Rottweiler-Attacke: Kampfhund gehört Ex-Hammerwerfer P. S.

Aktualisiert

Rottweiler-AttackeKampfhund gehört Ex-Hammerwerfer P. S.

Ein Rottweiler hat am Sonntagnachmittag in Schaffhausen den vierjährigen Ali S. angefallen und am Kopf schwer verletzt. Das Kind ist aber ausser Lebensgefahr. Der Kampfhund gehört einem der mutmasslichen «Schenkkreismörder» von Grenchen. Die Polizei bestätigte entsprechende Recherchen von 20 Minuten.

von
Daniel Waldmeier
Désirée Pomper

Familienvater H. S.* war am Sonntagabend mit zwei Töchtern und dem kleinen Ali auf dem Weg zum Schrebergarten in Schaffhausen. Nach der Badi wollten sie gemütlich grillieren. Plötzlich rannte ein riesiger Rottweiler auf die Familie zu, Alis Schwester Z.* (10) entfuhr ein Angstschrei. Der Kampfhund sprang den wehrlosen Ali an und verbiss sich in sein Gesicht. Die 55-jährige B.*, die mit dem Rottweiler im Feld nebenan gespielt hatte, rief: «Hör auf, hör auf!» – ohne Wirkung. «Das Biest liess erst von Ali ab, als mein Vater es am Hals packte», sagt Alis Schwester F.* (18). Die fassungs­losen Angehörigen mussten Teile von Alis Gesicht und seinem Ohr am Boden zusammensuchen. «Alles war voller Blut», erzählt die geschockte F. Vom Schaffhauser Spital wurde Ali direkt ins Kinderspital Zürich überführt. Dort versuchten die Ärzte in einer sechsstündigen Operation, sein Gesicht wiederherzustellen.

Schwere Vorwürfe erhebt die Familie gegen B., die für den Rottweiler verantwortlich war: «Der Hund war weder angeleint noch trug er einen Maulkorb», so F. Nach der Attacke habe sie den Hund an die Kette genommen und sich aus dem Staub gemacht. Erst später sei sie vor dem Spital aufgetaucht. «Ich hoffe, dass ich diese Frau nie mehr sehen muss», sagt F. Bei der Schaffhauserin handelt es sich um die Mutter des mutmasslichen «Schenkkreismörders» von Grenchen (siehe unten).

Mittlerweile ist Ali ausser Lebensgefahr, doch die Narben werden bleiben: «Ali hat extreme Schmerzen, sein Gesicht ist geschwollen. Man kann ihn fast nicht ansehen», sagt F. Immerhin kann er bereits wieder sprechen: «Ali hat Milchschnitte bestellt, hoffentlich mag er diese auch.»

Bissiger Rottweiler gehört dem Ex-Hammerwerfer P.S.

Der Rottweiler, der am Sonntag den kleinen Ali S. fürs Leben gezeichnet hat, gehört ausgerechnet dem ehemaligen Hammerwerfer P.S. Dieser sitzt derzeit im Gefängnis, weil er dringend verdächtigt wird, am so genannten «Schenkkreismord» von Grenchen beteiligt gewesen zu sein. Patrick Caprez, Sprecher der Schaffhauser Polizei, bestätigt Recherchen von 20 Minuten: «Es handelt sich beim Hundebesitzer um den Hauptverdächtigen im Fall Grenchen.» Und weiter: «Der Hund befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls unter der Aufsicht seiner Mutter.» Nebst dem gefährlichen jungen Rottweiler beaufsichtigt die Mutter auch noch einen altersschwachen Mischlingshund ihres Sohnes.

Die 55-jährige B.* lebt laut ihrer Nachbarschaft zurückgezogen in Schaffhausen. «Man sieht sie nie, dafür riecht man sie umso mehr», so eine Anwohnerin. Ihre Wohnung sei völlig vermüllt, sie sei eine «Messie». Eine andere Nachbarin denkt mit Unbehagen an die beiden Hunde: «Das sind eklige, vergammelte Köter.»

«Rottweiler soll man verbieten»

Nach der schrecklichen Rottweiler-Attacke auf den kleinen Ali S. ist CVP-Nationalrätin Kathy Riklin überzeugt: «Dieser Unfall hätte verhindert werden können.» Schon seit Jahren plädiert sie für ein Rassenverbot oder eine Bewilligungspflicht für Kampfhunde, die von ­einer «genbedingten Aggressivität» getrieben seien.

Denn Ali S. ist nicht das erste Opfer eines Kampfhunde-Angriffs: 2005 wurde der sechsjährige Süleyman in Oberglatt ZH von drei Pitbulls getötet. Seither scheiterten mehrere Anläufe für ein nationales Kampfhundeverbot.

«Wir haben gegen die mächtige Hunde-Lobby keine Chance», sagt Riklin. Immerhin: Demnächst wird im Ständerat über das neue Hundegesetz diskutiert. Dieses sieht eine Leinenpflicht und eine Haftpflichtversicherung für die Hunde vor.

*Name der Redaktion bekannt

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