Syrien: Kampf um Aleppo steht kurz vor dem Ende
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SyrienKampf um Aleppo steht kurz vor dem Ende

Die Aufständischen geben weitere sechs Viertel der syrischen Stadt auf. Beobachter sprechen von einem «Zusammenbruch» der Rebellen.

von
rub

Die syrischen Rebellen haben sich nach Angaben von Aktivisten vollständig aus weiteren sechs Vierteln Aleppos zurückgezogen. «Der Kampf um Aleppo hat sein Ende erreicht», sagte der Direktor der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman.

Es sei «nur noch eine Frage kurzer Zeit». Rahman sprach von einem «vollständigen Zusammenbruch der Rebellen». Seinen Angaben zufolge zogen sich die Rebellen vor allem aus dem besonders stark abgesicherten Bezirk Bustan al-Kasr zurück. Demnach kontrollierten sie nur noch einen kleinen Bereich im Ostteil Aleppos.

Drohnen-Video zeigt zerstörtes Aleppo

Ein bedrückendes Video zeigt das Ausmass des Krieges.

Regierungsvertreter: Kampf tritt in «Endphase»

Die syrische Armee rechnet im Kampf um Aleppo mit einer baldigen Entscheidung. Die Offensive auf die Rebellenviertel im Osten der Stadt sei in die «Endphase» getreten, sagte ein Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP. Am frühen Montagmorgen hatten die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte das Stadtviertel Scheich Said am südöstlichen Stadtrand erobert.

Das einst von den Rebellen kontrollierte Gebiet im Osten der Stadt ist inzwischen zu über 90 Prozent von der Armee eingenommen worden. Die Rebellen kontrollierten lediglich noch zwei Prozent ihrer einstigen Gebiete, teilte das syrische Militär am Montag mit. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle sprach von etwa sieben Prozent.

Nur noch zwei Viertel in Rebellenhand

«Das Gebiet unter Kontrolle der Opposition ist sehr klein und könnte jeden Moment (an die Armee) fallen», sagte der Direktor der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Nach seinen Angaben stehen nur noch die beiden Viertel Al-Matschad und Sukkari unter vollständiger Kontrolle der Rebellen, während andere Stadtteile in Einflussgebiete der Aufständischen und der Armee aufgeteilt seien.

«Die Lage ist sehr kritisch», sagte Ibrahim al-Hadsch, ein Mitglied der Rettungskräfte der Rebellen, der sogenannten Weisshelme. «Das Militär hat viele Gebiete erobert und wir sind jetzt eingezwängt.» Er sei dauernd in Bewegung, um für sich und seine Familie einen sicheren Ort zu finden. Doch es werde überall weiter gekämpft.

«Der Kollaps ist erschreckend», sagte Bassam Hadsch Mustafa, ein ranghohes Mitglied der Rebellenfraktion Nur al-Din al-Sinki, über die Verteidigungslinien der Aufständischen. Seine Kämpfer täten «ihr Bestes, um das zu verteidigen, was übrig ist.»

Einziges Getreidelager verloren

Aleppo war bis vor kurzem in einen von der Regierung kontrollierten Westen und einen von Rebellen kontrollierten Osten geteilt. Mitte November startete die Armee eine Grossoffensive, um Aleppo vollständig zurückzuerobern. Etwa 130'000 Zivilisten flohen laut der Beobachtungsstelle seit Beginn des Militäreinsatzes aus den Rebellenvierteln.

Diejenigen, die noch dort sind, hätten sich zu Tausenden in zwei oder drei Vierteln verschanzt, sagte ein Rebellenkämpfer aus Aleppo der Nachrichtenagentur AP. Weil im verlorenen Scheik Said auch die einzige Mühle und das einzige Getreidelager waren, hätten sie jetzt nicht einmal mehr Mehl oder Brot.

IS wieder in Palmyra

Die frühere Wirtschaftsmetropole im Nordwesten Syriens war seit 2012 zwischen Regierungstruppen und Rebellen geteilt. Die Armee von Präsident Baschar al-Assad hatte mit Hilfe verbündeter Milizen und russischer Luftangriffe eine Offensive gestartet, um die Rebellen endgültig aus dem Ostteil zu vertreiben. Sollte dies geschehen, wäre es für Assad der grösste Sieg seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011.

Allerdings gab es auch einen Rückschlag für seine Armee: Die Terrormiliz Islamischer Staat errang über das Wochenende offenbar wieder die volle Kontrolle über die antike Oasenstadt Palmyra. Von dort waren die radikalislamischen Extremisten im März nach elf Monaten der Herrschaft von Assads Truppen mit Hilfe Russlands vertrieben worden. (rub/afp)

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