Gewaltbereite Organisation: Kanada stuft rechtsextreme «Proud Boys» als Terrororganisation ein
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Gewaltbereite OrganisationKanada stuft rechtsextreme «Proud Boys» als Terrororganisation ein

Mitglieder der «Proud Boys» waren am Sturm auf das Capitol in Washington beteiligt. Nun hat die kanadische Regierung die Rechtsradikalen als Terrorgruppe eingestuft.

von
Karin Leuthold
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Kanada hat am Mittwoch die rechtsradikale Organisation «Proud Boys» («Stolze Jungs») als «terroristische Gruppierung» eingestuft.

Kanada hat am Mittwoch die rechtsradikale Organisation «Proud Boys» («Stolze Jungs») als «terroristische Gruppierung» eingestuft.

AFP
Der ultrarechte Männerclub «Proud Boys» hatte sich im Vorfeld der US-Wahl 2016 gegründet

Der ultrarechte Männerclub «Proud Boys» hatte sich im Vorfeld der US-Wahl 2016 gegründet

REUTERS
Nach dem Sturm auf das US-Capitol wurden mehrere Mitglieder der rechtsextremen Gruppe Proud Boys in den USA angeklagt.

Nach dem Sturm auf das US-Capitol wurden mehrere Mitglieder der rechtsextremen Gruppe Proud Boys in den USA angeklagt.

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Darum gehts

  • Die kanadische Regierung stuft die rechtsextremen Proud Boys künftig als Terrororganisation ein.

  • Die Massnahme Kanadas bedeutet unter anderem, dass Vermögenswerte der Gruppe eingefroren werden.

  • Kanada ist das erste Land, das die Gruppe als Terrororganisation führt.

Kanada hat am Mittwoch die rechtsradikale Organisation «Proud Boys» («Stolze Jungs») als «terroristische Gruppierung» eingestuft. Einen entsprechenden Antrag der oppositionellen Neuen Demokratischen Partei (NDP) war Ende Januar ans Parlament gegangen und von den Abgeordneten einstimmig angenommen worden. Kanada ist das erste Land, das die Gruppe als Terrororganisation führt.

Mitglieder der «Proud Boys» hatten sich an dem gewaltsamen Sturm auf das Capitol in Washington am 6. Januar beteiligt, um die Bestätigung der Wahl des neuen US-Präsidenten Joe Biden zu stören. In einer offiziellen Erklärung hiess es, die «Proud Boys» und deren Mitglieder hätten Gewaltakte gegen jene geplant und verübt, die sie für Gegner ihrer Ideologie hielten und offen zu solchem Vorgehen ermuntert.

Die kanadische Regierung sprach zudem von einer neofaschistischen Gruppe mit halbautonomen Ortsverbänden in den USA, Kanada und dem Rest der Welt. Deren Mitglieder verträten frauenfeindliche, islamophobe, antisemitische, fremdenfeindliche Ansichten und die Ideologie einer vermeintlichen Überlegenheit der Weissen.

«Proud Boys» sind auch in Kanada aktiv

Die Massnahme Kanadas bedeutet, dass Vermögenswerte der Gruppe eingefroren werden und ihr drakonischere Strafen für Vergehen im Zusammenhang mit Terrorismus drohen. Eine Mitgliedschaft bei den Proud Boys ziehe zwar nicht zwingend eine Anklage nach sich, erklärte ein Regierungsmitarbeiter, doch könnte ein Strafverfahren wegen terroristischer Verbrechen eingeleitet werden, falls sich ein Proud Boy an Gewaltakten beteilige.

Die «Proud Boys» gelten als besonders gewaltbereit. Im vergangenen Jahr hatte sich die Gruppierung in den USA immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit linken Aktivisten geliefert. Ex-US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf Nähe zu den Proud Boys erkennen lassen. «Haltet euch zurück und haltet euch bereit», sagte Trump damals zu der Gruppe, als ihn der Moderator aufforderte, Stellung zu beziehen.

Auch in Kanada hat die Organisation Anhänger. 2017 machten fünf «Proud Boys» in den Reihen der kanadischen Marine Negativ-Schlagzeilen, als sie eine Feier von Indigenen in Halifax störten. In Kanada stehen dutzende internationale Bewegungen auf der Terrorliste, darunter Al-Kaida, die Hisbollah, die Taliban und die Miliz Islamischer Staat (IS).

Wer sind die «Proud Boys»?

Der ultrarechte Männerclub hatte sich im Vorfeld der US-Wahl 2016 gegründet und unterstützt Donald Trump bedingungslos. Das FBI stufte die «Proud Boys» 2018 als «extremistische Gruppe» ein. Selbst bezeichnet sich die Gruppe als «westliche Chauvinisten, die sich weigern, sich für die Schaffung der Welt zu entschuldigen». Die Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die «Proud Boys» als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heisst es auf der Seite der ADL. Ihre Anführer wiesen Rassismusvorwürfe aber zurück. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwendeten. Mehrere Mitglieder seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden.

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