Aktualisiert 04.02.2013 10:12

«Anti-iranische PR»

Kampfansage an Hollywood nach «Argo»

Nazis und sowjetische Spione sind im Iran kein Problem. Doch bei iranischen Film-Bösewichten hört der Spass auf. Iranische Kritiker gehen nun gegen den «Hollywoodismus» vor.

Solange in den Agententhrillern deutsche Nazis und sowjetische Spione die Bösewichte waren, hat man sich im Iran die Filme auch gerne angesehen. Aber mit Muslimen und besonders Iranern als Schurken hört der Kinospass beim iranischen Establishment auf.

Besonders verärgert ist man über Oscar-Favorit «Argo» von Ben Affleck, der von einer US-Geiselbefreiung durch die CIA im Jahr 1980 handelt. Teheran bezeichnet den Film als anti-iranisch und die gezeigten Ereignisse als gefälscht. Auf einer internationalen Konferenz in Teheran mit dem Titel «Hollywoodismus» wollte der Iran nun gegen «Argo» angehen.

«Das ist eine Verzerrung der Geschichte und der Versuch, der Welt den amerikanischen Blickwinkel auf die Geschichte aufzudrängen», sagt Irans Kultusminister Mohammed Hosseini. Der bereits vielfach ausgezeichnete Streifen habe sowohl technisch als auch künstlerisch die Preise nicht verdient, sagte er der Nachrichtenagentur DPA.

Hosseini sieht den Erfolg des Films mehr in dessen anti-iranischen Aspekten begründet. Auch die Oscar-Nacht könnte mit neuen Preisen für «Argo» zu einem anti-iranischen Event werden, so der Minister weiter. Afflecks Film zieht Ende Februar mit sieben Gewinnchancen ins Oscar-Rennen.

Aufhetzung

An der Konferenz nahmen rund 150 iranische und 50 ausländische Gäste, darunter auch Amerikaner, teil. Kaum einer kannte die ausländischen Künstler, auch unter den Iranern gehörte keiner zur Filmelite des Landes. Dafür nahmen viele Offizielle des Kultusministeriums und dessen Filmabteilung teil.

Ihrer Auffassung nach ist Hollywood zum politischen Instrument des Weissen Hauses und der zionistischen Kreise in den USA geworden: in den Filmen werde bewusst Islamfeindlichkeit und Anti-Iranismus verbreitet. «Hollywood hat als Kriterium das des Satans ausgewählt», sagte Dshawad Schamaghdari, Vize-Kultusminister und Chef der Filmabteilung.

Für den Iran ist Hollywood auch zu einer Quelle von Falschinformationen geworden. Konferenzleiter Gholam-Resa Montaseri sieht in Filmen wie «Argo» oder «Unthinkable» von Gregor Jordan (2010), in dem drei angeblich im Iran gebaute Atombomben in amerikanischen Städten explodieren sollten, einen gezielten Plan, bei den westlichen Zuschauern eine Anti-Iran-Stimmung zu schaffen.

Verbote bringen nichts

Hosseini meinte, in «Argo» würden Iraner, die ein US-Visum beantragen und ausreisen wollen, als zivilisiert dargestellt, die im Land Verbleibenden dagegen als unzivilisiert und gewaltbereit. «Wenn man den Iran nicht kennt, würde man das dann auch glauben», so der Minister.

Es müsse endlich etwas gegen «Hollywoodismus» unternommen werden, so lautete das Fazit der Konferenz - aber was genau, das wusste niemand so recht zu sagen. Bis jetzt ist dem Establishment wenig mehr eingefallen, als die Hollywood-Filme zu verbieten. Die DVDs kann sich aber jedermann auf dem Schwarzmarkt für umgerechnet 50 Cent besorgen. Auch «Argo» - sogar mit persischen Untertiteln.

Eine neue Initiative ist die Produktion eines Gegenfilms zu «Argo», der «Generalstab» heissen soll. In dem Streifen will Regisseur Ataollah Salmanian die iranische Sichtweise auf das US-Geiseldrama darstellen. Was genau das bedeutet, ist unklar, ebenso wer den Film finanzieren soll.

Eigentlich liebt niemand «Argo», weder die Briten, noch die Kanadier und schon gar nicht die Iraner (siehe Box). Das Video zeigt, weshalb:

Argo's Rache (YouTube/ABCNews)

Iran plant «Gegenfilm»

Der Erfolg für den in Teheran spielenden Film «Argo» bei der Verleihung der Golden Globes ist in iranischen Medien auf Kritik gestossen. Die Nachrichtenagentur Fars bezeichnete den Streifen von US-Regisseur und Schauspieler Ben Affleck am Montag als «anti-iranisch».

Die Auszeichnung des Politthrillers als besten Film sei ein «fragwürdigen Schritt», hiess es. Hinter dem Film stecke Israel. Ähnlich äusserte sich die Nachrichtenagentur Mehr: «Affleck hat endlich den Preis für seine Lügen erhalten.»

«Argo» basiert auf wahren Begebenheiten. Der mehrfach Oscar-nominierte Film, in dem Affleck auch selbst mitspielt, handelt von einer aberwitzigen CIA-Befreiungsaktion von US-Geiseln im Iran vor 33 Jahren.

Damals hatten Anhänger des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini die US-Botschaft gestürmt und zahlreiche Amerikaner in ihre Gewalt gebracht. Bei der Verleihung am Sonntagabend in Beverly Hills hatte Affleck für «Argo» auch den Regiepreis erhalten.

Im Iran ist nach Medienberichten bereits ein «Gegenfilm» zu «Argo» geplant. Regisseur Ataollah Salmanian werde in dem Streifen «Joint Command» die iranische Sichtweise auf die US-Geiselbefreiung im Jahr 1980 darstellen, hiess es am Wochenende. «Argo» ist im Iran verboten, findet jedoch auf dem Schwarzmarkt regen Zuspruch. (sda)

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