«Geld ist nicht gleich Gerechtigkeit» – Kanada bezahlt Milliarden an misshandelte indigene Heimkinder
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«Geld ist nicht gleich Gerechtigkeit»Kanada bezahlt Milliarden an misshandelte indigene Heimkinder

Über Jahrzehnte steckte Kanada Hunderttausende Kinder von indigenen Müttern gegen deren Willen in Heime, wo sie oft Opfer von Misshandlungen wurden. Nun versucht sich die Regierung in Wiedergutmachung.

Menswchen versammeln sich in einem Feld neben einer ehemaligen indianischen Schule in der Provinz Saskatchewan, wo Hunderte unmarkierte Gräber von Kindern gefunden wurden.

Menswchen versammeln sich in einem Feld neben einer ehemaligen indianischen Schule in der Provinz Saskatchewan, wo Hunderte unmarkierte Gräber von Kindern gefunden wurden.

AFP

Kanada stellt Milliarden für die Aufarbeitung des Misshandlungsskandals an indigenen Kindern in Heimen zur Verfügung. Wie aus einem am Dienstag vorgestellten Finanzbericht hervorgeht, stellt der Staat insgesamt 40 Milliarden kanadische Dollar (27,64 Milliarden Euro) zurück. Finanzministerin Chrystia Freeland erklärte, dass die Hälfte dieses Betrags als Entschädigung für misshandelte Kinder und ihre Familien verwendet werden soll. Die andere Hälfte soll für eine Reform des Heimsystems verwendet werden. «Wir wissen, dass die Begleichung unserer historischen Schuld gegenüber den indigenen Völkern oberste Priorität hat und dass wir handeln müssen, um sicherzustellen, dass sich diese Ungerechtigkeiten nicht wiederholen», sagte Freeland in einer Rede.

Die Gelder wurden zurückgestellt, um einen Rechtsstreit über die Diskriminierung indigener Kinder beizulegen. Ein Gericht hatte die Regierung 2019 dazu verurteilt, 40’000 Kanadische Dollar für jedes Kind zu zahlen, das nach 2006 seinen Eltern weggenommen und in einer Pflegefamilie ausserhalb seiner indigenen Gemeinschaft untergebracht wurde. Ottawa bat im September ein Bundesberufungsgericht, das Urteil aufzuheben. Gleichzeitig bemühte sich die Regierung um eine Verhandlungslösung mit Opfervertretern. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. «Geld ist nicht gleichbedeutend mit Gerechtigkeit», sagte die Ureinwohner-Vertreterin und Chefin der Versammlung der sogenannten First Nations, RoseAnne Archibald, nach der Bekanntgabe der Entschädigungspläne. «Es signalisiert jedoch, dass wir uns auf dem Weg der Heilung befinden.»

Seit Beginn des Jahres arbeitet Kanada das dunkle Kapitel seiner jahrzehntelangen Politik der Zwangsassimilierung der indigenen Gemeinschaften auf. Ab 1874 waren rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung zu zwingen. Viele von ihnen wurden misshandelt oder sexuell misshandelt. Auf dem Gelände der Einrichtungen wurden tausende Gräber gefunden.

(AFP)

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