Nach 3096 Tagen: Kampusch «erschüttert» über Buch ihres Vaters
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Nach 3096 TagenKampusch «erschüttert» über Buch ihres Vaters

Fünf Jahre nach Natascha Kampuschs Mutter versucht nun auch ihr Vater mit einem Buch am Elend seiner Tochter zu verdienen. Das Entführungsopfer wusste allerdings von nichts – und zeigt sich empört.

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«Ich bin so sprachlos», sagte das heute 25-jährige Entführungsopfer Natascha Kampusch am Mittwoch in München. Sie war eigentlich gekommen, um den beklemmenden Film «3096 Tage» vorzustellen, doch die Nachricht, dass ihr Vater Ludwig Koch ein Buch über ihre Entführung herausbrachte, überschattete den Event. Kampusch hatte keine Ahnung von den Plänen ihres Vaters.

Noch überraschter wird sie wohl gewesen sein, nachdem Teile des Inhalts von «Vermisst. Die Suche des Vaters nach Natascha Kampusch» des britischen Autors Alan Hall auf dem Internetportal «oe24.at» veröffentlicht worden waren: Ludwig Koch erhebt darin schwere Vorwürfe gegen seine Tochter. Unter anderem soll er anzweifeln, dass sie wirklich jahrelang in einem Kellerverlies leben musste. Er stellt gar die These auf, dass Kampusch mit der Flucht bis zum 18. Lebensjahr wartete, weil sie nicht in ein Heim oder zu ihrer Familie zurückkehren wollte.

Zeugin Ischtar A. kommt zu Wort

Der Vater vermutet, dass seine Tochter nicht die ganze Geschichte über ihre Jahre in Gefangenschaft erzählt. «Die Wahrheit liegt zwischen Natascha und mir. Sie blockiert unsere Beziehung. Ich spreche, weil ich sie liebe und zurück will», so Koch.

U-Ausschuss-Kampusch-PK

In «Vermisst» wird über die Vertuschung von Aussagen der Zeugin Ischtar A. Klartext geschrieben: «Ich bin das zweite Opfer der Entführung», wird A. im Buch erwähnt. «Ich weiss, es waren zwei Männer, der zweite blieb die ganze Zeit am Fahrersitz. Sie haben mich gesehen, sie wissen, ich bin Zeugin. In all den Jahren hatte ich Angst, dass sie zurückkommen, um mich zu holen.»

Der Fall Kampusch und die Medien

Ernst H. ist der «Schlüssel zum Rätsel»

In einem weiteren Kapitel thematisiert der Autor die Rolle von Priklopil-Freund Ernst H. Dazu Koch: «Ich will ihn vor Gericht sehen und dass er unter Eid erklärt, was er weiss.» Ernst H. sei «der Schlüssel zum Rätsel», glaubt Koch. Die unbeantworteten Fragen - warum Ernst H. nur Stunden nach Nataschas Flucht Zutritt zu Priklopils Haus hatte oder wieso er beim ersten Besuch der Polizei fragte «Hat er sie getötet?» – seien Teil dieses ungelösten Falles.

Ludwig Koch wirft in seinem Buch Kampusch vor, nicht ehrlich über die Beziehung zu Entführer Priklopil berichtet zu haben und mitschuldig am Tod des Hauptermittlers Franz Kröll zu sein. «Er ist einer jener, der glaubt, dass Kröll nicht eines natürlichen Todes starb. Es wird gesagt, dass er wegen Natascha tot ist. Kröll hat viele Ungereimtheiten in Nataschas Leben als Gefangene aufgedeckt», schreibt Alan Hall.

Seine Tochter kann die Anschuldigungen ihres Vaters nicht verstehen. «Ich werde nachdenken und Spaziergänge machen müssen», sagte sie während der Premiere des Filmes, der auf ihrer Autobiografie basiert.

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