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Mobilfunk-BoomKampf um den afrikanischen Handy-Markt

Weil die Märkte im Westen nahezu erschöpft sind, drängen die Mobilfunkanbieter auf den afrikanischen Kontinent. Der Kampf hat sich verstärkt: Ein europäischer Anbieter ist bereit, für die Vorherrschaft in Afrika 5 Milliarden Dollar aufzuwerfen.

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sas/scc

Als erster Kontinent dürfte Afrika das Zeitalter der herkömmlichen, über verlegte Leitungen funktionierenden, Telefonie fast komplett überspringen. Die Anbieter erwarten daher bei den Handys hohe Wachstumsraten und lassen sich den Marktzugang einiges kosten: So kündete mit Turkcell das viertgrösste Telekomunternehmen Europas kürzlich an, Mobilfunkfrequenzen in Libyen erwerben zu wollen.

Vivendi will Afrika erobern

Platzhirsch in Afrika ist bisher die südafrikanische MTN Group. Sie ist Hauptsponsorin der Fussball-WM 2010 und bisher in 21 Ländern vertreten. Stark treten auch Vodafone, France Telekom, die kuwaitische Zain sowie die ägyptische Orascom auf. Einsteigen will nun ein weiterer Player: Der französische Medienkonzern Vivendi beabsichtigt laut «ftd.de» 5 Milliarden Dollar auszugeben, um zu einer dominierenden Kraft im afrikanischen Mobilfunkmarkt zu werden. Die Franzosen kauften sich über ihre Tochter Maroc-Telecom kürzlich beim Telekomunternehmen Sotelma in Mali ein und bezahlten pro Kunde mehr als 900 Euro. Laut Marktforschern lag der Wert pro Kunde vor einem Jahr noch bei 350 Euro.

Maximal 30 Prozent der Einwohner haben ein Handy

Die Verbreitung des Handys ist wächst nirgends so stark wie in Afrika. Die Wachstumsraten sind doppelt so hoch im globalen Durchschnitt und viermal so hoch wie in Westeuropa. Anders als hierzulande, wo fast jeder ein oder gar mehrere Mobiltelefone besitzt, verfügen in Afrika laut Schätzungen erst 15 bis 30 Prozent der Einwohner über ein portables Telefon.

Prepaid-Karten als Alternativwährung

Lange Zeit waren die hohen Kosten für die Geräte der Hauptgrund für diese Entwicklung. Doch nun sind die Telefone günstiger und auch die Gebühren sind gefallen. Der Renner in Afrika sind Prepaid-Karten, die sich vielerorts sogar zu einer Art Alternativwährung entwickelt haben. Grosser Beleibtheit erfreuen sich auch die übers Mobiltelefon geführten Bankkonten. So erlaubt es der Dienst M-Pesa, Geld zu verschicken und bargeldlos zu bezahlen. Vorteil: Lange Fussmärsche entfallen, denn oft liegt die nächste Bank meilenweit entfernt.

Kostengünstige Netze

Die grosse Herausforderung für die Mobilfunkanbieter ist es, ausserhalb der Städte eine Infrastruktur aufzubauen. Ein Sendemast braucht Strom, und dieser ist auf dem Land nicht allerorts verfügbar. Zudem müssen die Anbieter ihre Netze kostengünstig betreiben, denn nur so lassen sich Gewinne erwirtschaften. Der Durchschnittsumsatz pro Kunde liegt bei lediglich rund 10 Franken im Monat. Für viele Afrikaner ist das aber ein erheblicher Betrag: Mehr als 35 Prozent seines Einkommens muss beispielsweise ein Kunde in Ruanda ausgeben, um mobil erreichbar zu sein.

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