Autovergleich - Fiat 500 Elektro vs. Fiat 500L von 1971
Der Fiat 500L aus dem Jahr 1971 (r.) ist eine Ikone. Schafft das der neue Fiat 500 Elektro auch?

Der Fiat 500L aus dem Jahr 1971 (r.) ist eine Ikone. Schafft das der neue Fiat 500 Elektro auch?

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ALT GEGEN NEUKann der Fiat 500 Elektro mit dem Original der 70er mithalten?

Gleiche Marke, gleiches Modell – aber 50 Jahre Unterschied. Wie sehr sich die Autobranche wandelt, zeigt ein Vergleich zwischen dem Fiat 500 Elektro von heute und dem Fiat 500L von 1971.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Der Fiat 500 ist das wohl berühmteste Auto Italiens. Anfangs 1957 erblickte der Cinquecento das Licht der Welt und holte aus seinem Zweizylinder-Motörchen satte 13,5 Pferdestärken heraus. Doch trotz seines knuffigen Aussehens war die Knutschkugel zu Beginn kein Knüller. Eineinhalb mehr Pferdstärken sollten es richten. Mit neuen 15 PS schaffte es die winzige Limousine Ende 1957 auf eine Höchstgeschwindigkeit von 90km/h und startete ihre Erfolgsgeschichte, die im Übrigen erst 1976 nach über 3,7 Millionen verkauften Exemplaren endete.

Herzensbrecher damals und heute?

Heute ist der «alte» Fiat 500 ein echter Herzensbrecher. Wohin man auch kommt, der «Oldie» zaubert den Leuten ein Lächeln ins Gesicht. Ob der neue Fiat 500 Elektro das auch schafft? Wir wagen einen Vergleich. Treffpunkt ist frühmorgens auf dem Münsterhof in Zürich. Beat Baschung knattert mit seinem Fiat 500L aus dem Jahr 1971 über das Kopfsteinpflaster. Farblich passen der «alte» und der «neue» 500er ja schon mal zusammen.

Der Zürcher Fotograf hat seinen Fiat 500L vor einigen Jahren in Italien gefunden, damals war er noch dunkelblau. Die neue Lackierung war aber nur eine der zahlreichen Restaurierungsarbeiten, die der Besitzer des Studios «The Foto Loft» in Dietikon vornehmen musste. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Kaum stehen der neue Fiat 500 Elektro und der Fiat 500L nebeneinander, kommen auch schon die ersten Passanten und machen Fotos.

Etwas aufgeblasen

Dass zwischen den beiden Kleinwagen 50 Jahre liegen, sorgt für Erstaunen. Dabei lässt sich der Unterschied bereits an den Ausmassen erkennen. Der Neue sieht aus, als hätte man ihn kurz mal aufgeblasen. In Zahlen heisst das: 2,97 Meter gegen 3,63 Meter bei der Länge, 1,32 Meter gegen 1,68 Meter bei der Breite und 1,32 Meter versus 1,53 Meter in der Höhe. Auch beim Gewicht hat der Neue mehr auf der Karosserie. Jetzt bringt er beinahe 1400 kg auf die Waage, damals waren es noch knapp 500 kg. Man möchte den alten 500er glatt unter den Arm nehmen und immer mit sich tragen.

Geblieben sind die runden Scheinwerfer, wenn auch beim Fiat 500 Elektro heuer Voll-LED-Lichter für Helligkeit auf der Strasse sorgen, im Gegensatz zu den Funzeln von früher. Apropos rund, auch der neue Fiat 500 Elektro zitiert die Rundungen seines Urgrossvaters und bleibt somit seiner DNA treu.

Kaum zu glauben, aber zwischen dem Fiat 500 Elektro (links) und dem Fiat 500L (rechts) liegen 50 Jahre Unterschied.

Kaum zu glauben, aber zwischen dem Fiat 500 Elektro (links) und dem Fiat 500L (rechts) liegen 50 Jahre Unterschied.

Beat Baschung
Der neue Fiat 500 Elektro hat im Vergleich zu seinem Vorgänger definitiv ein paar Zentimeter zugelegt.

Der neue Fiat 500 Elektro hat im Vergleich zu seinem Vorgänger definitiv ein paar Zentimeter zugelegt.

Beat Baschung
Allein in der Länge ist der neue Fiat 500 um fast einen Meter gewachsen.

Allein in der Länge ist der neue Fiat 500 um fast einen Meter gewachsen.

Beat Baschung

Fellini für Fussgänger

Der grösste Unterschied zwischen dem «Oldie» und dem Neuling ist natürlich der Antrieb. Der Fiat 500 Elektro ist, wie es der Name schon verrät, ein reines Elektroauto. Und dazu noch ein wirklich tolles. Mit der grossen Batterie von 42kWh hat der neue 500er eine Reichweite von bis zu 320 km, 118PS und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 150km/h. Im Vergleich zu den 15 PS und 90 km/h Höchstgeschwindigkeit des alten Fiat 500. Was also die Performance betrifft, hat der neue Fiat 500 die Nase vorn. Der Clou des Fiat 500 Elektro: Fährt man mit dem Elektro-Flitzer unterhalb von 20 km/h, werden Fussgänger von der Titelmelodie aus Federico Fellinis Film «Amarcord» vor dem Stromer gewarnt (kein Witz). Wenn da mal kein Dolce Vita aufkommt. Der Fiat 500L von 1971 hat hingegen nicht mal ein Radio.

Auch was die Innenausstattung betrifft, ist der Fiat 500L nach heutigen Massstäben schockierend spartanisch: Ein dünnes Lenkrad, ein kleiner Tacho und ein paar wenige, auf dem in Wagenfarbe lackierten Blecharmaturenbrett verstreute Schalter sowie dünne, aber recht bequeme Sitze mussten den Insassen fast 20 Jahre lang genügen. Der neue 500er bietet da schon mehr – viel mehr! Touchscreen, Smartphone-Einbindung, digitaler Tacho, Heizung für Hintern, Hände und Innenraum, Klimaautomatik und ein WLAN-Hotspot. Die Sitze sind zudem aus recyceltem Meeresplastik und dank zahlreicher cleverer Assistenzsysteme hilft der Elektro-Winzling beim Halten der Spur, der Distanz, der Geschwindigkeit und noch vielem mehr.

Fahrmodi statt Gänge

Für beide gilt: In der Stadt fühlen sie sich wohl. Da wuseln sie durch engste Gassen und schmiegen sich in die kleinsten Parkplätze. Während aber der Reihen-Zweizylinder im Heck des Classic Fiat lautstark vor sich hin poltert, surrt der Italo-Stromer lautlos von dannen. Und währen der Fotograf mit viel Gefühl den Hebel seiner Viergang-Schaltung führt, gibt es beim elektrischen 500er keine Gänge, dafür aber drei verschiedene Fahrmodi, die auch für die Rekuperation genutzt werden können.

Doch wer gewinnt denn nun das Duell? Alt oder neu? Als Alltagsfahrzeug macht der neue 500er eine grossartige Figur: Er bietet den Komfort und die Sicherheit eines modernen Autos, fährt zudem absolut CO2-neutral und ist optisch ein echter Hingucker! Dank dem Elektroantrieb kommt auch der Fahrspass beim neuen 500er nicht zu kurz. In Sachen Charme und Knuffigkeit kann aber auch der neue Fiat 500 Elektro mit dem alten Fiat 500L nicht mithalten. Ikone bleibt eben Ikone, aber der Fiat 500 Elektro führt die Tradition fort und könnte bald selbst zur Ikone einer neuen Generation werden.

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