Aktualisiert 24.07.2017 11:50

Bitterböses Kartenspiel«Kampf gegen Bünzlitum» expandiert ins Deutsche

Mit ihrem Spiel «Kampf gegen das Bünzlitum» hat die Luzernerin Angela Vögtli einen Hit gelandet. Nun sollen die Spiesser auch Deutsche zum Lachen bringen.

von
gwa

Angela Vögtli über ihr schräges Kartenspiel. (Video: gwa)

Absurd, frech, provokativ, lustig, skurril – mit solchen Adjektiven kann man das Spiel «Kampf gegen das Bünzlitum» beschreiben. Erfunden hat es die Luzerner Spieleentwicklerin und Designerin Angela Vögtli (33). Angelehnt ist es an die beliebten «Cards Against Humanity» aus den USA: «Das Spielprinzip ist schon älter. ‹Cards Against Humanity› waren aber die ersten, die den Durchbruch geschafft haben», sagt Vögtli.

«Weil viele dieser Karten aber von TV-Shows und Politikern aus den USA handeln, die wir nicht kennen, habe ich mit einer Freundin eine eigene Version für meinen Freundeskreis entwickelt», sagt Vögtli. Dann gings Schlag auf Schlag: «Das Spiel kam so gut an. Ständig wurde ich gefragt, wo man es kaufen kann.» Deshalb brachte sie das Spiel schliesslich auf den Markt.

Crowdfuning: Fast 25 Prozent nach zwei Tagen

2016 erstmals veröffentlicht, wurde es zu einem Hit: Über 3000 Stück sind inzwischen verkauft – «Kampf gegen das Bünzlitum» hat bereits die dritte Auflage erreicht. «Ich ersetze in neuen Auflagen jeweils Dinge, die nicht mehr aktuell sind», so die Luzernerin. Nun will sie mit ihrem Spiel nach Deutschland expandieren, wie «Zentralplus» berichtet.

Die eigene Edition für Deutschland soll via Kickstarter finanziert werden. Die Deutschen scheinen Freude an an schwarzem Humor zu haben: Seit Montag läuft das Crowdfunding und schon fast ein Viertel der angestrebten 20000 Franken sind gesammelt. «Das ist natürlich ein sehr schöner Start», sagt Vögtli. Kommt alles Geld zusammen, wird die erste Auflage von «Kampf gegen das Spiessertum» gedruckt.

«Spieltische den ganzen Tag besetzt»

Der Wunsch nach einer eigenen Version für Deutschland kam erneut aus Vögtlis Umfeld. Das Problem: Die Deutschen kennen die Schweizer Persönlichkeiten und Ereignisse zu wenig. «Sie fragten: ‹Was ist Globi?› oder ‹Wer ist Wilhelm Tell?›». Mit Hilfe dreier deutscher Studenten wurde das Spiel auf Deutschland adaptiert: Der «Bünzli» wurde gegen den «Spiesser» und Eigenheiten aus der Schweiz gegen deutsche ausgetauscht. So ist auch das Spielmaskottchen – von Vögtli liebevoll Horst genannt – ein wandelndes Klischee: die Hände hat er etwa in typisch Merkelscher Position gefaltet – und natürlich trägt er Adiletten.

Für den Vertireb hat Vögtli mit Partner Jérôme Schwarzkopf die Kampfhummel Spiele GmbH gegründet. Ende Oktober hat sie den ersten grossen Auftritt in Deutschland: Sie wird in Essen an der Messe Spiel'17 einen Stand haben. Die Internationalen Spieltage in Essen sind die grösste Messe der Welt für nichtelektronische Spiele. «Wir hoffen, Ladenbesitzer und natürlich auch Spielerbegeistern zu können», sagt sie. An der Fantasy Basel haben die zwei bereits erste Erfahrungen gemacht: «Das war grossartig! Die Spieltische waren den ganzen Tag besetzt. Langsam entsteht eine richtige Gemeinschaft daraus.»

Möchten Sie das Spiel auch ausprobieren? 20 Minuten hat eine kleine Auswahl für Sie parat. Wählen Sie einen der oberen fünf Sätze aus und suchen sie sich aus den unteren Satzbeispielen die amoralischste und kurioseste Antwort heraus. Viel Spass

Startsätze:

«Bayerische Lederhosen werden jetzte aus ______-Leder hergestellt.»

«Der Glühwein am Weihnachtsmarkt wurde mit ______ gestreckt.»

«______ verleiht Sauerkraut erst die richtige Würze.»

«Meinen Schrebergarten dekoriere ich mit ______.»

«Ich verlange, dass ______ die Weltherrschaft übernimmt.»

«Heute in der Sendung mit der Maus: Wie funktioniert eigentlich ______?»

Antworten:

«Der kleine Maulwurf»

«Penisneid»

«Zombie-Enten»

«Babyspeck»

«Welpen»

«Spiesser»

«Muttermilch»

Die Spielregeln:

«Jeder Fiesling zieht acht Karten vom weißen Stapel. Der Rundenboss zieht eine Karte vom gelben Fragestapel und liest diese laut vor. Nun wählt jeder Spieler aus seiner Hand die lustigste/amoralischste Antwort und übergibt diese verdeckt dem Rundenboss. Der Rundenboss liest alle erhaltenen Antworten vor und wählt seinen Favoriten aus. Der Gewinner erhält die gelbe Karte als Trophäe zum Rumprollen.

Nun füllen alle Spieler ihre Hand wieder auf acht Karten auf und der Rundenboss geht im Uhrzeigersinn weiter – der bitterböse Spaß beginnt von vorne. Muahaha!»

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