In Club: «Kamera auf Männer-WC zeigt direkt aufs Pissoir»
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In Club«Kamera auf Männer-WC zeigt direkt aufs Pissoir»

Auf dem Männer-WC des BBC-Clubs in Gossau hat es eine Kamera. Laut einem empörten Leser-Reporter ist diese genau auf den Pissoirbereich gerichtet.

von
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Auf der Männer-Toilette des BBC-Clubs in Gossau ist eine Kamera angebracht. (Bild: zvg)

Auf der Männer-Toilette des BBC-Clubs in Gossau ist eine Kamera angebracht. (Bild: zvg)

«Ich war letzte Woche im BBC in Gossau. Auf dem Männer-WC ist eine Kamera installiert», schreibt ein Leser-Reporter, der anonym bleiben will. Das Brisante daran: Die Kamera, die an der Decke befestigt ist, zeigt direkt nach unten auf die Pissoirs. Der Leser-Reporter wundert sich und fragt sich, ob das überhaupt legal ist. Wer möchte schon beim Pinkeln gefilmt werden?

Seitens des BBC verweist man auf die Notwendigkeit der Kameras: «Im BBC gab es immer wieder Vandalismusvorfälle», so die Medienverantwortliche Rita Bolt. Deshalb sei das ganze Gelände des BBC überwacht, um Vandalismus vorzubeugen und randalierende Gäste ausfindig zu machen. Vor dem Lokal werde aber auf einer grossen blauen Tafel auf die Videoüberwachung aufmerksam gemacht, ebenso an der Eingangstür.

Vandalenakte als Grund

«In der Männertoilette sind sechs Fernseher angebracht und es kam öfter vor, dass sie böswillig zerstört oder gestohlen wurden», so Bolt zum Grund für die Installation der Überwachung. «Seit die Kamera an der Decke angebracht ist, nahm der Vandalismus um 90 Prozent ab.» Die Kamera ist laut Bolt in einem Winkel angebracht, der die Männer nicht während dem Urinieren aufzeichnet. Falls sich jemand beobachtet fühle, könne er auch die zwei abschliessbaren WC-Kabinen benützen, die nicht im Bereich der Kamera seien, so Bolt.

Auf der Frauen-Toilette ist keine Kamera angebracht: «Frauen randalieren weniger», so Bolt. «Zudem gibt es dort keine Fernseher.» Die Bildschirme seien nur in der Männer-Toilette angebracht, damit diese etwa bei einem Fussballmatch keine Sekunde des Spiels verpassten.

Strenge Regeln für Videobeobachtung

«Generell darf Videoüberwachung nur eingesetzt werden, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt, insbesondere der Schutz von Personen und Objekten», so Silvia Böhlen, Kommunikationsspezialistin beim eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten.

Zudem müsse der Restaurant- oder Nachtclubbetreiber die Kundschaft über die Videoüberwachung informieren, indem er auf einem gut sichtbaren Hinweisschild beim Eingang darauf hinweist.

«Filmen auf der Toilette unverhältnismässig»

Videokameras in Garderoben und Toiletten wie im Falle vom BBC seien zwar unter Einhaltung strenger Regeln zulässig. Doch die Gefahr einer Verletzung der Intimsphäre sei gross, so Böhlen. «In solch intimen Bereichen sollten deshalb mildere Mittel eingesetzt werden, um Vandalismus vorzubeugen», so Böhlen. «Beispielsweise eine Kamera, die nur den Vorraum oder den Eingang zu den Toiletten aufzeichnet oder bruchsicheres Glas auf den Fernsehern.»

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