Aktualisiert 08.12.2011 07:17

SVP-Kronfavorit

Kandidat Zuppiger gibt Fehler zu

SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger soll sich über mehrere Jahre aus der Erbschaft einer ehemaligen Angestellten bedient haben. Die SVP wusste davon. Zuppiger rechtfertigt sich.

von
jep/hag
In Bedrängnis: Werden die Veruntreuungs-Vorwürfe dem SVP-Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger das Genick brechen?

In Bedrängnis: Werden die Veruntreuungs-Vorwürfe dem SVP-Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger das Genick brechen?

Er gilt als Kronfavorit der SVP für den Bundesratssitz. Doch nun könnte Bruno Zuppiger eine ältere Geschichte aus seinem Privatleben eine Woche vor den Wahlen das Genick brechen. So berichtet ausgerechnet das SVP-freundliche Magazin «Weltwoche», dass Zuppiger sich jahrelang aus einer Erbschaft bedient haben soll.

Den Anfang hätte die «versuchte Veruntreuung» mit dem Tod einer ehemaligen Angestellten Zuppigers vor gut elf Jahren genommen. Sie soll eine Erbschaft von rund 265 000 Franken hinterlassen haben, aber keine erbberechtigten Verwandten; begünstigt habe sie dafür zwei gemeinnützigen Organisationen. Als Willensvollstrecker setzte sie laut der «Weltwoche» Bruno Zuppiger, respektive dessen Firma Zuppiger und Partner AG ein.

Drohung mit Klagen wirkte

Doch statt das Geld korrekt auszuzahlen, soll Zuppiger über 150 000Franken für nicht gerechtfertigte Spesen abgezogen haben. Als Grund habe er die aufwändige Suche nach einem möglichen Verwandten angegeben. Dann habe er 100 800 Franken auf sein eigenes Privatkonto in Hinwil überweisen lassen.

Als das vor einem Jahr aufflog, hätten die beiden Organisationen schriftlich mit Strafklagen wegen «Veruntreuung» und «ungetreuer Geschäftsbesorgung» gedroht. Erst unter diesem Druck, der ihn politisch und geschäftlich hätte ruinieren können, habe Zuppiger – zehn Jahre nach Antritt des Mandats – die Erben ausbezahlt, samt Zinsen. Dies komme einem Schuldeingeständnis gleich, so die «Weltwoche».

Fehler passieren

Auf die Frage, ob es stimme, dass er über die Hälfte der Erbschaft für sich und seine Mitarbeiter abgezweigt habe, sagte Zuppiger am Mittwochabend gegenüber der SF-Tagesschau, er könne sagen, dass in seinem Unternehmen ein Fehler passiert sei.

«Als ich die Tragweite des Fehlers erkannte, bin ich hingestanden als Unternehmer und habe die Sache mit der Gegenpartei geregelt.» Er habe keinen einzigen Franken in den eigenen Sack gesteckt und alles mit Zinseszinsen zurückbezahlt. Er habe den Fall im Übrigen nicht selber betreut. Zuppiger sieht sich - eine Woche vor den Bundesratswahlen - als Opfer einer Kampagne.

«Nomination nicht in Frage gestellt»

Bruno Zuppiger war für 20 Minuten Online nicht erreichbar. Auf die Vorwürfe angesprochen, antwortete er der «Weltwoche»: «Der Fall ist abgeschlossen. Alles ist geregelt ohne jeden Schaden für Dritte. Eine Stillschweigevereinbarung zwischen den Parteien verbietet mir, näher auf die Sache einzutreten.»

Pikant: Die SVP wusste von der Geschichte, wie sie am Mittwoch in einer Medienmitteilung schreibt. «Die SVP-Spitze wurde vor der Nomination über die Angelegenheit informiert.» Sie habe in der Folge Abklärungen vorgenommen und den Sachverhalt geprüft. Die Sache ist seit längerem abgeschlossen. Alles sei ohne Schaden für Dritte geregelt worden. «Für die SVP-Parteileitung ist wichtig, dass Bruno Zuppiger die Sache in Ordnung gebracht hat», schreibt die SVP weiter. Deshalb bestehe auch kein Grund, eine Nomination in Frage zu stellen. (jep/hag/sda)

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