Zumikon ZH: Kampf um Tochter
Aktualisiert

Zumikon ZHKampf um Tochter

Laut Anklage hat ein Unternehmensberater am Flughafen Kloten seine 12-jährige Tochter widerrechtlich seiner Ex-Frau entrissen und erst zwei Wochen später nach Zumikon zurückgebracht. Keine Straftat, befand nun das Zürcher Obergericht.

von
Attila Szenogrady

In seinem kürzlich eröffneten Urteil hat das Zürcher Obergericht einen heute 51-jährigen Unternehmensberater vom Vorwurf des Entziehens von Unmündigen entlastet und einen Freispruch des Bezirksgerichts Bülach vom Juli 2010 umfassend bestätigt. Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland hatte für den Schweizer Vater neben einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 2000 Franken (60 000 Franken (!)) eine Busse von 5000 Franken gefordert.

Streit um Tochter

Die Vorwürfe der Anklage gingen auf Dezember 2008 zurück. Damals stritten sich der Beschuldigte und seine Ex-Frau aus Zumikon um die gemeinsame 12-jährige Tochter. Fest steht, dass die Ehe bereits im August 2007 geschieden worden war und die Mutter das Sorgerecht für alle drei Töchter erhalten hatte. In der Folge kam es zwischen den geschiedenen Eltern immer wieder zu Auseinandersetzungen um das Besuchsrecht. Auch vor den Weihnachten 2008, als der Vater mit den zwei älteren Töchtern nach Südamerika verreisen wollte. Damit war die Mutter nur zum Teil einverstanden. So lehnte sie die Reise für die mittlere Tochter entschieden ab. So war die damals zwölf-jährige Schülerin kurz zuvor von zu Hause ausgerissen, in der Punkerszene abgetaucht und hatte sich auch als Ladendiebin betätigt. Die Polizei konnte sie finden und der Mutter zurückbringen.

Eklat am Flughafen

Am 19. Dezember kam es am Flughafen Kloten zum Eklat. Der aufgebrachte Vater nahm die zwölfjährige Tochter zu sich und entriss seiner Ex-Frau die Handtasche. Worauf er den Reisepass seines Kindes an sich nahm. Als kurz darauf die Polizei auftauchte, pochte der Vater auf sein Ferienbesuchsrecht und setzte sich vor Ort durch. Gegen den Willen seiner Ex-Frau flog er kurz darauf mit seinen beiden älteren Töchtern nach Peru.

Am 4. Januar 2009 brachte der Vater sein 12-jähriges Kind zurück an ihren Wohnort in Zumikon. Wobei die Mutter nach einem heftigen Streit nicht nur die Polizei einschaltete, sondern auch eine Strafanzeige gegen ihren Ex-Mann erstattete.

Keine Straftat

Das eingeleitete Strafverfahren scheiterte vor den Gerichtsschranken. Zuerst am Bezirksgericht Bülach, das den Unternehmensberater bereits im Sommer 2010 entlastete. So sei der Vater bis kurz vor dem Abflug von der Einwilligung der Mutter ausgegangen, befand bereits das Bülacher Gericht. Im letzten Frühling folgte auch das Obergericht dieser Auffassung und schmetterte die Berufung der Zumiker Mutter ab. Es liege keine Straftat des Beschuldigten vor. So sei er zum Tatzeitpunkt davon ausgegangen, dass er berechtigt sei, mit seiner Tochter in die Ferien zu verreisen, befanden die Oberrichter.

Die Kosten des Berufungsverfahrens von 4000 Franken wurden der Mutter auferlegt. Zudem wurde sie verpflichtet, ihrem Ex-Gatten eine Umtriebsentschädigung von 1000 Franken zu bezahlen.

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