Eishockey-WM: Kanada folgt Russland in den Final

Aktualisiert

Eishockey-WMKanada folgt Russland in den Final

Die Eishockey-WM in der Schweiz hat ihren Traumfinal erhalten. Vier Stunden nach den Russen qualifizierte sich auch Kanada für das Endspiel vom Sonntagabend in Bern. Die «Ahornblätter» besiegten im Halbfinal Schweden mit 3:1.

Die Entscheidung fiel bei Spielmitte. Und sie fiel aus schwedischer Optik auf lamentable Art und Weise. Shawn Horcoff (Edmonton Oilers) erzielte in der 30. Minute das 2:0. Die Schweden liessen sich den Schock anmerken, kassierten wenig später eine Strafe und 45 Sekunden später das 0:3. Derek Roy (Buffalo Sabres) sorgte mit dem dritten kanadischen und seinem zweiten persönlichen Treffer für mehr als eine Vorentscheidung.

Die Schweden und allen voran Nationalcoach Bengt-Ake Gustafsson ärgerten sich über das zweite Gegengoal. Der deutsche Linienrichter Felix Winnekens zeigte per Handzeichen eine kanadische Offsideposition an, unterbrach die Partie aber nicht, obwohl es Travis Zajac nicht mehr rechtzeitig aus der Angriffszone raus schaffte.

Doublette entschied

Kanadas entscheidende Doublette fiel mitten in die beste schwedische Phase hinein. Die Schweden hatten die ersten zehn Minuten des zweiten Abschnitts dominiert und den Ausgleich mehrmals nur knapp verpasst. Linus Omark zündete ein fünfminütiges schwedisches Feuerwerk (26.). Kristian Huselius vergab zwei Minuten später die nächste Chance. Dann tauchten Rickard Wallin (früher Lugano) und Marcus Nilson vor Dwayne Roloson (Edmonton Oilers) auf. Und schliesslich parierte Roloson in der 30. Minute nochmals mirakulös gegen Wallin. Im Gegenzug markierten die Kanadier das 2:0.

Dennoch ging am Ende Kanadas Sieg in Ordnung. Die Kanadier überzeugten und steigerten sich gegenüber den misslungenen Auftritten gegen Finnland (3:4 n.V.) und Lettland (4:2) enorm. Goalie Roloson hielt famos (22 Paraden), die Verteidiger agierten diszipliniert; Schweden befand sich praktisch nie in Überzahl in der Angriffszone. Und in der Offensive verfügen die Kanadier mit Derek Roy, Dany Heatley (Ottawa Senators) und Martin St. Louis (Tampa Bay Lightning) über drei der talentiertesten Spieler des Turniers. St. Louis (spielte in der Saison 04/05 bei Lausanne) und Roy wirbelten nach sieben Minuten derart, dass die schwedische Abwehr samt Keeper Jonas Gustavsson den Puck aus den Augen verlor. Roy profitierte und lupfte den Puck zum 1:0 ins offene Eck.

Auch die Schweden verdienten sich Komplimente. Sie gaben selbst nach dem 0:3 nie auf. Belohnt wurden die Skandinavier mit dem 1:3 durch Loui Eriksson von den Dallas Stars 14 Minuten vor Schluss. Mit mehr Effizienz in Überzahl wäre für Schweden sogar noch das Anschlusstor möglich gewesen, und vielleicht wären dann die Kanadier noch nervös geworden. Aber im Powerplay sind an dieser WM die Kanadier und nicht die Schweden die Experten. Das Team Canada erzielte an der WM in der Schweiz aus 44 Überzahlchancen schon 19 Tore; das entspricht einer sagenhaften Erfolgsquote von 43,2 Prozent. Im Halbfinal realisierten die Kanadier das 3:0 im Powerplay.

Traumfinal

Der Final vom Sonntag verspricht Riesen-Spannung. Die letzten Duelle zwischen Russland und Kanada in der entscheidenden Turnierphase hatten es alle in sich. In den letzten drei Duellen in WM-Playoffs entschied jeweils ein Tor; zweimal fiel die Entscheidung erst in der Overtime. Russland hat in den letzten 20 Jahren von sechs Playoff-Duellen gegen Kanada vier gewonnen, zuletzt im Frühling 2008 den WM-Final in Québec City mit 5:4 nach Verlängerung. Kanada führte vor einem Jahr an der Heim-WM 3:1 und bis zur 49. Minute 4:2, ehe Tereschtschenko und zweimal Kowaltschuk den Kanadiern die Goldmedaillen noch entrissen. Ein derart packendes Finale wäre auch der erfolgreichen Schweizer WM zu gönnen.

Kanada - Schweden 3:1 (1:0, 2:0, 0:1)

PostFinance-Arena. - 11 477 Zuschauer (ausverkauft). - SR Bulanow/Kurmann (Russ/Sz), Valach/Winnekens (Tsch/De).

Tore: 7. Roy (St. Louis, Stamkos) 1:0. 30. (29:53) Horcoff (Fisher) 2:0. 31. (30:38) Roy (Heatley/Ausschluss Stralman) 3:0. 47. Eriksson (Martensson) 3:1.

Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Kanada, 3mal 2 Minuten gegen Schweden.

Kanada: Roloson; Weber, Hamhuis; Doughty, Vlasic; Coburn, Phillips; Fisher, Zajac, Horcoff; Roy, Stamkos, St. Louis; Doan, Spezza, Heatley; Upshall, Armstrong, Upshall.

Schweden: Gustavsson; Oduya, Tärnström; Johansson, Gunnarsson; Stralman, Jönsson; Grossman; Nilson, Wallin, Huselius; Martensson, Eriksson, Weinhandl; Omark, Harju, Thörnberg; Patrik Berglund, Persson, Andersson.

Bemerkungen: Timeouts: 52. Kanada; 59. (58:08) Schweden, danach ohne Goalie.

LIVE-TICKER

von Monika Brand aus Bern

60. Kanada zieht in den Final ein! Alle Bemühungen der Schweden sind im Sand zerlaufen. Kanada gewinnt das Spiel mit 3:1.

60. Zwölf Sekunden vor Schluss gibt es noch eine Strafe gegen einen Kanadier. Damit die Schweden mit Sechs gegen Vier.

60. Noch 30 Sekunden. Das wird wohl nichts mehr für die Schweden.

60. Noch eine Minute: Der schwedische Keeper ist draussen, dafür ein sechster Spieler auf dem Feld.

59. Jetzt nimmt auch Schweden sein Time-out.

58. Jetzt haben sich die «Tre Kronor» im gegnerischen Drittel festgesetzt. Doch noch bevor es zum Abschluss kommt, kann ein Kanadier einen Pass unterbinden und befreien.

57. Schweden rennt die Zeit davon. Es bleiben drei Minuten.

55. Es sind noch fünf Minuten zu spielen in dieser Partie. Kanada führt mit 3:1. Es sieht ganz danach aus, als ob die «Ahornblätter» in den Final einziehen werden.

52. Zajac prüft Schwedens Torhüter Gustavsson. Dieser meistert die Aufgabe souverän.

51. Kanadas Trainer Lindy Ruff nimmt sein Time-out.

51. Kanada übersteht die Strafe unbeschadet.

51. Die Schweden haben sich zwar im Offensivdrittel festgestetzt und sie lassen die Scheibe zirkulieren, doch es mangelt an Abschlüssen. Da muss mehr Gefahr erzeugt werden.

49. Strafe gegen den Kanadier Roy. Damit kann Schweden mit einem Mann mehr agieren. Ist das die Chance zum Anschlusstreffer?

47. Tor für Schweden! Eriksson sorgt mit einer Einezleistung für etwas Würze im Spiel. Sein erster Schuss wird von Kanada-Goalie Roloson abgewehrt, doch der Schwede bringt den Nachschuss im Gehäuse unter.

46. Die Schweden sind zwar bemüht, doch es will nichts klappen. Und die Kanadier führen mit 3:0, sind deshalb in der Offensive kaum mehr gefordert. Das Spiel droht etwas einzuschlafen.

42. Die Strafe verstreicht ungenutzt.

41. Weiter gehts. Schweden ist noch für fast eine Minute in Überzahl. Die Skandinavier werden jetzt wohl alles daran setzen, um ein Tor zu erzielen. Denn ihnen läuft die Zeit davon.

40. Das zweite Drittel ist vorbei. Kanada führt mit 3:0. Eine grosse Hypothek für die Schweden. Ob sie das im Schlussabschnitt noch aufholen können? Wohl kaum.

39. Schweden sucht schon fast verzweifelt nach dem Anschluss. Doch irgendwie will in den Reihen der «Tre Kronor» nichts so gelingen, wie es soll. Immerhin gibt es jetzt ein Powerplay für die Skandinavier.

37. Denn Kanadiern gelingt es nicht, sich wie gewünscht im gegnerischen Drittel zu installieren. Schweden ist schon in wenigen Sekunden wieder komplett.

36. Gute Möglichkeit für die Kanadier. St. Louis schnappt sich den Puck, macht einen Bogen hinter dem eigenen Tor vorbei, läuft übers ganze Feld bis hinter die gegnerische Grundlinie und passt dann zu Heatly in den Slot. Der kann ungehindert abdrücken - schiesst aber am Tor vorbei.

35. Und wieder gibt es eine Strafe gegen einen Schweden. Tärnström muss wegen Stockschlag in die Kühlbox.

31. Wieder Tor für die Kanadier! Roy, der bereits das 1:0 erzielt hat, lenkt in Überzahl Heatlys Schuss aus dem Slot zum 3:0 ab.

30. Tor für Kanada! Mitten in der Druckphase der Schweden gelingt den Kanadiern das 2:0. Mit viel Zug ziehen Fisher und Horcoff aufs gegnerische Tor los. Fisher schiebt nach links, Horcoff verwertet souverän.

29. Kanada-Goalie Roloson mit einer Glanzparade! Die Schweden kombinieren im gegnerischen Drittel wie im Powerplay, Wallin kommt auf Bullypunkt-Höhe frei zum Schuss. Er visiert das weitere hohe Eck an, doch Roloson fährt blitzschnell seinen Fanghandschuh aus und verhindert damit den Ausgleich.

28. Und gleich noch eine gute Chance für die Schweden. Nilson legt auf Huselius zurück, dieser schiesst sofort. Aber der Schuss ist zu ungenau und geht knapp am Pfosten vorbei. Etwas mehr Präzision wäre hier gefragt.

27. Nun ist es die Linie mit Weinhandl, Martensson und Eriksson, die die kanadische Abwehr ganz schön durcheinander bringt. Doch der Blick auf die Matchuhr zeigt: Es steht immer noch 1:0 für Kanada.

27. Tolle Möglichkeit für Schweden! Omark spielt aus vollem Lauf nach rechts zu Thörnberg, dieser schiesst direkt. Doch an Kanada-Goalie Roloson gibt es momentan kein Vorbeikommen.

25. Lombardi mit einem satten Schuss vom Bullypunkt aus. Doch der Puck landet genau auf der Brust des schwedischen Torhüters, deshalb kein Problem für ihn.

24. Gute Möglichkeit für die «Ahornblätter» kurz vor Ablauf der gegnerischen Strafe. Doch mit viel Mühe kann Torhüter Gutavsson klären.

23. Die Kanadier sind wieder vollzählig und damit für rund eine Minute in Überzahl.

22. Kanada kommt zur Kontermöglichkeit in Unterzahl. Schwedens Tärnström weiss sich nur mit einer Notbremse gegen Roy zu helfen. Er muss auf die Strafbank. Es geht mit Vier gegen Vier weiter.

21. Und gleich zu Drittelsbeginn gibt es die zweite Powerplay-Möglichkeit für Schweden. Kanadas Horcoff sitzt wegen Stockschlag draussen.

21. Weiter gehts! Ob Schweden wohl den Rückstand wettmachen kann?

20. Drittelspause. Kanada führt mit 1:0.

20. Drei Sekunden vor Drittelsende kommen die Schweden noch einmal zu einer guten Möglichkeit. Doch es wird wohl mit dem 1:0 in die Kabine gehen.

19. Riesenchance für die Kanadier. In einer 2:1-Situation schiebt Roy vors Tor zu Spezza, dieser lenkt ab. Doch der schwedische Torhüter hat aufgepasst.

18. Kanada ist wieder komplett. Schweden konnte seine Überzahl nicht nutzen.

17. Gute Möglichkeit für Tärnström: Er fängt einen Befreiungsversuch der Kanadier an der blauen Linie ab und drückt gleich ab. Kanadas Goalie Roloson gerät ins Wanken, hat die Scheibe aber bei sich.

16. Es gibt die erste Strafe des Spiels: Der Kanadier Lombardi muss nach einem Beinstellen in die Kühlbox. Schweden damit in Überzahl.

14. Schweden in den letzten paar Minuten mit einigen guten Möglichkeiten. Doch die Arbeit der «Tre Kronor» trägt noch keine Früchte. Die Kanadier setzen die Schweden aber auch früh unter Druck und verwalten so ihren Vorsprung geschickt.

10. Martensson versucht es mit einem Schuss aus der Distanz. Doch damit kann er Kanada-Torhüter Roloson nicht beunruhigen.

9. Upshall hat das 2:0 auf der Schaufel. Aber im letzten Moment kann Schwedens Torhüter Gustavsson noch das Bein ausfahren.

7. Tor für Kanada! Frech holt sich Roy die Scheibe hinter dem Tor und schaufelt sie ins schwedische Tor.

7. Auf der anderen Seite prüft Fisher Schweden-Goalie Gustavsson mit einem satten Schuss aus dem Slot. Doch der Torhüter hält dicht.

5. Gute Möglichkeit für Schweden. Nach einem Schuss von Tärnström lässt Kanada-Goalie Roloson abprallen und verliert die Orientierung. Der herbeieilende Thörnberg schafft es aber nicht, die Scheibe im leeren Tor unterzubringen.

4. Stamkos mit einem Konter für die Kanadier. In letzter Sekunde kann ihn ein schwedischer Verteidiger aufhalten. So einen Weltklassespieler darf man nicht ziehen lassen.

3. Schweden in den ersten Spielminuten mehr am Puck. Doch so richtig gefährlich wurde es noch nicht.

1. Der erste Schuss auf den gegnerischen Torhüter gehört Schweden. Doch Weinhandl kann den kanadischen Keeper Roloson nicht aus der Ruhe bringen.

1. Los gehts. Das Spiel läuft.

- In Kürze geht es los. 20 Minuten Online berichtet live vom zweiten Halbfinalspiel an der Eishockey-WM in der Schweiz. Wer wird Russland in den Final folgen - Kanada oder Schweden?

Vor den Spielen

Mit Kanada und Schweden stehen sich im zweiten WM-Halbfinal zwei alte Bekannte gegenüber. Schon bei den letzten zwei WM-Endrunden begegneten sich die beiden Traditionsmannschaften im Halbfinal, wobei beide Male Kanada das Eis als Sieger verlassen konnte.

Bei der Heim-WM setzten sich die Kanadier im Halbfinal gegen die Schweden allerdings nur äusserst knapp durch. Bis zur Spielhälfte war die Partie auf Messers Schneide, ehe die Kanadier einen kleinen Zwischenspurt einlegeten. Kurz vor Schluss erzielten die «Tre Kronor» den Anschlusstreffer, die Hoffnungen auf eine Verlängerung wurden aber nicht erfüllt. Vor zwei Jahren entschied Kanada den Halbfinal schon im ersten Drittel und gewann locker mit 4:1.

Vor den diesjährigen Viertelfinals war die Ausgangslage eigentlich klar. Kanada marschierte ohne Mühe durch die Vor- und Zwischenrunde während Schweden nicht recht auf Touren kam. Nach dem klaren Auftaktsieg gegen Österreich folgten eine Niederlage im Penaltyschiessen gegen Lettland, ein mühsam erkämpfter Overtime-Sieg gegen die USA und eine knappe Niederlage gegen die Russen. Dank klaren Siegen gegen die Schweiz und Frankreich qualifizierten sich die Gelb-Blauen doch noch für die Viertelfinals.

Dort überzeugte das Team von Bengt-Ake Gustafsson vor allem mit einem starken Powerplay-Spiel und einer soliden Defensive. In der Schlussphase verzweifelten die Tschechen dann auch noch am überragenden Torhüter Jonas Gustavsson. Kanada hatte im Viertelfinal gegen Lettland mehr Mühe als erwartet. Die Tormaschinerie lief nicht mehr wie gewohnt und in der Defensive wirken die Ahornblätter weniger diszipliniert als ihre europäischen Titelkonkurrenten.

Das Duell zwischen Vizeweltmeister Kanada und Olympiasieger Schweden verspricht also Höchstspannung. Entscheidend könnten sich die Strafen auswirken. Im Viertelfinal kassierten die Kanadier aufgrund ihres körperbetonten Eishockeys mehr Strafen als der Gegner. Schweden würde das sicher rigoroser ausnützen als Lettland.

(si/mon/pre)

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