Aktualisiert 24.04.2018 07:47

Alpstein

Kanadische Raubfische fressen Bergsee leer

Kanadische Seesaiblinge sollten den Fischbestand im Fälensee im Alpsteingebiet vergrössern. Das hat nicht geklappt: Die fremden Fische frassen die einheimischen.

von
jeb
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Im Fälensee im Alpsteingebiet gingen die Fischfangerträge in den letzten Jahre dramatisch auf weniger als 200 pro Jahr zurück.

Im Fälensee im Alpsteingebiet gingen die Fischfangerträge in den letzten Jahre dramatisch auf weniger als 200 pro Jahr zurück.

Wikipedia/Wiechert
Die kanadischen Seesaiblinge bedrohen einheimische Fische.

Die kanadischen Seesaiblinge bedrohen einheimische Fische.

kein Anbieter/Tseybold
Die kanadischen Saiblinge werden im Herbst aus dem Fälensee abgefischt werden.

Die kanadischen Saiblinge werden im Herbst aus dem Fälensee abgefischt werden.

kein Anbieter/Andykrakovski

«Im Fälensee schwimmen grosse Raubfische, die die einheimischen Fische bedrohen. Jetzt will der Kanton diesen Raubfischen den Garaus machen», berichtete das «Regionaljournal Ostschweiz» am Montagmorgen.

Die Fische, die normalerweise in nordamerikanischen Seen vorkommen, wurden Mitte 80er Jahre im See ausgesetzt. Ziel war es, den Fischbestand zu erhöhen. «Zu Beginn war die Massnahme erfolgreich», sagt Fabian Peter (41), Gewässerökologe bei Aquaplus in Zug, dem Unternehmen, dass den Kanton Appenzell Innerrhoden berät, zu 20 Minuten. Ab 1991 seien die Fangerträge am See jedoch wieder zurückgegangen. In der Folge habe man den See nochmals mit Kanadischen Seesaiblingen (Salvelinus namaycush) und Bachforellen besetzt, worauf die Fischereierträge wieder stiegen.

Dramatischer Einbruch der Fangzahlen

Doch nach ein paar Jahren sind die Erträge wieder eingebrochen, zuletzt recht dramatisch. In den 90er Jahren wurden noch 1400 Fische im Fälensee gefangen, in den Nullerjahren 1200, ab 2011 fiel der Ertrag auf unter 200 gefangener Fische pro Jahr.

Die Vermutung: Die Fische aus Kanada wurden gross und gefrässig, was den Bestand dezimierte. «Kanadische Seesaiblinge fressen 7 bis 8 Kilo Fisch pro Jahr», sagt Peter. Die Fische werden bis zu 90 Zentimeter lang. «Sie sind starke Jäger. Wenige grosse Fische reichen, um die Zahl Fische in einem kleinen See zu schmälern.»

35 Zentimeter langer Fisch im Magen

Denn dasselbe Problem wurde früher schon in den Tessiner Seen wie dem Lago Ritóm, Lago Cadagno und Lago Tremorgio

beobachtet, wo ebenfalls Kanadische Seesaiblinge ausgesetzt worden waren. Als Massnahme wurden darauf die grossen Fische abgefischt. Bei einigen wurde der Mageninhalt untersucht. «Einer hatte einen 35 Zentimeter langen Fisch im Bauch, ein anderer fünf kleine Bachforellen.»

Letzten Donnerstag wurden Fischer und Interessierte an einer Infoveranstaltung im Hotel Hecht in Appenzell über Massnahmen informiert. So gilt seit Mitte April, dass die von Fischern gefangenen Raubfische nicht mehr freigelassen werden dürfen. Der Fang des Kanadischen Seesaibling wird danach nicht an die maximale Fangzahl pro Tag angerechnet. Auch darf in der Dämmerung und in der Nacht gefischt werden, dann ist der Seesaibling besonders aktiv.

Keine grossen Fische an Angel

Ende Fischereisaison im Herbst soll der See dann abgefischt und die Kanadischen Seesaiblinge entfernt werden. «Eingesetzt werden grossmaschige Netze mit mindestens 70 Millimeter Abstand, so dass kleinere Fische nicht im Netz landen», sagt Peter.

Die Fischer seien zu Beginn der Infoveranstaltung noch bedingt begeistert gewesen, dass der Seesaibling abgefischt wird, da er gut geschmeckt habe und auch eine ordentliche Grösse erreichte. Doch den Fischer sei bewusst geworden, dass der Fisch verantwortlich für die tiefen Fangerträge sei. «Das ist natürlich nicht im Interesse der Fischer», sagt Peter. Viele wussten nicht, dass es einige grosse Jäger im See hat. «Die grossen Fische bleiben meist in der Mitte des Sees und gehen kaum in Ufernähe. Zudem ernähren sie sich von den Fischen im See und interessieren sich kaum für die Köder der Fischer», sagt Peter.

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