenn mit Tieren so umgegangen wird.

«Wir haben die Tiere gerettet»

Die Kritik lässt Abenteurerin Sabrina Blum nicht gelten: «Wir haben die Tiere immer sehr human und artgerecht behandelt.» Sie habe das verletzte Kamel erschiessen müssen, da sie das Leiden des Tieres nicht noch habe verlängern wollen. «Das Kamel war schon eine ältere Dame und konnte nicht einmal mehr aufstehen», sagt Blum. Bei den grossen Distanzen im Outback sei es illusorisch, einen Tierarzt zu rufen.

«Eigentlich haben wir mit unserer Reise sogar die Tiere retten können», sagt Blum. Dies, weil Kamele in Australien als Plage gälten und dort regelmässig gejagt, angeschossen und dann blutend liegengelassen würden. «Unsere Kamele führen jetzt ein schönes Leben auf der Farm der Eigentümer und müssen sich nicht fürchten, dass ihnen bald dasselbe Schicksal ereilt», sagt Blum.

«Blums haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt»

«Es ist nicht Sache der Redaktion, das Vorgehen im Falle des verunglückten Kamels zu beurteilen», sagt SRF-Sprecherin Carmen Salvadori. «Jedoch haben die Blums nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, wie es im australischen Outback, fernab jedes Tierarztes in solch einer Situation, möglich ist.» Für SRF sei zu keiner Zeit der Eindruck entstanden, dass Markus und Sabrina Blum nicht tiergerecht oder in irgendeiner Form unsachgemäss handeln würden.

«Wenn sich die Protagonisten an geltendes Recht halten und sich entsprechend den üblichen ethischen Vorstellungen verhalten, gibt es für uns keinen Grund, die Ereignisse nicht wahrheitsgetreu abzubilden», sagt Salvadori. Unter den rund 690'000 Leuten gebe es natürlich ein paar kritische Stimmen: «Selbstverständlich respektieren wir die unterschiedlichen Ansichten unseres Publikums.»

Die Familie Blum ist mittlerweile in die Schweiz zurückgekehrt, und Sabrina und Markus halten Referate, um ihre Erlebnisse in der Wildnis mit interessierten Zuhörern zu teilen.

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