Tiger F-5 - «Kampfjet-Piloten lösen Schleudersitz erst in allerletzter Sekunde aus»

Publiziert

Tiger F-5«Kampfjet-Piloten lösen Schleudersitz erst in allerletzter Sekunde aus»

Der Pilot des abgestürzten Armee-Kampfjets konnte sich durch den Schleudersitz retten. Der Absturz deute auf ein technisches Versagen des Oldtimer-Jets hin, so ein Aviatik-Experte.

von
Daniel Krähenbühl
1 / 19
Am Mittwochmorgen stürzte auf der Melchsee-Frutt ein Kampfjet ab.

Am Mittwochmorgen stürzte auf der Melchsee-Frutt ein Kampfjet ab.

Militärpolizei
Dabei handelt es ich um einen Tiger F-5.

Dabei handelt es ich um einen Tiger F-5.

Militärpolizei
Der Pilot blieb unverletzt.

Der Pilot blieb unverletzt.

Militärpolizei

Darum gehts

  • Am Mittwochmorgen stürzte auf der Melchsee-Frutt im Kanton Obwalden ein Kampfjet der Schweizer Armee ab.

  • Es handelt sich dabei um ein Flugzeug des Typs Tiger F-5.

  • Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten und blieb unverletzt.

Herr Egger*, wie konnte es Ihrer Meinung nach zu diesem Unglück kommen?

Die Tiger-Kampfjets markieren in Luftkämpfen ein Ziel, sie sind als Sparringpartner für die neueren F/A-18 Hornets. Bei einem solchen Luftkampf geht es darum, dass die F/A-18 den Tiger-Jet möglichst schnell fokussieren und somit «abschiessen» kann. Der Pilot hatte gerade noch Zeit, rechtzeitig abzuspringen.

Oft sind die Gründe für Flugzeugabstürze auf menschliches Versagen zurückzuführen. Angesichts des hohen Alters der Maschine könnte ich mir aber auch gut ein technisches Problem vorstellen.

Wieso das?

Ich gehe nicht davon aus, dass der Pilot überstürzt den Schleudersitz ausgelöst hat – dazu sind die Piloten zu gut ausgebildet und geschult. Angesichts des Alters der Tiger-Kampfjets – immerhin stammen sie aus den 70er- und 80er-Jahren – ist es also möglich, dass ein technisches Problem wie zum Beispiel ein Triebwerkversagen vorlag. Wobei man sagen muss, dass die noch vorhandenen Tiger-Oldtimer seriös gewartet werden und noch durchaus sicher betrieben werden können.

Wann lösen Jet-Piloten den Schleudersitz aus?

Das ist ein Entscheid, den die Piloten erst in allerletzter Sekunde, oder besser gesagt im allerletzten Sekundenbruchteil treffen. Zunächst wird alles versucht, um den Flieger wieder unter Kontrolle zu bringen oder ausgefallene Systeme wieder zu starten. Erst in dem Moment, in dem alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, entscheidet man sich dazu, den Schleudersitz auszulösen. Das passiert niemals leichtfertig.

Oft wird dieser Entscheid zu spät gefällt, weil die Piloten zu lange versuchen, das Flugzeug zu retten oder keinen Schaden am Boden anrichten wollen. Bei einem Absprung über bewohntem Gebiet wäre ein Absturz etwa verheerend und könnte viele Opfer fordern. Was auch beachtet werden muss: Die hohe Geschwindigkeit der Jets führt dazu, dass der abgesprungene Pilot im Schleudersitz ebenfalls noch eine Zeitlang mit hohem Tempo durch die Luft fliegt. Wenn man zu spät reagiert, kann das tödlich sein. In diesem Fall scheint der Pilot also richtig und genügend früh reagiert zu haben.

Wie fühlt sich die Auslösung des Schleudersitzes an?

Das ist wie ein Kanonenschuss, die Belastungen sind enorm. Den Piloten jagt es mit 20g, also mit der zwanzigfachen Beschleunigung des eigenen Körpergewichts nach oben. Im Optimalfall ist der Pilot danach unverletzt, aber es bestehen immer Risiken. So gibt es bei der Auslösung einen gewaltigen Schlag in den Rücken, manch einer trägt ernsthafte Blessuren davon. Auch bei der Landung kann es immer zu Verletzungen kommen.

Wie kommt es dazu, dass immer wieder Kampfjets der Armee abstürzen?

Man darf nicht vergessen: Die Piloten üben den Ernstfall. Dazu sind sie ausgebildet, diesen Auftrag haben sie. Das sind keine Sonntags- oder Schönwetterflieger. Die Piloten der Luftwaffe simulieren regelmässig echte Kampfeinsätze. Damit wird die Kampfbereitschaft aufrecht erhalten. Dass bei derart vielen Flügen immer etwas passieren kann, ist ein Risiko, das jedem Piloten bewusst ist.

*Hansjörg Egger ist Militär- und Zivilluftfahrtexperte und ehemaliger Angehöriger der Luftwaffe.

*Hansjörg Egger ist Militär- und Zivilluftfahrtexperte und ehemaliger Angehöriger der Luftwaffe.

Privat

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

42 Kommentare