Radikale Massnahmengegner – Kanadische Behörden räumen Trucker-Protest-Camp in Ottawa
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Radikale MassnahmengegnerKanadische Behörden räumen Trucker-Protest-Camp in Ottawa

Die teils gewaltsamen Proteste hatten das Leben in der Hauptstadt zunehmend beeinträchtigt. Nun haben die Behörden durchgegriffen. Teile der Protestbewegung wehrten sich mit Gewalt, es kam zu insgesamt 47 Verhaftungen.

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In der kanadischen Hauptstadt Ottawa hat die Polizei am Samstag das Camp von Corona-Massnahmengegnern im Zentrum der Stadt aufgelöst.

In der kanadischen Hauptstadt Ottawa hat die Polizei am Samstag das Camp von Corona-Massnahmengegnern im Zentrum der Stadt aufgelöst.

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Dabei wurden auch einige LKW von Demonstrierenden abgeführt. Andere wiederum entfernten sich und ihre Fahrzeuge freiwillig. 

Dabei wurden auch einige LKW von Demonstrierenden abgeführt. Andere wiederum entfernten sich und ihre Fahrzeuge freiwillig. 

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Die Polizei war nach den teils gewalttätigen Protesten der vergangenen Wochen gewappnet.

Die Polizei war nach den teils gewalttätigen Protesten der vergangenen Wochen gewappnet.

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Darum gehts

Nach wochenlangen Corona-Protesten hat die Polizei in der kanadischen Hauptstadt Ottawa am Samstag die Strasse vor dem Parlament geräumt. Mindestens 47 Demonstranten wurden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Am Freitag waren es bereits mehr als 100 gewesen. Fast zwei Dutzend Fahrzeuge, die sich an der Lastwagenblockade in Ottawa beteiligt hatten, wurden abgeschleppt. Die Strasse vor dem Parliament Hill war seit drei Wochen aus Protest gegen eine Impfpflicht und andere Corona-Massnahmen von Demonstranten und ihren LKW besetzt gewesen und hatte sich an Wochenenden in einen regelrechten Rummelplatz verwandelt.

Regierung friert 76 Bankkonten ein

Ein Polizist erlitt nach Angaben des Interims-Polizeichefs Steve Bell leichte Verletzungen, Demonstrationsteilnehmer wurden den Angaben zufolge jedoch nicht verletzt. In einem Tweet schrieb die Polizei an die Demonstranten: «Wir haben euch gesagt, ihr sollt gehen. Wir haben euch Zeit gegeben, zu gehen. Wir sind langsam und methodisch vorgegangen, doch ihr habt Beamte und Pferde angegriffen und wart aggressiv. Aufgrund eures Verhaltens reagieren wir mit Helmen und Schlagstöcken zu unserer Sicherheit.»

Am späten Samstagmorgen verdrängten die Behörden die Menschenmenge vom Parliament Hill. Unter den Festgenommenen am Wochenende befanden sich vier Protestführer, einer wurde gegen Kaution freigelassen, die anderen blieben in Haft. Die Polizei meldete auch, sie habe 76 Bankkonten mit Verbindungen zu den Demonstranten mit einem Vermögen von 3,2 Millionen kanadischen Dollar (2,3 Millionen Franken) eingefroren.

Das harte Durchgreifen gegen den sogenannten Freiheitskonvoi begann am Freitagmorgen, als Hunderte von Polizisten, einige in Einsatzkleidung und einige mit automatischen Waffen, in die Protestzone eindrangen und begannen, die Demonstranten in Handschellen durch die verschneiten Strassen abzuführen, während die sich wehrenden Lastwagenfahrer hupten. Unter dem Druck der Sicherheitskräfte begannen weitere Protestteilnehmer, ihre Fahrzeuge in der Gegend um das Parlament freiwillig zu entfernen.

LKW-Fahrer demonstrierten gegen Impfflicht

Die Polizei dränge weiter darauf, «die Kontrolle über unsere Strassen zu übernehmen», sagte Bell. «Wir werden Tag und Nacht arbeiten, bis dies abgeschlossen ist.»

Die Hauptstadt und ihre blockierten Strassen waren die letzte Hochburg der Bewegung nach wochenlangen Demonstrationen, bei denen es auch zu Blockaden von Grenzübergängen in die USA gekommen war und die für Premierminister Justin Trudeau eine der bisher schwersten Prüfungen darstellten. Zunächst hatten sie sich auf die Impfpflicht für LKW-Fahrer bei der Einreise ins Land konzentriert, entwickelten sich aber bald zu einem umfassenden Angriff auf die Corona-Politik und die Regierung Trudeau.

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(DPA/pme)

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