Volkes Zorn: Kampfsportfans pfeifen Putin aus
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Volkes ZornKampfsportfans pfeifen Putin aus

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin ist nicht mehr so uneingeschränkt populär wie in alten Zeiten. Dies bekam er bei einem Martial-Arts-Fight in Moskau zu spüren.

von
pbl

Der ehemalige Judoka Wladimir Putin ist ein grosser Fan des russischen Kampfsportlers Fjodor Wladimirowitsch Jemeljanenko. Entsprechend war er bei dessen Fight gegen den Amerikaner Jeff Monson am Sonntagabend live im Olympiastadion von Moskau anwesend. Nachdem Jemeljanenko den Kampf in der Sportart Mixed Martial Arts (MMA) gewonnen hatte, stieg Putin in den Ring, um seinem Landsmann zu gratulieren.

Das gefiel längst nicht allen im Publikum. Zahlreiche der 22 000 Zuschauer reagierten mit Pfiffen und Buhrufen. Ein Sprecher der russischen Boxföderation, Andrej Basdrew, sagte dem Radiosender Echo Moskwi, Putin habe zunächst einen bestürzten Eindruck gemacht, sich dann aber schnell wieder gefangen. Er lobte Jemeljanenko als «echten russischen Bogatyr» – einen Kämpfer aus mittelalterlichen russischen Sagen.

Pfiffe wegen voller Blase?

Wladimir Putins Umfeld präsentierte am Montag seine eigene Interpretation der Ereignisse. Sein Sprecher Dmitir Peskow behauptete laut «Guardian», die Pfiffe hätten dem Amerikaner gegolten, der zur gleichen Zeit aus dem Ring getragen worden sei. Es handle sich um einen von der Blogosphäre orchestrierten «Sturm im Wasserglas». Kristina Potuptschik, Sprecherin der Kreml-Jugendorganisation Nashi, machte die Organisatoren für den Eklat verantwortlich: Einige Zuschauer hätten gegen die Unmöglichkeit protestiert, ihre «mit Bier gefüllte Blase» zu leeren.

Mit Wladimir Putins Popularität ist es jedoch nicht mehr so weit her wie in seinen besten Tagen. Eine Umfrage des unabhängigen Levada-Zentrums von Ende Oktober ergab, dass noch 61 Prozent den Ministerpräsidenten unterstützten, gegenüber 77 Prozent im Vorjahr. Seine erneute Wahl zum Präsidenten im März 2012 dürfte in Russlands «gelenkter Demokratie» zwar kaum gefährdet sein. Doch Putins Hang zu Selbstinszenierungen scheint seinen Landsleuten zunehmend auf den Wecker zu gehen.

Das gilt vor allem für grosse Städte wie Moskau, doch auch in der Provinz wächst der Unmut, wie das Beispiel des Schülers Matwei Tsiwinjuk aus dem sibirischen Krasnojarsk zeigt. Er hatte ein Plakat der Putin-Partei «Vereinigtes Russland» mit Parolen wie «Partei von Dieben und Gaunern» übermalt und damit weltweit für Aufsehen gesorgt. (pbl/sda/dapd)

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