Aktualisiert 16.02.2005 17:40

Kampfabstimmung über künftigen irakischen Regierungschef

Der Kandidat für das Amt des irakischen Ministerpräsidenten wird in einer Kampfabstimmung unter den Abgeordneten der Vereinigten Irakischen Allianz ermittelt.

Darauf hätten die beiden Bewerber bestanden, hiess es aus Kreisen der schiitischen Liste, deren Führung am Mittwoch in Nadschaf tagte. Zur Wahl, die vermutlich am Freitag stattfinden wird, stehen demnach Vizepräsident Ibrahim al Dschaafari und der frühere Vertraute der USA, Achmed Tschalabi. Beide propagieren einen säkularen Kurs.

Beobachter sahen in der Tatsache, dass keine Einigung erzielt werden konnte, erste Anzeichen für einen Riss in der Allianz aus rund zehn Parteien, die vom schiitischen Grossayatollah Ali al Sistani unterstützt wird. Ein Vertrauter Sistanis erklärte, die Parteiführer würden nun den Grossayatollah befragen, welchem Kandidaten er den Vorzug gebe. An der Abstimmung würden sich dann sämtliche Abgeordnete der Allianz beteiligen. Deren Zahl dürfte laut dem vorläufigen Wahlergebnis 148 betragen.

Al Dschaafari ist Vorsitzender der Dawa-Partei, die enge Verbindungen zum Iran unterhält. Tschalabi leitet den Irakischen Nationalkongress, der einst im Exil sehr aktiv war. Al Dschaafari sagte in einem Interview der Nachrichtenagentur AP, er sehe die Verbesserung der Sicherheitslage im Lande als vordringlichste Aufgabe. Daher werde er im Falle seiner Wahl nicht auf einen schnellen Abzug der ausländischen Truppen dringen.

Die Wahlkommission erklärte, sie habe nunmehr 25 Beschwerden gegen den Verlauf der Abstimmung vom 30. Januar erhalten. Die Einspruchsfrist sollte noch am Mittwoch ablaufen. Nach einer Prüfung der Beschwerden werden das Wahlergebnis und die Sitzverteilung dann amtlich verkündet. Geplant ist dies für (morgigen) Donnerstag.

Unterdessen hielt die Gewalt auch am Mittwoch an. In Bagdad wurde ein Mitarbeiter des Innenministeriums erschossen. Die Attentäter eröffneten das Feuer, als Ghasi Hoschi in sein Auto einsteigen wollte, um zur Arbeit zu fahren, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

In Ramadi, 110 Kilometer westlich von Bagdad, griffen Aufständische amerikanische und irakische Soldaten mit Mörsergranaten an. Anschliessend kam es in mehreren Teilen der Stadt zu Gefechten. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt.

(dapd)

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