Irak: Kameramann erschossen: Spanien ermittelt
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IrakKameramann erschossen: Spanien ermittelt

Die spanische Justiz hat ein Verfahren gegen drei US-Soldaten wegen des Todes eines Journalisten im Irak- Krieg neu aufgerollt. Als Besatzung eines US-Panzers hatten die Soldaten am 8. April 2003 das Hotel «Palestine» in Bagdad beschossen.

Ermittlungsrichter Santiago Pedraz legte den drei Militärs am Donnerstag zur Last, den spanischen Kameramann José Couso bei dem Angriff vorsätzlich getötet zu haben. Vor einem Jahr hatte der Nationale Gerichtshof in Madrid den Fall zu den Akten gelegt. Es gebe für die Vorwürfe nicht genügend Anhaltspunkte, hiess es damals.

Nun lägen ihm neue Indizien vor, begründete Pedraz seinen Entscheid. Unter anderem habe er schriftliche Aussagen des damaligen spanischen Verteidigungsministers Federico Trillo und der damaligen Aussenministerin Ana Palacio erhalten. Statt Mord wirft er den drei US-Soldaten nun aber Totschlag vor.

Es sei bekannt gewesen, dass das Hotel in einer «zivilen Zone lag und von Journalisten genutzt wurde», sagte Pedraz. Eine Untersuchung des US-Militärs hatte den Soldaten dagegen bescheinigt, sie hätten die Einsatzregeln befolgt. Die USA haben eine Auslieferung abgelehnt.

Angebliche Heckenschützen

Der 37-jährige Couso arbeitete für den spanischen Fernsehsender Telecinco. Er war damals auf dem Balkon des Hotels und filmte Positionen der Amerikaner, als das Gebäude von einem US-Panzer beschossen wurde.

Beim Beschuss wurde auch der ukrainische Kameramann der Nachrichtenagentur Reuters, Taras Protsyuk, getötet. Sein Fall ist jedoch nicht Gegenstand der spanischen Ermittlungen.

Die USA haben bislang den Antrag des spanischen Richters abgelehnt, die drei Soldaten zu vernehmen. In einer Erklärung der US- Behörden hiess es damals, die Militärs hätten auf einen Heckenschützen in dem Hotel gefeuert, und dabei sei auch Couso getroffen worden. Die dort tätigen Journalisten erklärten dagegen, im Hotel habe es keine Heckenschützen gegeben.

(sda)

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