«Auf wackligen Beinen»: Kann das Bolgen Plaza gerettet werden?
Aktualisiert

«Auf wackligen Beinen»Kann das Bolgen Plaza gerettet werden?

Das Bolgen Plaza in Davos muss um 19 Uhr schliessen. Das hat das Bundesgericht entschieden. Mit einer Petition möchten Unterstützer nun dagegen vorgehen.

von
qll/num
1 / 4
Nach 20 Jahren muss das Bolgen Plaza in Davos neu schon um 19 Uhr schliessen.

Nach 20 Jahren muss das Bolgen Plaza in Davos neu schon um 19 Uhr schliessen.

Keystone/Martin Ruetschi
Für den Betrieb des in einer Landwirtschaftszone liegenden Davoser Festlokals mit Restaurant bis in späte Nachtstunden hinein fehlt seit Jahren die rechtliche Legitimation.

Für den Betrieb des in einer Landwirtschaftszone liegenden Davoser Festlokals mit Restaurant bis in späte Nachtstunden hinein fehlt seit Jahren die rechtliche Legitimation.

Keystone/Martin Ruetschi
Das Bolgen Plaza erlangte in den vergangen Jahren Kultstatus.

Das Bolgen Plaza erlangte in den vergangen Jahren Kultstatus.

Keystone/Arno Balzarini

Nach 20 Jahren muss das Bolgen Plaza in Davos neu schon um 19 Uhr schliessen. Ein Zweitwohnungsbesitzer erzwang das frühe Lichterlöschen vor Bundesgericht. Dennoch möchte Michel Pernet, Gründer und Veranstalter des Songbird Festivals Davos gegen den Entscheid vorgehen.

Dies mit einer Petition, die er online gestellt hat. Er schreibt: «Davos braucht eine lebendige, pulsierende Après-Ski-Szene. Und Davos braucht einen Après-Ski-Melting-Pot wie das Bolgen Plaza.» Das Ziel der Petition: 1000 Unterschriften.

«Den alten Zustand wieder herstellen»

«Wir wollen mit der Online-Petition versuchen, die Emotionen zu sammeln und zu kanalisieren, damit wir der Politik eine Art demokratische Legitimation geben, im Sinne der Tourismusregion und der Bevölkerung zu handeln», sagt Pernet zu 20 Minuten. «Mit der Petition wollen wir den alten Zustand wiederherstellen.»

Wieso er sich für das Bolgen Plaza einsetzt, erklärt Pernet so: «Ein Gericht schränkt eine wichtige, um nicht zu sagen eine überlebenswichtige Gestaltungsmöglichkeit einer Tourismusregion ein, die in einem harten Wettbewerb mit dem scheinbar günstigen Ausland steht.» Après-Ski gehöre heute zu einem Skigebiet und das Bolgen Plaza sei das Aushängeschild für Après-Ski und Davos. «Der Entscheid des Bundesgerichts, auch wenn er juristisch einwandfrei sein mag, stösst in Davos auf breites Unverständnis», sagt Pernet.

Keine Legitimation

Aus dem Entscheid des Bundesgerichts geht hervor, dass das Bolgen Plaza in einer Landwirtschaftszone liegt. Für den Betrieb des Davoser Festlokals mit Restaurant bis in späte Nachtstunden hinein fehle seit Jahren die rechtliche Legitimation. Damit müssten die Öffnungszeiten an den Wintersportbetrieb angepasst und damit auf 19 Uhr beschränkt werden.

Der Entscheid hat Werner Seiler schockiert. Er betreibt das Bolgen Plaza seit 20 Jahren. Nun muss er schauen, ob er das Restaurant im Sommer überhaupt noch geöffnet haben kann, wie er zur «Südostschweiz» sagt. Eigentlich habe er sich mit all seinen Nachbarn gut verstanden – ausser mit dem Kläger. Seiler gibt an, alles unternommen zu haben, um die Lärmbelästigungen zu minimieren. Er betont, sein Restaurant sei nicht nur eine Festhütte.

«Die neuen Öffnungszeiten sind bedauerlich»

Das Bolgen Plaza gehört den Davos Klosters Bergbahnen. Dort bezeichnet man die neuen Öffnungszeiten als bedauerlich, wie Vidal Schertenleib zu 20 Minuten sagt. «Der leidtragende ist schlussendlich auch der Gast. Es wird nicht einfach, diesem um 19 Uhr klarzumachen, dass nun Schluss sei.» Er fügt hinzu: «Spätestens seit 2013 und den neu festgelegten Betriebszeiten ist das Bolgen Plaza kein Nachtbetrieb mehr, sondern ein Abendbetrieb.» Um 23 Uhr sei ja eh Schluss gewesen und der letzte Gast musste bis dann draussen sein. «Ich verstehe nicht, warum das Gericht die Betriebszeiten nun nochmals verkürzt hat. Wir hatten in den letzten Jahren nie mehr Lärmbeschwerden von Anwohnern, nicht einmal vom Kläger selbst.»

Den Entscheid des Bundesgerichts und das weitere Vorgehen werde man an der nächsten Sitzung besprechen. Schertenleib: «Momentan ist es aber schwierig, irgendwelche Lösungen zu nennen.»

«Bolgen Plaza stand auf wackligen Beinen»

Reto Dürst, Vorsteher der Baukommission in Davos, glaubt nicht, dass der Entscheid des Bundesgerichts irgendwie zu umgehen ist. Und man müsse den Tatsachen ins Auge sehen: «Eigentlich haben alle gewusst, dass das Bolgen Plaza auf wackligen Beinen steht», sagt er zu 20 Minuten. In einer Landwirtschaftszone sei nun mal ein normaler Restaurantbetrieb einfach nicht erlaubt.

Das Bolgen Plaza unterscheide sich dabei nicht von den Bergrestaurants: «Wenn die Skilifte am Nachmittag schliessen, geht es noch eine Stunde, anderthalb, dann ist Schluss.» Das Bolgen Plaza habe als kleines Beizli angefangen, sich aber mit den Jahren zu einem grossen Betrieb aufgeblasen.

«Es ist Kult geworden, ja, aber der Anwohner hat nur sein Recht durchgesetzt.» Dürst sagt, dass der Entscheid im kleinen Landrat noch nicht diskutiert worden sei, aber er glaubt auch nicht, dass es noch grosse Diskussionen geben werde. «Man hat eigentlich schon alles probiert, aber das Glas wurde viel früher zerschlagen.» Eine Umzonung zur Bauzone sei nicht einfach, da der Kanton und das Volk mitreden könnten. «Und das kann ebenfalls mit Einsprachen verhindert werden.»

Kläger wollte «rechtmässigen Zustand» herstellen

Der Kläger hat über seinen Anwalt eine Stellungnahme veröffentlichen lassen, wie die «Südostschweiz» schreibt. Er betont, dass er zweimal vor das Bundesgericht habe treten müssen, bis das geltende Recht angewendet wurde.

In der Stellungnahme kommt ebenfalls das Finanzielle zu Wort. So habe der Kläger, der mehrere Ferienwohnungen besitzt, von denen er eine selber nutzt, wegen der Lärmbelästigung gar Anfragen wegen Mietreduktion gehabt. Weil er diesen nicht entsprechen konnte, habe der Kläger seinen Mietern versprochen, «sich dafür einzusetzen, dass auf dem Bolgen der rechtmässige Zustand hergestellt wird». Dies hat er nun mit dem Bundesgerichtsentscheid auch geschafft.

Deine Meinung