Whistler, British Columbia - Kanadisches Ski-Städtchen als Hotspot für brasilianische Covid-Mutante
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Whistler, British ColumbiaKanadisches Ski-Städtchen als Hotspot für brasilianische Covid-Mutante

In der kanadischen Provinz British Columbia sind bisher 877 Fälle der Covid-19-Mutante P1 aufgetreten – fast ein Viertel davon im Olympia-Ort Whistler. Nun wurde der Ort komplett geschlossen.

von
Felix Traber
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Whistler ist traumhaft in den Rocky Mountains gelegen und zieht viele Touristen an.

Whistler ist traumhaft in den Rocky Mountains gelegen und zieht viele Touristen an.

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Hier fanden schon die Snowboard-WM und Rennen der Olympischen Winterspiele statt.

Hier fanden schon die Snowboard-WM und Rennen der Olympischen Winterspiele statt.

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Whistler-Blackcomb ist das grösste Skigebiet Nordamerikas.

Whistler-Blackcomb ist das grösste Skigebiet Nordamerikas.

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Darum gehts

  • Das Ski-Mekka Whistler in Britisch Columbia hat sich in Sachen Covid-19 zum «Ischgl der Rocky Mountains» entwickelt.

  • Fast ein Viertel aller Fälle mit der brasilianischen Corona-Variante in der Provinz wurden dort festgestellt – der grösste Ausbruch ausserhalb Brasiliens.

  • Dass nun kein Screening mehr auf die einzelnen Viren erfolgt, macht Experten Sorge.

Die 10’000-Seelen-Stadt Whistler in den kanadischen Rocky Mountains ist einer der bekanntesten und beliebtesten Wintersportorte in der Provinz British Columbia im Westen Kanadas. Whistler-Blackcomb ist das grösste Skigebiet in Nordamerika. 2005 fanden dort die Snowboard-Weltmeisterschaften statt, 2010 wurden die alpinen Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele ausgetragen.

Doch nun macht Whistler ganz andere Schlagzeilen: Ende März schlossen die Behörden den Ort für den Tourismus, nachdem sie festgestellt hatten, dass die hoch ansteckende brasilianische Sars-CoV2-Variante P1 sich dort rasch ausbreitete. Mittlerweile wurden laut dem «Guardian» in Whistler an die 200 Fälle bekannt, was massgeblich dazu beitrug, dass British Columbia mit insgesamt 877 Fällen der grösste Herd für P1 ausserhalb von Brasilien wurde. Das Virus, das insbesondere junge Menschen hart trifft, machte Whistler zu einer Art Ischgl von Kanada.

Auch NHL-Cracks infiziert

Die Fachleute sind besorgt, denn wie sich P1 in Whistler so stark ausbreiten konnte, ist den Experten schleierhaft: Keine der 84 zuerst infizierten Personen im Ort war zuvor ins Ausland gereist. Nora, eine 22 Jahre alte Tourismus-Angestellte, ist eine von ihnen. Sie weiss zwar nicht, mit welcher Variante sie Mitte März infiziert wurde, berichtet aber, dass sie starke Gliederschmerzen verspürte und tagelang das Bett hüten musste. Sie steht für die Mehrheit der Patienten im Ort, von denen manche trotz intensiver Impfbemühungen der Behörden an Covid-19 erkrankten.

«Wir haben immer gedacht, dass so etwas passieren könnte», sagt auch Peter, Angestellter eines Resorts, der wenige Tage nach seiner ersten Impfung erkrankte. «Die Leute kommen von überall hierher – das macht den Ort zu dem, was er ist». Seit März hat sich das Virus in der Provinz weiter ausgebreitet und auch das benachbarte Alberta erreicht. Auch 21 Spieler des NHL-Hockeyclubs Vancouver Canucks erkrankten.

Kein Screening auf Varianten mehr

British Columbia liegt beim Screening der Erkrankten landesweit zurück, weshalb der Grad der Verbreitung von P1 noch nicht klar ist. Für den Epidemiologen Jean-Paul Soucy sind die zu spät umgesetzten Quarantäne-Verordnungen schuld daran. «Dass wir die Quarantänemassnahmen nicht auf die Grenze ausgedehnt haben, hat da auch nicht geholfen», sagt er. Wegen Überlastung hat die Provinz nun zudem angekündigt, Infektionen nicht mehr auf den jeweiligen Stamm des Virus zu untersuchen. «Wir gehen einfach davon aus, dass alle Ansteckungen mit einer hoch ansteckenden Variante erfolgten», so Dr. Bonnie Henry, oberste Ärztin von British Columbia. Doch gerade dieser «Blindflug» bei den Treibern der Epidemie macht den Experten zusätzlich Sorge. Denn während die klassische Covid-19-Variante auf dem Rückzug ist, haben die Infektionen mit Mutanten zugenommen.

Aber auch die chronische Knappheit an Unterkünften im Ort dürfte zur Ausbreitung beigetragen haben. «Weil die Mieten so absurd hoch sind, teilen sich auch schon mal acht Leute eine Wohnung», berichtet Nora. Nach ihrer Infektion wollte sie in Quarantäne, doch auch ihre drei Mitbewohnerinnen und Mitbewohner erkrankten. «Die wenigsten von uns können ihre Arbeit eben von zuhause aus machen», sagt sie.

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