Aktualisiert 27.01.2011 06:41

«Hubble»Kandidat für fernste Galaxie erspäht

Astronomen, darunter zwei Forscher von der ETH Zürich, haben möglicherweise eine der ersten Galaxien des Kosmos entdeckt.

Mit dem Hubble-Teleskop können Astronomen weit entfernte Galaxien, hier Henize 2-10, erforschen.

Mit dem Hubble-Teleskop können Astronomen weit entfernte Galaxien, hier Henize 2-10, erforschen.

Mit dem «Hubble»-Weltraumteleskop haben Astronomen einen Kandidaten für die bislang fernste Galaxie im Kosmos aufgespürt. Die Sterneninsel ist so weit entfernt, dass ihr Licht 13,2 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war, wie das internationale Team im Fachmagazin «Nature» berichtet.

Das ist fast so lang wie das gesamte Alter des Universums. Das Licht ist nur 480 Millionen Jahre nach dem Urknall gestartet. Die ferne Galaxie muss damit - wenn sich ihre Entdeckung bestätigt - eine der ersten im Kosmos gewesen sein.

«Wir kommen den ersten Galaxien sehr nahe, von denen wir annehmen, dass sie sich 200 bis 300 Millionen Jahre nach dem Urknall geformt haben», erläuterte Garth Illingworth von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz. «Dieses Ergebnis ist an der Grenze unserer Möglichkeiten, aber wir haben Monate investiert, es zu überprüfen, daher sind wir ziemlich sicher.»

Belichtungszeit von vier Tagen

Die Astronomen, zu denen auch Marcella Carollo und Pascal Oesch von der ETH Zürich gehören, waren auf den Galaxien-Kandidaten im sogenannten «Hubble» Ultra Deep Field (HUDF) gestossen. Das ist die Langzeitbelichtung eines besonders sternenleeren Himmelsbereichs durch das Weltraumteleskop.

Eine Belichtungszeit von insgesamt 87 Stunden enthüllte hunderte ferne Galaxien in einem Ausschnitt, der von uns aus gesehen nur ein Zehntel so gross ist wie der Mond. Je nach ihrer Entfernung war das Licht der Galaxien aus dem HUDF unterschiedlich lang unterwegs.

Die Galaxien in verschiedenen Distanzen zeigen daher auch den Kosmos zu unterschiedlichen Zeiten. Eines der schwachen Lichtfleckchen ist der jetzt vorgestellte Kandidat für die bislang fernste Galaxie. Sie ist zu einer Zeit zu sehen, als das Universum erst 480 Millionen Jahre alt war.

«Hubble» an seinen Grenzen

«Unsere früheren Suchen haben zu einer etwas späteren Zeit 47 Galaxien gefunden, als das Universum ungefähr 650 Millionen Jahre alt war», berichtete Illingworth. «Aber 170 Millionen Jahre früher konnten wir nur diesen einen Galaxienkandidaten finden. Das Universum hat sich in kurzer Zeit rasch gewandelt.»

Unter anderem sei damals die Sternproduktion auf das Zehnfache hochgeschnellt. Der 13,2 Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxienkandidat ist hundertmal kleiner als unsere eigene Galaxie, die Milchstrasse, und über 5000 Mal weiter entfernt als unsere nächste grosse Nachbargalaxie, der Andromeda-Nebel.

Die Beobachtung ist an der Grenze dessen, was «Hubble» leisten kann. Eine endgültige Bestätigung der Entdeckung erwarten die Astronomen daher erst vom «Hubble»-Nachfolger «James Webb», der in einigen Jahren ins All gebracht werden soll. (sda)

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