Aktualisiert 23.09.2011 19:40

Geächtete RassenKampfhunde, wollt ihr ewig leben?

Keiner will Kampfhunde, nicht einmal die Tierheime. Auf viele wartet darum die Todesspritze. Ein Verein will sich nun der Hunde annehmen. Sein grösstes Problem: Niemand unterstützt ihn.

von
A. Hirschberg

«Wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe, kommt es vor, dass ich angefeindet werde, besonders von anderen Hundehaltern. Darum meide ich Orte, wo viele Hündeler sind», sagt Rolf Schaeffler, Pitbull-Besitzer und Vorstandsmitglied des American Pitbull Terrier Club Schweiz. Wie dem Berner Schaeffler geht es fast allen Kampfhundebesitzern. In der Öffentlichkeit sind diese Tiere gar nicht gern gesehen, seit im Dezember 2005 in Oberglatt ZH drei junge Pitbulls den 6-jährigen Süleyman töteten.

Viele Leute wird diese Entwicklung freuen. Damit hat die Gesellschaft innert kürzester Zeit einen zuvor beliebten Freund und «Beschützer» aus seinen Reihen verbannt. Leidtragende sind aber die Tiere, die in vielen Kantonen auf einer Liste gefährlicher oder verbotener Rassen stehen. Nur wenige Halter sind bereit, die öffentliche Ächtung zu erdulden, die der Besitz eines solchen Listenhundes bedeutet. Denn sogar aus der Tierarztpraxis oder der Hundeschule werden Kampfhunde heute verbannt.

Kampfhunde sind in Tierheimen unerwünscht

Doch wer seinen Hund loswerden will, findet keinen Platz. Nicht einmal Tierheime oder Tierschutzorganisationen wollen sie noch aufnehmen, auch wenn es sozialverträgliche und unproblematische Tiere sind. «Die Chancen eines Listenhundes im Tierheim stehen schlecht, innert nützlicher Frist durch seriöse Rasseliebhaber adoptiert zu werden», schreibt ein Aargauer Tierheim in seinem Newsletter. Oft warte am Schluss nur die Todesspritze.

So geht es auch Kampfhunden im Kanton Zürich, wo sie mittlerweile verboten sind. Fehlt eine Bewilligung, werden sie vom Veterinäramt beschlagnahmt. «Hunde, die ein erhöhtes Sicherheitsrisiko darstellen, werden eingeschläfert», sagt Kantonstierärztin Regula Vogel. Bei problemlosen Tieren sei die Platzierung sehr schwierig. Das Veterinäramt suche ausserhalb des Kantons nach einem Platz für die Tiere. «Doch nicht immer mit Erfolg», so Vogel. Als letzter Schritt bleibt nur noch die Einschläferung.

Kein Geld für Kampfhunde

Nun haben Anfang Jahr einige Tierschützer und Hundeliebhaber zusammen den Verein Listenhunde-Hilfe Schweiz (LSH) gegründet. Ihr Ziel ist es, Besitzer von Listenhunden zu unterstützen und zu helfen. Doch stattdessen haben sie bereits fünf Kampfhunde übernommen. «Vier davon wurden beschlagnahmt. Ihnen hätte die Todesspritze gedroht, hätten wir sie nicht aufgenommen», sagt Tamara Dysli, Vorstandsmitglied von LSH.

Doch damit kam der noch junge Verein schnell in die Bredouille. Eine eigene Tierstation haben die Tierschützer nicht. «Das wäre unser Wunsch, doch so weit sind wir noch nicht», sagt Dysli. So mussten die Hunde in Tierpensionen oder –heimen untergebracht werden. Bezahlet wird dies vom Verein. «Das kostet viel Geld und wir sind bereits am Rand unserer Kapazitäten», sagt Dysli. Denn auch in finanzieller Hinsicht ist die Unterstützung für Kampfhunde nicht gross. «Wir finden kaum Spender oder Paten für die Tiere und wissen schon bald nicht mehr weiter.»

STS: Hunde generell sind schwer vermittelbar

Beim Schweizer Tierschutz (STS) weiss man um die Situation der Kampfhunde und kennt die LSH. Aus Sicht des Tierschutzes sind aber nicht die Kampfhunde an und für sich, sondern Hunde im Allgemeinen ein brennendes Problem. «Unsere Tierheime sind überfüllt und wir haben grundsätzlich grosse Schwierigkeiten, gute Plätze für Hunde zu finden», sagt Präsident Heinz Lienhard. Ihm sei aber nicht bekannt, dass Tierschutzorganisationen systematisch solche Hunde ablehnen. Es sei zwar so, dass Listenhunde ausserordentlich schwer platzierbar seien. Man finde aber immer eine Lösung.

Dennoch muss Lienhard eingestehen, dass auch der STS hie und da gesunde Tiere einschläfern muss, die zu lange keinen Platz finden und unter der Situation im Tierheim leiden. «Es sind nur ganz wenige Fälle, aber es gibt sie», so Lienhard.

Über dreissig Kampfhunde suchen derzeit in der Schweiz einen neuen Platz. Tierheime bedeuten für diese menschenbezogenen Hunde Stress pur. Dort entwickeln sie schnell Ticks und Störungen. Darum droht auch Yaros, Lara, Pancho und Kumpanen die Todesspritze.

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