Aktualisiert 08.03.2004 15:44

Kampf der Mädchenbeschneidung

Der somalische Präsident hat die erste landesweite Kampagne gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen eröffnet.

«Es ist ein Verbrechen gegen die Religion und gegen die Menschlichkeit», sagte der Präsident der Übergangsregierung.

Abdikassim Salat Hassan erklärte am Internationalen Frauentag weiter, die Genitalverstümmelung von Mädchen sei weder durch den Islam noch durch die somalische Kultur zu rechtfertigen.

«Es ist das erste Mal, dass ein prominenter Mann in Somalia offen darüber spricht. Das ist für uns ein grosser Schritt», sagte die Vorsitzende eines Dachverbands von Frauengruppen, Mariam Yusuf Sheikh. Die Frauengruppen hatten die Kampagne in Mogadischu gestartet.

Gefährlicher Eingriff

Somalia gehört zu den von dem Brauch am stärksten betroffenen Ländern weltweit. Häufig wird die radikalste Form der Beschneidung praktiziert, bei der die Schamlippen entfernt werden und die Wunde dann bis auf eine winzige Öffnung zugenäht wird.

«Fast alle Mädchen hier werden genital verstümmelt, das muss endlich ein Ende haben», sagte Sheikh. In den kommenden Wochen soll nun das Thema in den Medien und in Schulen intensiv behandelt werden.

«Die wenigsten Mädchen und Frauen wissen, was dieser Eingriff für Folgen hat», sagte Sheikh. Viele Frauen in Somalia leiden ihr Leben lang an Infektionen und Schmerzen. Vor der Geburt eines Kindes muss die Narbe aufgeschnitten werden.

Schmerzen wegen Tradition

«Sie denken, dass es normal ist, grosse Schmerzen beim Sex zu haben und vor jeder Geburt aufgeschnitten zu werden», erklärte Sheikh. Es sei wichtig, dass die islamischen Geistlichen offen aussprechen, dass diese Praxis keine religiöse Vorschrift sei.

«Einige haben wir schon auf unserer Seite», sagt die Frauen- Aktivistin. «Aber es wird lange dauern, bis die Gesellschaft ihre Bräuche ändert.» Viele Mütter hätten Angst, dass ihre Töchter keinen Ehemann finden könnten, wenn sie sie nicht traditionsgemäss beschneiden lassen.

In Somalia sterben nach Angaben der Hilfsorganisation Novib 1600 von 100 000 Frauen bei der Geburt. Das entspricht etwa 45 Frauen pro Tag.

(sda)

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