Kampf um ABN Amro: 71,1 Milliarden Euro geboten
Aktualisiert

Kampf um ABN Amro: 71,1 Milliarden Euro geboten

Im Kampf um die niederländische Grossbank ABN Amro hat die Royal Bank of Scotland gemeinsam mit Fortis und SCH jetzt ein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt.

Es beläuft sich auf 71,1 Mrd. Euro (rund 117,5 Mrd. Franken).

Es wäre die bislang weltgrösste Bankenübernahme. Die Offerte liegt nach Angaben des Konsortiums vom Dienstag knapp 14 Prozent über dem Konkurrenzangebot der britischen Grossbank Barclays. Dem von RBS angeführten Konsortium gehören auch die belgisch- niederländische Finanzgruppe Fortis und die spanische Banco Santander an.

Die Gruppe bietet den ABN-Amro-Aktionären 30.40 Euro in bar sowie 0,844 RBS-Anteile je Aktie. Die Offerte hängt vom Verbleib der amerikanischen ABN-Amro-Tochter LaSalle im Konzern ab.

Das Konsortium hatte die Grundzüge des Übernahmeangebots bereits vor einem Monat bekannt gegeben, damit jedoch bei der ABN-Führung bislang auf Granit gebissen. ABN Amro will das Angebot nun prüfen, lehnte aber einen Kommentar ab. Die Niederländer unterstützen eine Fusion mit Barclays, obwohl diese weniger für ABN Amro zahlen will.

Streit um ABN-Tochter LaSalle

Das Barclays-Angebot beläuft sich auf rund 64 Mrd. Euro, die Tochter LaSalle ist darin allerdings nicht eingeschlossen. Ein formelles Gebot soll im Juli vergelegt werden.

ABN Amro hat einem Verkauf von LaSalle an die Bank of America zugestimmt, was ein Gericht in Amsterdam jedoch kürzlich untersagte. Die Aktionäre sollten darüber abstimmen. Ein Urteil des höchsten niederländischen Gerichtes hierzu sollte bis Mitte Juli vorliegen.

Zerschlagung geplant

Das Dreierkonsortium will ABN Amro zerschlagen und unter sich aufteilen. Das RBS-Konsortium betonte, dass bei der Übernahme durch die drei Banken weniger Arbeitsplätze abgebaut würden als im Falle einer Fusion zwischen ABN Amro und Barclays. ABN hatte im April angekündigt, dann fast 11 000 Stellen zu streichen.

Das RBS-Konsortium rechnet damit, dass die Übernahme Kostensynergien von 4,23 Mrd. Euro bringen können. Zudem sehen die drei Banken zusätzliche Ertragspotenziale von 1,22 Mrd. Euro. Diese sollen bis Ende 2010 realisiert werden.

RBS will US-Geschäft

RBS will Geschäftsteile für rund 27,2 Mrd. Euro übernehmen und hat es vor allem auf das US-Geschäft sowie die asiatischen Segmente abgesehen. Die Bank wolle für die Übernahme neue Aktien für rund 15 Mrd. Euro ausgeben.

Fortis will durch die Übernahme zum Marktführer in den Benelux- Ländern werden und Anteile für rund 24 Mrd. Euro kaufen. 15 Mrd. Euro davon sollen über die Emission neuer Anteile gestemmt werden.

Banco Santander will mit dem Kauf von ABN Amro-Segmenten für knapp 20 Mrd. Euro die Präsenz in Brasilien ausbauen und in Italien Fuss fassen. Die Spanier müssen sich für die Übernahme zwischen 9,5 und 10 Mrd. Euro am Kapitalmarkt besorgen. (sda)

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