«Kampfraucher» Schmidt: Jetzt schnupft er
Aktualisiert

«Kampfraucher» Schmidt: Jetzt schnupft er

Der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt kann es doch ohne: Bei einem Auftritt in Hamburg verzichtete er auf seine obligaten Zigaretten – aber nicht auf Nikotin…

Anfang Januar hatten Helmut Schmidt (89) und seine Frau Loki (88) bei einer Veranstaltung in einem Hamburger Theater wie gewohnt ihre Zigaretten gequalmt, obwohl seit Neujahr ein Rauchverbot gilt. Bei einer Nichtraucherinitiative im fernen Wiesbaden sorgte dieses «Vergehen» für rauchende Köpfe: sie zeigte die Schmidts – beide seit Jahrzehnten überzeugte Kettenraucher – wegen Körperverletzung an.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft zeigte sich leicht genervt und kündigte am Freitag an, sie werde das Verfahren einstellen. Trotzdem warteten die Besucher einer SPD-Veranstaltung im Thalia-Theater am Sonntag gespannt darauf, ob der Altbundeskanzler erneut seine Glimmstängel paffen würde. Doch siehe da, Helmut Schmidt zündelte nicht. Ganz lassen konnte er es trotzdem nicht: Er konsumierte das Nikotin in Form von Schnupftabak.

«Raucherkrieg» im Internet

Ob er auch in Zukunft bei solchen Veranstaltungen nicht mehr rauchen würde, liess Helmut Schmidt offen. Besucher glaubten, der ehemalige Kanzler wollte den Medien kein neues Futter im «Raucherkrieg» liefern. Dieser ist derzeit vor allem im Internet im Gang: Während sich die einen über das «kleingeistige Deutschland» aufregen, mahnen andere, dass Schmidt eine Vorbildfunktion habe.

Dabei dürfte ihm die ganze Aufregung provinziell erscheinen, glaubt die «Süddeutsche Zeitung». Schliesslich schreibt der 89-Jährige in der Wochenzeitung «Die Zeit» als Herausgeber eine Kolumne unter dem Motto «Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt», in der bevorzugt über die grosse Weltpolitik räsoniert. Und in einer Umfrage wurde er kürzlich zum «coolsten» Deutschen gewählt – trotz oder wohl gerade wegen seiner unverdrossenen Qualmerei.

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