Unterschiedliche Regeln: Kampf um Korbstühle auf Thuner Mühleplatz
Aktualisiert

Unterschiedliche RegelnKampf um Korbstühle auf Thuner Mühleplatz

Für die Tür an Tür liegenden Cafés auf dem Thuner Mühleplatz gelten bei der Aussenbestuhlung unterschiedliche Regeln. Nun setzen sich Wirte rechtlich zur Wehr.

von
Mira Weingartner
Tür an Tür stehen die Restaurants auf dem Thuner Mühleplatz, die Regeln für die einzelnen Betriebe sind aber unterschiedlich.

Tür an Tür stehen die Restaurants auf dem Thuner Mühleplatz, die Regeln für die einzelnen Betriebe sind aber unterschiedlich.

Die Sommersaison zieht in die Verlängerung, die Korbstühle und Sonnenschirme erweisen den Gästen auf dem Thuner Mühleplatz ihre letzten sommerlichen Dienste. Doch ein gewisser Groll benachteiligter Restaurantbesitzer hängt über dem idyllischen Platz mitten in der oberländischen Stadt. «Es herrschen hier mafiöse Umstände», berichtet ein betroffener Gastronom gegenüber 20 Minuten.

«Gleichbehandlung der Gewerbegenossen»?

Denn auf dem Ausgehplatz sollen für die Beizer nämlich unterschiedlichste Vorschriften gelten. Während einige Beizer dutzende Stühle draussen stehen haben, dürfen andere nur wenige rausstellen. Und: «Während unsere Nachbarn bis spät abends die Gäste auf ihrem Vorplatz bewirten können, müssen wir um 18.30 Uhr unsere Gartentischchen hereinräumen», sagt Andrea Alvarado Luna, Besitzerin der Tapas Bar Parada 30, die vor rund einem Jahr ihre Türen öffnete. Auch die strikte Vorschrift, nur vier Stühle auf dem von der Stadt gemieteten Platz als Aussensitzplätze anzubieten, erschwere ihnen das tägliche Geschäft: «Unsere Kunden gehen, wenn wir ihnen keinen zusätzlichen Stuhl hinstellen dürfen.» Um etwas gegen die ungleiche Behandlung zu unternehmen, geht die Tapas-Bar nun rechtlich gegen das Regime vor.

Stadt setzt Übernutzung ein Ende

«Die Stadt Thun spricht von einer Übernutzung des Mühleplatzes», sagt Urs Fasel, Anwalt des Bistros Parada 30, «doch es ist nicht gerechtfertigt, nur bei einzelnen Anbietern ein Exempel zu statuieren.» Die Stadt würde somit ungerechtfertigt nach Einzelopfern suchen. Damit löse sie die Problematik eines überfüllten Mühleplatzes aber nicht, lautet die Einschätzung des Juristen.

Das Statement der Stadt Thun als Vermieterin des Mühleplatzes ist klar. Die Thuner Gewerbeinspektorin Karin Kupferschmied sagt: «Wir vergeben nun keine neuen Aussenplätze mehr, nehmen aber den Betreibern auch keine bewilligten Sitze weg.» Auch wenn es, wie beim Parada 30, nicht um eine grosse Anzahl an Aussenplätzen gehe. «Wir wahren etwa auch die Interessen der Fahrradfahrer, die ihre Velos auf dem Mühleplatz abstellen möchten», so Kupferschmied weiter. Zudem bestehe bei Neueröffnungen von Restaurants kein grundsätzlicher Anspruch auf Aussenplätze auf öffentlichem Boden der Stadt. «Bereits in ersten Planungsgesprächen vor der offiziellen Baueingabe wurde dies den Betreibern so mitgeteilt», sagt Kupferschmied. So seien die vier Aussenplätze durch Verhandlungen bewilligt worden.

Auch wenn dem jungen Wirtepaar des Parada 30 oft beinahe die Puste ausgegangen ist, wollen sie noch nicht aufgeben. «Wir haben die volle Solidarität unserer Kunden und auch die Konkurrenz-Betriebe sprechen uns Mut zu, am Ball zu bleiben», sagt Alvarado.

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