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Vor der Küste LouisianasKampf gegen Ölpest hat begonnen

Nachdem eine Öl-Bohrinsel im Golf von Mexiko gesunken war, hat die US-Küstenwache die Suche nach elf Vermissten abgebrochen. Für sie gab es keine Hoffnung mehr. Derweil fliesst viel Öl aus.

Die Vermissten hätten sich vermutlich auf der Plattform befunden, als diese am Dienstag explodierte, sagte eine Sprecherin der Küstenwache am Freitag. Nach drei Tagen der Suche mit Flugzeugen, Helikoptern und Schiffen hätten die Vermissten keine realistische Überlebenschance mehr.

115 Arbeiter hatten von der Bohrinsel gerettet werden können, 17 von ihnen mussten mit Verletzungen ins Spital gebracht werden. Bis Freitag waren noch zwei von ihnen in Behandlung, sollten aber in der kommenden Woche entlassen werden.

Auf der riesigen Plattform «Deepwater Horizon» hatte sich am Dienstag eine gewaltige Explosion ereignet. Am Donnerstag sank die Bohrinsel. Dort waren vor der Explosion mehr als eine Million Liter Öl am Tag gepumpt worden, ausserdem lagerten auf der Plattform rund 2,5 Millionen Liter Diesel.

Kampf gegen Ölpest

Seit dem Unglück versucht die Küstenwache, einen inzwischen drei Kilometer mal 13 Kilometer grossen Ölteppich einzudämmen. Der schmierige Teppich sei am Samstag entdeckt worden und erstrecke sich bereits auf eine Fläche von 30 mal 30 Kilometern, teilte die Küstenwacht mit. Täglich gelangten schätzungsweise 1000 Barrel (160 000 Liter) Öl ins Meer - möglicherweise schon seit Donnerstag, sagte Konteradmiral Mary Landry. Die Bemühungen um eine Eindämmung der Umweltkatastrophe wurden am Wochenende von rauer See, starkem Wind und Regen behindert.

Es herrscht Unklarheit darüber, wie das Ausfliessen von Öl aus der Quelle am Boden verhindert werden soll. «Im Prinzip versuchen sie, einen Korken in eine Champagnerflasche zu stecken», erklärte Richard Metcalf von der Mid-Continent Oil & Gas Association.

Mit einer grossen Räumungs- und Säuberungsaktion soll verhindert werden, dass das Öl an die Küste der Bundesstaaten Louisiana, Alabama und Mississippi gelangt. Dort befindet sich ein Ökosystem mit Wasservögeln, Garnelen und Austernbänken.

(sda/dapd)

Bohrinsel-Katastrophen

Das Unglück auf der «Deepwater Horizon» ist nicht das erste seiner Art. Die bislang grösste Katastrophe ereignete sich am 6. Juli 1988 auf der US-Ölplattform «Piper Alpha» vor der schottischen Nordseeküste: Bei einer Explosion starben 167 Menschen.

Weitere schwere Unglücke:

23. Oktober 2007: In schwerer See stossen zwei Ölplattformen im Golf von Mexiko zusammen. 22 Menschen werden getötet, 63 können gerettet werden. Betroffen sind die Plattform «Usumacinta» und der kleinere Bohrturm «Kab 101». Das Unglück rund 30 Kilometer vor dem Hafen von Dos Bocas im mexikanischen Bundesstaat Campeche ereignet sich bei Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 130 Stundenkilometern und bis zu acht Meter hohen Wellen.

27. Juli 2005: Vor der indischen Küste etwa 160 Kilometer westlich von Bombay prallt ein Versorgungsschiff bei schwerer See gegen die Ölbohrinsel «Mumbai High North». Die Plattform gerät in Brand. Elf Menschen kommen ums Leben, zwölf weitere bleiben vermisst.

15. März 2001: Explosionen beschädigen einen Schwimmpfeiler der damals weltgrössten Ölplattform P-36, die etwa 120 Kilometer vor der Atlantikküste Brasiliens liegt. Elf Männer werden getötet. Die 120 Meter hohe Anlage mit 1,2 Millionen Liter Diesel und 300'000 Liter Rohöl in ihren Tanks gerät in Schräglage und sinkt fünf Tage später.

18. Januar 1995: Im Atlantik vor der Küste Nigerias sterben bei einer Explosion auf einer Erdölplattform sechs Menschen, vier bleiben vermisst.

25. März 1993: Eine Explosion auf einer Erdölplattform im Maracaibo-See im Westen von Venezuela kostet mehr als 20 Menschen das Leben.

16. August 1984: Nach einer Gasexplosion auf der Atlantik- Bohrinsel «Enchova» vor Rio de Janeiro (Brasilien) entsteht ein Brand. 37 Arbeiter sterben, 5 bleiben vermisst.

15. Februar 1982: Im Atlantik vor Neufundland (Kanada) kentert die in den USA registrierte Bohrinsel «Ocean Ranger». Alle 84 Besatzungsmitglieder kommen ums Leben. Wegen eines Defekts war über die vorderen Ballasttanks bei stürmischer See Wasser eingedrungen.

27. März 1980: Im Sturm bricht einer der fünf schwimmenden Ponton- Pfeiler der norwegischen Versorgungsinsel «Alexander Kielland» im Ekofisk-Feld in der Nordsee. Die Insel diente als schwimmendes Hotel für die Mannschaft der Bohrinsel «Edda». Von den 212 Mann an Bord können 123 nicht gerettet werden. 75 werden tot geborgen, 48 bleiben vermisst. (sda)

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