Hooligan-Krawalle in Köln: «Kampf gegen Salafismus ist ein Vorwand»

Aktualisiert

Hooligan-Krawalle in Köln«Kampf gegen Salafismus ist ein Vorwand»

In Köln kam es bei der Demonstration «Hooligans gegen Salafisten» zu schweren Ausschreitungen. Laut Experten geht es dabei aber kaum um den Kampf gegen die Islamisten.

von
bat

Drei Stunden lang schockierten schwere Krawalle am Sonntag die Kölner. Die Bilanz: 4000 Kundgebungsteilnehmer, 44 verletzte Polizisten, 20 festgenommene Randalierer. Zur Demonstration aufgerufen hatte die rechtsextreme Pro-NRW-Partei, ebenfalls seien Mitglieder der Parteien Die Rechte und der NPD beteiligt gewesen.

An vorderster Front dabei: die Vereinigung «Hooligans gegen Salafisten» (HoGeSa). Gemäss Burkhard Freier, Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, haben sich viele Rechtsextreme der HoGeSa-Bewegung angeschlossen, sie aber nicht gesteuert. «Aber sie nutzen diese öffentlichen Auftritte.» Dies sagte er gegenüber dem Fernsehsender WDR.

Nach den Krawallen schlug die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Alarm: «Wenn sich die HoGeSa-Gruppe jetzt verfestigt und weiter wächst, dann haben wir aus meiner Sicht eine neue Qualität der Gewalt», sagte Arnold Plickert, GdP-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen gegenüber Spiegel.de.

Gruppierung wächst stark

Mit einem solchen Bündnis könne es die Polizei in Nordrhein-Westfalen (NRW), die ohnehin schon viele grosse Einsätze bei Fussballspielen leisten müsse, nicht mehr aufnehmen. Vor wenigen Wochen habe die Gruppe noch mit wenigen Dutzend Teilnehmern in Mannheim und Essen demonstriert. In Köln am Wochenende waren es schon 4000. «Der Kampf gegen den Salafismus ist nur ein Alibi – man will die Gewalt ausleben», so Plickert.

Ähnlich sieht das Erich Rettinghaus, Landeschef der Polizeigewerkschaft. «Wenn man sich nach aussen als das kleinere Übel darstellt – ‹Wir sind eigentlich die guten Menschen und sind gegen den schlimmen IS› –, dann verspricht man sich davon mit Sicherheit auch eine bessere Aussenwahrnehmung, eine bessere Lobby», so Rettinghaus gegenüber dem WDR.

Künftig sollen deshalb solche Veranstaltungen nicht mehr erlaubt werden. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger sagte in Düsseldorf gemäss WDR: «Das war keine politische Demonstration, da wurde eine Plattform für Gewalt geschaffen. Wir müssen die Verwaltungsgerichte überzeugen, solche Veranstaltungen künftig zu verbieten.»

Nach dem Einsatz wurden Stimmen laut, welche Kritik am Einsatz der Polizei übten. Die Beamten selber sind jedoch mit dem Einsatz zufrieden.

Zahlreiche Videos dokumentieren die Gewaltbereitschaft der Hooligans:

26.10.14: Nazi-Hool-Angriff auf Anwohnerinnen in Köln from Matthias Rotbaum on Vimeo.

26.10.14: Ausschreitungen während der HoGeSa-Demo in Köln from Matthias Rotbaum on Vimeo.

26.10.14: Impressionen des HoGeSa-Demozug in Köln from Matthias Rotbaum on Vimeo.

Hier wird ein Polizeauto umgestossen:

Anspielung auf die Wuppertaler Scharia-Polizei:

7000 Salafisten bis Jahresende

Gemäss Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, wächst die Zahl der Salafisten in Deutschland rasant. Er bezifferte gemäss der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Anfang Oktober die Grössenordnung auf mehr als 6200. Ende Oktober sprach er in einem Interview bereits von weit über 6300 Menschen.

Er rechnet mit 7000 Salafisten bis zum Jahresende. Es handle sich bei den Salafisten um die am stärksten wachsende extremistische Bewegung in Deutschland, so Maaßen.

Deine Meinung